Bauprojekte: Auf dem Gelände an der Industriestraße ist am Dienstag (12.5.) der offizielle Startschuss für die größte städtische Investition seit dem Bau des Forums Niederberg gefallen.

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Rüttelmaschine statt Spaten: Bürgermeister Stefan Freitag eröffnete am Dienstag (12.5.) offiziell die Bauarbeiten für das Sportzentrum.

Rüttelmaschine statt Spaten: Bürgermeister Stefan Freitag eröffnete am Dienstag (12.5.) offiziell die Bauarbeiten für das Sportzentrum.

Simone Bahrmann

Rüttelmaschine statt Spaten: Bürgermeister Stefan Freitag eröffnete am Dienstag (12.5.) offiziell die Bauarbeiten für das Sportzentrum.

Velbert. Symbolisch ist er immer, der berühmte erste Spatenstich für Bauprojekte - wer würde heutzutage schließlich eine Baugrube mit einem Spaten ausheben.

An der Industriestraße griff Bürgermeister Stefan Freitag am Dienstag (12.5.) aber noch zu einem ganz anderen Werkzeug, um den offiziellen Baubeginn für das Sportzentrum zu signalisieren. Mit einer Rüttelmaschine befestigte er unter reichlich Lärm einen kleinen Teil der sogenannten Investorschicht, die jetzt auf den bereits verfüllten und abgedichteten Teil des Deponiegeländes aufgetragen wird.

Diese Arbeiten werden bereits in Regie des städtischen Tochter-Betriebs Kultur- und Veranstaltungs GmbH (KVV) ausgeführt, die das Sportzentrum realisieren wird. Im kommenden Jahr, so kündigte KVV-Geschäftsführer und Sportdezernent Holger Richter an, werden die Hochbauarbeiten beginnen.

Als erstes entsteht der Hallenkomplex mit Gastronomie

Als erstes in Angriff genommen wird der Hallenkomplex, der eine Doppel- und eine Einzelsporthalle, eine Halle für Turner und Tanzsportler sowie eine geschlossene Rollsporthalle umfasst. Außerdem sind ein Gastronomie-, ein Fitnessbereich sowie eine Soccerhalle vorgesehen, die privat betrieben werden sollen.

"Diese Überlegungen scheinen durchaus realisierbar", sagte Richter am Dienstag. Auch Nicht-Vereinsmitglieder sollen so auf die Anlage gelockt werden. "Wer nicht Sport treiben oder zuschauen möchte, kann von der Außenterrasse einen Blick bis ins Ruhrgebiet genießen", so Richter.

Im Januar 2005 hatte die Verwaltung erstmals Pläne für eine zentrale Sportanlage an der Industriestraße vorgelegt, die die bestehenden sanierungsbedürftigen Anlagen Sonnenblume und Wasserturm/Kastanienallee ersetzen sollte. In der Folge wurden die Planungen mehrfach verändert. Vor allem wegen der hohen Kosten regte sich bald Widerstand gegen das Projekt. Das Bürgerbegehren, das die Initiative "Sportzentrum, nein danke" im Frühjahr 2006 startete, scheiterte jedoch - es kamen nicht genügend Unterschriften zusammen. Nachdem anfangs auch Velbert anders dem Zentrum zugestimmt hatte, brachten im April 2009 letztlich CDU, SPD und Grüne das Großprojekt in einer etwas abgespeckten Version auf den Weg.

Realisiert werden jetzt als erstes der Hallenkomplex samt Gastronomie- und Fitnessbereich und die Leichtathletikanlage. Anschließend wird das Fußballstadion in Angriff genommen, das zur Saison 2012/13 fertiggestellt sein soll. Der Bau des Kunstrasentrainingsplatzes sowie von Parkplätzen und Außenanlagen wird erst nach 2013 erfolgen.

Für das Projekt inklusive noch notwendigen Reparaturen/Ergänzungen am Stadion Sonnenblume sind 14,5 Millionen Euro kalkuliert. Diese Kosten reduzieren sich unter anderem durch die erwarteten Erlöse aus dem Verkauf der Flächen am Wasserturm (2,1 Millionen Euro) und Sonnenblume (4,1 Millionen).

Als nächstes wird, etwas tiefer gelegen, die Leichtathletikanlage gebaut. Und daran anschließend soll im zweiten Bauabschnitt das Fußballstadion entstehen.

Es soll Mitte 2012 fertiggestellt sein, der erste Bauabschnitt mit den Hallen Ende 2011. Die Velberter Sportgemeinschaft, das Tanz-Sport-Zentrum und die Commanders (Skaterhockey) werden die Hauptnutzer der Anlagen sein, außerdem viele Schulen.

Für letztere, kritisierte anlässlich des Baubeginns noch einmal die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niederberg (GEW), bedeute der vorgesehene Wegfall der Anlagen "Am Wasserturm" jedoch aufwändige Bustransporte zum neuen Sportzentrum.

Und auch die Wählergemeinschaft UVB sowie Die Linke machten am Dienstag vor Ort erneut ihren Protest deutlich, der sich vor allem an den hohen Kosten des Projekts (14,5 Millionen Euro) entzündet. UVB-Mitglieder traten in Trauerkleidung auf, die Linke wollte "den Größenwahn beerdigen".

"Hätten wir das Fähnchen in den Wind gehängt, würden wir heute nicht hier stehen."

(Bürgermeister Stefan Freitag, bezogen auf den Widerstand gegen das Projekt)

"Wir haben es hier mit der größen öffentlichen Investition in Velbert seit dem Forum Niederberg zu tun. Dass das die Menschen bewegt, ist nachvollziehbar. Und dass kontrovers diskutiert wird, ist lebendige Demokratie und gehört zur Meinungsfreiheit", sagte Bürgermeister Stefan Freitag in seiner Ansprache.

Dennoch zeigte sich Freitag überzeugt, dass die Entscheidung für das Sportzentrum richtig und richtungsweisend für den Sport in Velbert sei. "Ich bin froh, dass wir den Mut dazu gefunden haben, auch über Widerstände hinweg", dankte er "denen, die standhaft geblieben sind" - es waren am Ende CDU, SPD und Grüne, die das Projekt im April auf den Weg gebracht haben.

"Man muss auch mal Bewährtes aufgeben, wenn festgestellt wird, dass Neues besser ist", sagte der Bürgermeister. Zudem sei es seine Erfahrung, dass die Kritik mit dem Baufortschritt eines Projekts in der Regel abnehme.

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