Bundesweit protestierten am Dienstag (16.6.) Angestellte gegen die Schließung des Kaufhauses – auch in Velbert.

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Von einer Schließung Herties wären in Velbert 60 Mitarbeiter betroffen. Sie protestierten am Dienstag (16.6.) vor der Filiale.

Von einer Schließung Herties wären in Velbert 60 Mitarbeiter betroffen. Sie protestierten am Dienstag (16.6.) vor der Filiale.

Simone Bahrmann

Von einer Schließung Herties wären in Velbert 60 Mitarbeiter betroffen. Sie protestierten am Dienstag (16.6.) vor der Filiale.

Velbert. Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Ein Satz, der am Dienstag (16.6.) immer wieder fällt. Hertie-Mitarbeiter demonstrierten vor der Filiale für den Erhalt des Kaufhauses.

Viele hätten nicht verstanden, warum sie nicht schon früher protestiert hätten, sagt Fililalleiter Nils Juchner. "Aber wir wollten den Umsatz nicht gefährden."

Marita Jahn arbeitet seit der Eröffnung vor 36 Jahren im Kaufhaus

Es ist eine bittere Erfahrung, die Juchner und seine Mitarbeiter zur Zeit machen. "Wir haben auf Lohn verzichtet. Dass Leistung nicht honoriert wird, konnten wir uns nicht vorstellen." Juchner lobt seine Mitarbeiter, "bewundernswert" seien ihr Durchhaltevermögen und ihr Teamgeist. Er sagt das mit viel Emotion in der Stimme.

Der Chef in Zeiten der Krise auf Augenhöhe. So sehen das auch die Mitarbeiter. Die Stimmung sei gedrückt, aber der Teamgeist vorbildlich. 36 Jahre arbeitet Marita Jahn schon im Kaufhaus, das bei ihrer Einstellung noch Karstadt hieß.

Dass das Haus jemals schließen könnte, habe sie bis zur Insolvenz nicht geglaubt. Aufgeben will sie nicht. "Kämpfen lohnt sich", sagt sie. Jahn ist 53 Jahre alt, schließt Hertie, muss auch sie sich einen neuen Job suchen. Bisher nimmt sie die ungewisse Situation gelassen. "Es bringt ja nichts, sich Sorgen zu machen."

Rund 40 Bürgermeister aus Deutschland trafen sich in der vergangenen Woche in Frankfurt mit Jürgen Fitschen von der Deutschen Bank, Treuhänder des Kredits des Gebäudeeigentümers Dawney Day. Die Deutsche Bank erklärte sich bereit, als Moderator eine "Hertie-Konferenz" zwischen den Gebäudeeigentümern, dem Insolvenzverwalter, möglichen Investoren und Vertretern der betroffenen Städte einzuberufen, um alle Möglichkeiten auszuloten. In etwa zwei Wochen soll das Treffen in Frankfurt stattfinden.

Anders Hertie-Mitarbeiterin Barbara Steingens. "Ich schlafe im Moment sehr schlecht", sagt sie. 13 Jahre ist sie im Betrieb tätig, mit 60 Jahren könnte sie bald in den Ruhestand gehen. "Ich möchte aber bis zuletzt arbeiten. Sollte Hertie zu machen, wird das schwierig." Leid täte es ihr besonders um das Team: "Die Arbeit hier gefällt mir unheimlich gut."

Es sind nicht nur die langjährigen Mitarbeiter, die mit Plakaten auf der Straße stehen. Unter den 60 Angestellten sind auch fünf Auszubildende. Zwei schließen gerade ihre Ausbildung ab. Die 19-jährige Tugce Gümüs aber ist erst seit einem Jahr dabei.

Auch sie hat sich am Dienstag den Hertie-Button angeheftet. "Ich bin total traurig", sagt sie. "Hertie ist wirklich klasse." Die Hoffnung habe sie noch nicht verloren, obwohl der Chef schon bei der Industrie-und Handelskammer vorgefühlt habe, wo Gümüs im Fall der Fälle unterkommen könnte.

Ruheständler unterstützen den Protest auf der Friedrichstraße

Der Fall der Fälle: die Schließung. Vorstellen kann sich das keiner der Protestler. Auch nicht die Ruheständler, die angereist sind, um den Protest ihrer ehemaligen Kollegen zu unterstützen. Margit Groß-Selbeck zum Beispiel.

72 Jahre ist sie alt, lange hat sie an der Friedrichstraße gearbeitet: "Wir zeigen Flagge, das gehört dazu." Auch der 60-jährige Wolfgang Gring ist gekommen. 28 Jahre gehörte er zum Betriebsrat: "Auch für uns ist das ein Trauerspiel. Du bist mit dem Unternehmen verwachsen, man kennt sie alle."

Als der Bürgermeister spricht und und die Bedeutung des Kaufhauses für die Innenstadt hervorhebt, applaudieren die Demonstranten. Betriebsrat Volker Küpper begrüßt die Unterstützung durch die Stadt.

Er verspricht sich viel von der geplanten Hertie-Konferenz in etwa zwei Wochen, die auf Anfrage der Bürgermeister zustande kam. Auch er hat noch Hoffnung. "Es gibt eine recht gute Chance", sagt er. "Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Die Kassen im Kaufhaus waren am Dienstag übrigens auch während des Protests besetzt.

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