Bürgermeister Freitag warnt davor, durch die Diskussion um ihren Erhalt Chancen zu verpassen.

wza_1500x1011_611191.jpeg
Sollte ein Investor für das Marktzentrum gefunden werden, droht der Villa Herminghaus der Abriss.

Sollte ein Investor für das Marktzentrum gefunden werden, droht der Villa Herminghaus der Abriss.

Stefan Fries

Sollte ein Investor für das Marktzentrum gefunden werden, droht der Villa Herminghaus der Abriss.

Velbert. Nachdem sich die Diskussion um ein neues Marktzentrum am Forum Niederberg auf den Erhalt der angrenzenden Herminghaus-Villa fokussiert hatte, ist Bürgermeister Stefan Freitag jetzt in die Offensive gegangen. Gemeinsam mit Baudezernent Andres Wendenburg erläuterte der Rathauschef die künftige Innenstadtentwicklung und mahnte, das Projekt am Forum nicht auf einen einzigen Punkt - den Bestand der alten Villa - zu reduzieren oder Tabus und Denkverbote aufzubauen.

Die Kaufkraft in Velbert liegt laut Freitag zwar noch sieben Prozent über dem Landesschnitt, die Bindung dieser Kaufkraft an die Schlossstadt schwinde jedoch stetig. In der Nachbarschaft gebe es mit Centro, Rhein-Ruhr-Zentrum und Limbecker Platz attraktive Konkurrenz. Mancher Leerstand sei aber auch hausgemacht, wenn etwa Immobilien aufgrund Größe, Zuschnitt, Zugänglichkeit oder auch Kosten keine Nachmieter fänden.

Die Stadt will sich auf die historische Mitte konzentrieren

Gesamtstrategie sei, sich künftig auf das Herz der Innenstadt, die historische Mitte - soll heißen: das Dreieck von Christuskirche, Alter Kirche und St. Marien - zu konzentrieren.

Ein Baustein soll eben das neue Marktzentrum sein, mit Kino, Gastronomie, Shoppingcenter, der VHS und bis zu 600Parkplätzen: "Es spielt keine Rolle, ob man diese Einkaufszentren mag oder nicht, die Konsumenten wollen überdachte, wetterunabhängige Shoppingcenter", so Freitag. Baurat Wendenburg ergänzt: "Gefragt ist die Stadt der kurzen Wege."

Weitere Bausteine dieses Konzeptes seien zum Beispiel das Gesundheitszentrum und der Zentrale Omnibusbahnhof, das SB-Warenhaus Kleestraße, das Quartier Christuskirche und der Stadtumbau Schlossstraße. Als Pfund wertet Freitag den hohen Freizeitwert und die Grünflächen, wie Karrenbergplatz, Herminghauspark, Stiller Park und Freizeitpark Höferstraße und nicht zuletzt den Alleenradweg. In Planung sind außerdem eine neue Verkehrsführung und eine direkte Zufahrt von der A 535 in die Stadt.

Der Bezirksausschuss Velbert-Mitte, der Wirtschaftsförderungsausschuss sowie der Planungsausschuss haben vor Weihnachten dem Bebauungsplanentwurf für zugestimmt und die Erlaubnis zur Beseitigung des Baudenkmals Herminghaus-Villa im Falle einer Umsetzung des Projektes Marktzentrum beantragt. Grüne, SPD und Linke hatten gegen den Beschluss gestimmt.

Die Grünen wollen in der nächsten Woche eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Villa ins Leben rufen.

Freitag bestätigte, dass das Shoppingcenter eine radikale Umsatzverteilung nach sich ziehen wird. Während Handel und Gastronomie im Umfeld profitieren werden, sei das jenseits des Karrenbergplatzes nicht zu erwarten: "Das ist bisher nicht deutlich, ehrlich oder auch brutal genug kommuniziert worden", so der Bürgermeister.

Die Erlaubnis zum Abriss bedeutet noch nicht, dass der Bagger kommt

Dafür werde man eine moderne Innenstadt bekommen. Wolle man nun Tabus aufbauen und das ganze Vorhaben an die alte Villa knüpfen, würde man Chancen verschenken.

Die Erlaubnis zum Abriss bedeute nicht automatisch die Niederlegung des Gebäudes, machte Freitag deutlich. Letztlich seien die frühestens im Spätsommer nach erfolgreicher europaweiter Ausschreibung vorliegenden architektonischen Entwürfe entscheidend: "Da hat der, der ein Konzept mit Erhalt der Villa vorlegt, einen Startvorteil in der Gesamtbeurteilung."

Ab Montag liegt der Bebauungsplanentwurf zum neuen Marktzentrum im Baudezernat am Lindenkamp bis einschließlich 8. Februar öffentlich aus.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer