Neben den heimischen Narren liefen am Montag englische und zum ersten Mal auch französische Jecken in Tönisheide mit – eine Jux-Band aus der Velberter Partnerstadt.

Velbert. Das kann doch einen Narren nicht erschüttern: Rund 4000 Jecken feierten am Montag trotz schattiger Minusgrade den Rosenmontagszug op Tönisheide. Einen guten Draht zu Petrus pflegen offensichtlich die Organisatoren in Velbert, denn mit Beginn des Zuges an der Friedrichstraße lugte nach längerer Abwesenheit sogar die Sonne hervor. Rund 10000 Schaulustige jubelten dort laut Polizei den Fußgruppen und Wagen zu.

"Schon geimpft?" prangt auf dem Wagen der Langenberger Werbevereinigung - fast ist die Schweinegrippe wieder in Vergessenheit geraten. Aus Taka-Tuka-Land kommen die KAB-Cats, begleitet von einer Fußgruppe grün gewandeter KAB-"Zwerge" aller Altersstufen. Wie ein Lindwurm windet sich der Zug über die Wülfrather Straße, passiert die Kreuzung in der Ortsmitte. Als tapfere Musketiere stehen die Mitglieder des Bürgervereins Tönisheide auf ihrem Wagen: "Wir kämpfen für die Entrechteten!" ruft Ralf Seipenbusch, langjähriges Mitglied des BV-Vorstands, und läßt es Kamelle regnen.

Kreativ: Kamelle fangen kann man auch mit Wikingerhelmen

Der Begriff ist dieses Jahr weit gefasst: Neben den typischen Klümpkes fliegen auch zahlreiche Tütchen mit Popcorn, Weingummi oder Schokoriegeln in die Menge. Zwei Knirpse nutzen ihre Kostümierung, indem sie ihre Wikingerhelme kurzerhand umdrehen und die Süßigkeiten in den schüsselähnlichen Kopfbedeckungen auffangen. Unterschriftenkarten gibt es zusätzlich am Wagen der VMG. Das Team um "Pirat" Nils Juchner trommelt für die Aktion "WDR 2 für Velbert".

"Velbert, Geisterstadt 2010" trifft auf die bunte Fußball-WM

Rosenmontag international: Nachdem die Karnevalsköniginnen aus der englischen Partnerstadt Corby seit Jahren die fünfte Jahreszeit mitfeiern, marschieren die 16 Mitglieder der Jux-Band "des Bigophoneux" aus Chatellerault zum ersten Mal in den Zügen mit: "Das ist auch ein Kulturaustausch", meint Anne Balotte schmunzelnd.

Nach Gastauftritten in der Sitzung der KG Urgemütlich und auf dem Tönisheider Kirchplatz lassen sich die Franzosen nun von der Stimmung auf Tönisheide mitreißen und leisten direkt hinter dem Wagen von Prinzessin Babett I. mit lustigen Instrumenten aus Rohren, Kazoos und Trompeten ihren Beitrag. Völlig begeistert ist Prinzessin Cassie aus Corby nach der Tönisheider Etappe: Den deutschen Karneval findet sie "einfach großartig", während der englische Hofstaat den Vampir-Wagen der "Großen Velberter" für den Zug durch die Schloßstadt entert.

Englisch ist auch das Motto der Wobau: "My home is my castle" heißt es auf dem Wagen des erstmals teilnehmenden kommunalen Wohnungsunternehmens. Als Gespenster malen die Mitglieder des "Wilden Haufens" das Schreckensbild von "Velbert, Geisterstadt 2010", während die KG Urgemütlich bereits auf die Fußball-WM einstimmt.

Auch beim Rosenmontagszug geht der politische Machtkampf weiter

Ganz ohne Politik geht es auch im Karneval nicht: "NRW wählt im Mai die Karnevalspartei" lautet das Motto der "Karnevalsraketen" - wer das sein soll, wird aber nicht verraten. Und während CDU-MdL Marc Ratajczak sich den Wahlspruch der Düsseldorfer Narren "Jeck, we can!" zu eigen gemacht hat, feiert sein SPD-Herausforderer Volker Münchow im Schottenrock - wenn das bloß kein Omen ist!

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer