Hilfsaktion: Beim Haiti-Benefiz beeindrucken auch zwei Brüder mit einem Gedicht.

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Die Gruppe „Haiti Solidarité“ wirkte an der Benefizveranstaltung im Forum mit.

Die Gruppe „Haiti Solidarité“ wirkte an der Benefizveranstaltung im Forum mit.

Simone Bahrmann

Die Gruppe „Haiti Solidarité“ wirkte an der Benefizveranstaltung im Forum mit.

Velbert. "Durch das Beben erwacht, für euch war es tiefe Nacht. Nun seht ihr das Leid, viele zum Spenden bereit. Wir sind dort geboren, ja glaubt euren Ohren. Wir wissen wie Hunger schmeckt, haben an Keksen aus Lehm geschleckt.

Für Wasser liefen wir meilenweit, zum Sprung in den Graben bereit. Dort waren Schüsse zu hören, ja glaubt euren Ohren. In Hütten aus Pappe, schliefen wir auf einer Matte. Kein Teppich, keine Bank, keinen Tisch, keinen Schrank."

Wo "die Erde bebte", (ins Kreolische übersetzt: Tè Tremblé) sind die Zwillingsbrüder Renel und Reginal (14 Jahre alt) geboren: in der Hauptstadt von Haiti, Port-au-Prince. So lautet auch der Titel ihres selbstgeschriebenen Liedes, das die Zwillingsbrüder am Samstagabend auf dem Benefizkonzert des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) im Forum Niederberg sangen. Inhaltlich greifen die 14-Jährigen darin die Lage in Haiti nach dem verheerenden Erdbeben im vergangen Monat auf - und auch ihre eigene Lebensgeschichte ist Thema.

Chöre und der Musikzug der Feuerwehr sind auch dabei

Bei dem Konzert für die gute Sache waren noch mit dabei: der Musikzug der Feuerwehr, die Gospelchöre "Enjoy Gospel" der Gemeinden St. Paulus und Don Bosco sowie "Voice’ Spirit" der evangelischen Gemeinde Tönisheide, die Schlossstadtsänger und Künstler der Musik- und Kunstschule.

Mit dem Erlös und weiteren Spenden soll ein konkretes Vorhaben in Haiti gefördert werden: voraussichtlich ein Waisenhaus in Jacmel. "Uns ist wichtig, dass wir ein Projekt in der Provinz, wo die Soforthilfe im Vergleich zur Hauptstadt Port-au-Prince nicht gleich ankommt, unterstützen", sagt Mechthild Exner, stellvertretende DRK-Vorsitzende in Velbert. Das Geld soll in den Wiederaufbau fließen, damit die Kinder in Haiti langfristig eine Lebensperspektive haben.

Renel und Reginal waren vier Jahre alt, als sie in Haiti von Marion und Dirk Bauernfeind adoptiert wurden. Seither lebt die Familie in Velbert-Mitte, die Söhne besuchen die hiesige Gesamtschule.

Es ist eine tiefe Verbundenheit, die die Brüder zu Haiti empfinden, auch wenn sie den karibischen Inselstaat noch nicht besucht haben und ihre Verwandtschaft dort nicht kennen.

Dafür pflegt die Familie umso mehr den Kontakt zu anderen Familien, die wie sie Kinder aus Haiti adoptiert haben. Mit ihnen hat sie den Verein "Haiti Solidarité" gegründet. Mehr als 1000 haitianische Adoptivkinder, so Zwillingsmutter Marion Bauernfeind, leben in Deutschland - und das rechtskräftig. Über Medienberichte, in denen von "spontanen Auslandsadoptionen am Flughafen" die Rede sei, ärgere sie sich.

Sorgen machten sich die Velberter um ihre Patentochter Sandy-Lhaivers (18), die mit Bruder und Großvater in Haiti lebt. "Das Erdbeben hat sie Gott sei dank überlebt", sagt Marion Bauernfeind. Und: "Ich hoffe, die Erinnerung an das arme Land in der Karibik bleibt", sagt sie im Gespräch mit der WZ, so dass kommende Generationen von Kindern nicht mehr singen müssen:

"Das Dach aus Blech, und welch ein Pech, bei Regen nicht dicht, bei Nacht kein Licht. Wörter in Lehm malen. Oder für die Schule bezahlen. Niemals Taschengeld, interessiert es die Welt?"

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