Studenten der Bleibergquelle haben sechs Monte lang in der ganzen Stadt Kinder in ihrer Sprachentwicklung gefördert.

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Körpergefühl und soziale Kompetenzen vermittelten Jennifer Schwill und Sonja Schartner auf dem Spielplatz genauso wie beim Formen selbst hergestellter Knetmasse.

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Velbert. Zuerst wurde Jennifer Schwill und Sonja Schartner ganz mulmig, als sie erfuhren, mit wem sie es bei ihrem Sprachprojekt zu tun haben würden. Acht Jungs zwischen sieben und elf Jahren sind in der Gruppe des Awo-Stadtteilzentrums Nord, vier von ihnen haben türkische, die anderen vier kurdische Eltern.

Fußball können sie gut spielen, lässige Rapper-Gesten beherrschen sie, aber ihr Wortschatz - jedenfalls der deutsche - reicht über ein paar Brocken kaum hinaus. Vor allem "bitte" und "danke" fehlen anfangs auffällig. "Die waren schon sehr grob, zeigten keinen Respekt gegenseitig", erinnert sich Sonja.

Sie hat sich der Bande mit ihrer Kommilitonin Jennifer Schwill angenommen. Die beiden Studentinnen des Berufskollegs Bleibergquelle sind die Sache mit viel Professionalität und Herzblut angegangen. "Erstmal haben wir klare Regeln aufgestellt", sagt Jennifer. Außerdem mussten sich die jungen Frauen behaupten, als Menschen und als Lehrerinnen, gegen das antiquierte Rollenbild in den Köpfen der Kinder.

"Wir waren mehr als nur Sprachvorbilder"

Sie haben es geschafft, stellten sie gestern zufrieden fest. Sie haben mit den Jungs ein Haus aus Papier gebaut, haben eine "Fühlbox" gebastelt, beim matschen mit Knete neue Formen und Worte gefunden, auf dem Abenteuerspielplatz das Körpergefühl trainiert - und ganz nebenbei aus der Horde eine Gruppe gemacht, die Rabauken ein wenig gezähmt.

"Wir waren nicht nur Sprachvorbilder, die Jungs haben sich auch viel von unserem sonstigen Verhalten abgeschaut. Das ist ein tolles Gefühl", schwärmt Sonja Schartner heute.

Ähnlich wir ihr geht es den meisten Studenten ihres Jahrgangs. Auf zwölf Einrichtungen haben sich die Studenten verteilt, haben ein halbes Jahr lang immer mittwochs ein bis drei Stunden mit insgesamt 90 Kindern gearbeitet, haben sich jede Woche aufs Neue vorbereitet.

"Für jede Gruppe haben die Schüler ein eigenes Konzept entwickelt", erklärt Dozentin Andrea Sander. Denn die Voraussetzungen der Kinder waren denkbar unterschiedlich.

Wenn der Wortschatz schon da ist, geht es um kreativen Sprachumgang

Das können auch Sebastian Kaczer und Daniel Santamaria bestätigen, die sich um elf Kinder im "Treff 51" gekümmert haben. Migranten gibt es dort kaum, um Integration ging es folglich nicht.

"Die konnten schon sehr gut deutsch sprechen - also sind wir einen Schritt weiter gegangen, haben versucht, Kreativität zu wecken und Sprache in einen neuen Kontext zu setzen", sagt Kaczer. Die beiden haben mit den Kindern also einen Film gedreht.

Am Mittwoch wurde offiziell der Abschluss des Sprachprojekts gefeiert. In Kino-Atmosphäre mitsamt Popcorn und Eiskonfekt wurden Bilder der sechs Monate gezeigt. Das interessierte nicht nur die beteiligten Studenten und Vertreter der profitierenden Einrichtungen. Auch der kommende Jahrgang war dabei, um zu erfahren, was ihn demnächst erwartet.

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