Klinikum Niederberg:Der Umbau der Notfallambulanz und die Privatisierung der Küche sind die nächsten großen Projekte.

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Noch nicht am Ende des Sanierungswegs: das Klinikum Niederberg.

Noch nicht am Ende des Sanierungswegs: das Klinikum Niederberg.

Simone Bahrmann

Noch nicht am Ende des Sanierungswegs: das Klinikum Niederberg.

Velbert. "Das Klinikum Niederberg soll in kommunaler Trägerschaft erhalten werden." Diese Kernbotschaft der "Niederberger Erklärung" wurde am Dienstagabend noch einmal vielstimmig bekräftigt. Und kommunal heißt: zu 100 Prozent städtisch. Kooperationen, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Bolz in der von der Gewerkschaft Verdi organisierten Podiumsdiskussion, seien möglich, private Beteiligungen aber nicht. Dies bestätigte auch SPD-Aufsichtsratsmitglied Ralf Wilke.

Und Bürgermeister Stefan Freitag brachte es so auf den Punkt: "Wenn noch einer mit am Tisch sitzt, will er auch mitessen" - sprich: Gewinne für sich machen. Die städtischen Gesellschafter hingegen verzichteten auf Rendite, "weil wir Gewinne wieder ins Haus stecken müssen". Bei einer gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) müssen die Gewinne für den gemeinnützigen Zweck verwendet werden.

Wirtschaftliche Sanierung kommt voran, Belegungszahlen steigen

Insgesamt sehen die Verantwortlichen den "Patienten Klinikum" auf einem guten Weg. Die wirtschaftliche Sanierung sei bereits ein gutes Stück vorangekommen, das Defizit (zur Zeit der Insolvenz von 3,2Millionen Euro) abgebaut, der Etat vor Zinsen ausgeglichen, erläuterte Geschäftsführer Christian Engler. Die Belegungsquote konnte im vergangenen Jahr auf 85 Prozent gesteigert werden. "Aber wir brauchen Cash, um investieren zu können." Derzeit würden etwa 1,7Millionen Euro pro Jahr in die Instandhaltung gesteckt - "ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Engler.

Ziel sei es, dauerhaft fünf Prozent des Budgets für Instandhaltung ausgeben und noch dazu Investitionen tägigen zu können. Dazu müssten aber die Einnahmen verbessert werden: "Daran arbeiten wir: Dass das Haus medizinisch einen guten Ruf hat, dass Patienten sich hier wohl fühlen." Deutlich ausgeweitet wurde daher auch die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, die im Haus ambulante oder stationäre Operationen durchführen.

"Sanieren ist nicht nur Kostenschrubben, sondern vor allem Umsätze gewinnen."

Geschäftsführer Christian Engler

"Wir stehen kurz vor dem Start des Umbaus der Notaufnahme. Dort kommen die Patienten als erstes an, das ist ein Aushängeschild", kündigte Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Herre an. Doch generell ist das Gebäude stark modernisierungsbedürftig. Aus der Fassade beispielsweise lösen sich Platten der Verkleidung, es regnet rein - könnten nicht die Städte als Gesellschafter finanziell eintreten, damit eine Erneuerung endlich stattfinden kann? Ganz klar nein, sagten Stefan Freitag und sein Heiligenhauser Kollege Jan Heinisch. Grund: "Das Klinikum ist Marktteilnehmer. Laut einer EU-Richtlinie dürfen die Städte kein Geld reinschießen - das wäre ein unerlaubter Markteingriff", sagte Freitag.

Das Klinikum wird seit 2003 als gemeinnützige GmbH (gGmbH) geführt. Alleiniger Gesellschafter ist der Zweckverband Klinikum Niederberg der Städte Velbert und Heiligenhaus. Seit 2005 besteht eine Kooperation, aber keine finanzielle Verflechtung, mit der Kliniken St. Antonius gGmbH in Wuppertal.

Das Haus verfügt über 519 Betten. Insgesamt werden rund 850 Mitarbeiter beschäftigt

Ein Zusicherung bekamen die Mitarbeiter aber hinsichtlich der Tarifbindung: Man werde im Verband kommunaler Arbeitgeber bleiben, sagte Freitag. Zum jetzigen Zeitpunkt Arbeitsplätze zu garantieren, sei hingegen nicht möglich. "Kommunale Trägerschaft ist kein Rundum-Sorglos-Paket. Auch ein kommunales Krankenhaus muss mit marktgängigen betriebswirtschaftlichen Methoden arbeiten."

Heißt das womöglich, dass weitere Auslagerungen geplant sind? "Zurzeit machen wir eher Insourcing, haben beispielsweise Kernaufgaben der Verwaltung und IT wieder ins Haus geholt", sagte Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang. Dass die nach Wuppertal ausgelagerte Apotheke in absehbarer Zeit wieder zurück nach Velbert komme, sei aber "aus räumlichen Gründen kurzfristig sicher nicht möglich". Und auch die Privatisierung der Küche ist aus Sicht der Geschäftsführung unumgänglich: "Das ist ein wesentliches Projekt des Sanierungsplans.

Wir rechnen mit mindestens 700000 Euro Einsparung im Jahr", so Engler. Ziel sei eine Umsetzung bis Jahresende. Ob allerdings die "Küche Velbert" die Lösung sein wird, steht derzeit nicht fest. Während die 19beim Klinikum angestellten Küchenmitarbeiter übernommen oder anderweitig eingesetzt werden sollen, ist die Zukunft der bei unterschiedlichen "Untergesellschaften" beschäftigten Mitarbeiter ungewiss.

An der Geriatrie ist das Klinikum "weiter interessiert"

Nachdem bei Kooperationspartner St. Antonius Wuppertal ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat, werde die Zusammenarbeit zurzeit neu bewertet, erste Gespräche hätten stattgefunden, berichtete Astrid Gesang zu diesem Thema. Hinsichtlich der Geriatrie, die in Neviges geschlossen werden soll, sei das Klinikum "weiter interessiert".

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