Hertie: Am 1.August sollen sich die Türen schließen. Jetzt wittern Schnäppchenjäger ihre Chancen.

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Überall in der Velberter Hertie-Filiale locken Preisnachlässe. So soll der Abverkauf der Waren gefördert werden.

Überall in der Velberter Hertie-Filiale locken Preisnachlässe. So soll der Abverkauf der Waren gefördert werden.

Simone Bahrmann

Überall in der Velberter Hertie-Filiale locken Preisnachlässe. So soll der Abverkauf der Waren gefördert werden.

Velbert. Überall in der Innenstadt sind Passanten mit roten Einkaufstüten zu sehen. Viele Velberter schauen in diesen Tagen bei Hertie vorbei, auf der Suche nach Sonderangeboten, oder um sich von den Mitarbeitern zu verabschieden. Voraussichtlich am 1. August wird die Filiale an der Friedrichstraße für immer schließen. "Wir haben noch gehofft, dass es irgendwie weitergeht. Doch es gibt wohl keine Chance mehr", sagt der Betriebsratsvorsitzende Volker Küpper.

Trotzdem werden die Kunden von Bannern mit der Aufschrift "Wir brauchen nur einen neuen Mietvertrag" und einer Unterschriftenliste begrüßt. "Das ist einfach aus Protest. Damit die Kunden sehen, dass es hätte weitergehen können", sagt Küpper ein wenig verbittert. Seiner Meinung nach sei der britische Eigentümer Dawnay Day einfach nicht am Erhalt der Marke interessiert gewesen. "Es hat Interessenten gegeben. Betriebswirtschaftlich ist die Entscheidung, die Läden zu schließen, absolut unverständlich", sagt Küpper.

Bereits bestellte Ware wird noch nachgeliefert

In der Filiale geht derweil der so genannte "Abkauf " der Waren weiter. Im Erdgeschoss stöbern Kunden nach Schnäppchen. Die Regale des Kosmetikshops sind zum Teil leer gekauft. Und in der ersten Etage wuchten Mitarbeiter bereits die ersten Verkaufstische beiseite. "Der Verkauf geht ganz normal weiter. Es kommt auch noch Ware nach, die bereits bestellt worden ist", erklärt Filialleiter Nils Juchner.

Die Kunden freut das. Viele sind auf der Suche nach Schnäppchen. Auch Anne Siebert (64) schaut sich um. "Ich erwarte jetzt schon günstige Preise", sagt sie und hält eine Hose hoch. "Die ist mir allerdings noch zu teuer." Den Stammkunden Gerhard und Renate Noetzelis sind die Schnäppchenjäger ein Graus. "Da dreht sich mir der Magen um. Wenn man Qualität haben will, muss man dafür auch bezahlen", sagt die 71-jährige Rentnerin. Gerhard Noetzelis(81): "Wir kommen seit 30Jahren hierher. Die Schließung ist ein großer Verlust für Velbert."

An den Kassen verabschieden sich langjährige Kunden wie das Ehepaar Noetzelis von den Verkäuferinnen und wünschen ihnen alles Gute. Wohlwissend, dass es viele schwer haben werden, einen neuen Job zu finden. Von den rund 50 Hertie-Mitarbeitern hätten zurzeit "nur eine Handvoll" die Aussicht auf neue Anstellung, schätzt Küpper.

Das Betriebsklima ist trotz der bevorstehenden Schließung gut

In der Velberter Filiale arbeiten rund 80 Mitarbeiter. Davon sind 50 direkt bei Hertie angestellt. Die anderen sind bei Marken angestellt, die in der Filiale angesiedelt sind.

2004 gab der finanziell angeschlagene QuelleKarstadt-Konzern bekannt, dass er sich von seinen Filialen mit einer Verkaufsfläche von unter 8000Quadratmetern trennen will. Dazu gehörte auch das Haus in Velbert, das seit 1973 besteht. Die Filialen wurden in die Karstadt Kompakt GmbH ausgegliedert. Diese Gesellschaft wurde zum 1.Oktober 2005 an die britische Dawnay Day Group verkauft. Seit 2007 firmierte auch der Velberter Standort unter dem Namen Hertie. Im Juli 2008 musste Hertie wegen Finanzproblemen von Dawnay Day Insolvenz anmelden. Seitdem wurde vergeblich nach einem Investor für den Kern des Unternehmens gesucht.

Doch Stimmung in der Belegschaft scheint trotz der Umstände gut zu sein. "Wir machen das Beste daraus.", sagt Edeltraut Prate (56), Verkäuferin in der Schmuckabteilung, und lächelt. "Wir hatten immer ein sehr gutes Betriebsklima, und das ist jetzt auch noch so. Aber es ist schwer, auch weil nicht alle Kunden freundlich sind und uns die Schuld an der Pleite geben", sagt Regina Memel (56), die seit 30 Jahren im Betrieb ist.

Wie es für sie weitergeht, wissen die Verkäuferinnen nicht. "Von Seiten der Filialleitung werden wir unterstützt, wo es nur geht. Aber die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist eben im Moment nicht so rosig."

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