Die Forderung, das historische Gebäude unangetastet zu lassen, stößt auf große Unterstützung.

Mehr als 100 Bürger kamen zur Gründung der Bürgerinitiative zum Erhalt der Villa Herminghaus. Jetzt soll mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren begonnen werden.
Mehr als 100 Bürger kamen zur Gründung der Bürgerinitiative zum Erhalt der Villa Herminghaus. Jetzt soll mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren begonnen werden.

Mehr als 100 Bürger kamen zur Gründung der Bürgerinitiative zum Erhalt der Villa Herminghaus. Jetzt soll mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren begonnen werden.

Simone Bahrmann

Mehr als 100 Bürger kamen zur Gründung der Bürgerinitiative zum Erhalt der Villa Herminghaus. Jetzt soll mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren begonnen werden.

Velbert. Mehr als hundert Velberter sind am Donnerstagabend in den kleinen Saal des Forum Niederberg gekommen, um in Sichtweite der Villa Herminghaus die Bürgerinitiative zum Erhalt des historischen Gebäudes zu gründen. Zum Teil fanden die Teilnehmer nur noch Stehplätze. Die Bündnisgrünen, die zu der Versammlung eingeladen hatten, waren von der Resonanz freudig überrascht: "Wir hatten die leise Hoffnung, vielleicht 50 Bürger zu mobilisieren", sagte Hans-Peter Kaiser, stellvertretender Vorsitzender der Ratsfraktion.

Geschichtsverein und Bürgervereine beteiligen sich aktiv

Das Bürgerbegehren, das die Versammlung dann aus der Taufe hob, stützt sich auf eine zunehmend breitere Front: Neben Grünen, Linken und SLB, die im Rat gegen die Aufhebung des Denkmalschutzes der Villa votiert hatten, wollen nun auch der Bergische Geschichtsverein (BGV) und Vertreter der Bürgervereine Unterschriften für den Erhalt der Villa sammeln.

Der Tenor der zahlreichen Wortmeldungen war eindeutig: Das historische Gebäude darf als bedeutsames Zeugnis der Stadtgeschichte nicht dem Abriss preisgegeben werden, sondern soll in jedem Fall erhalten bleiben. Das habe sich der Geschichtsverein auf die Fahne geschrieben, betonte dessen stellvertretender Vorsitzender Horst Degen: "Der erweiterte Vorstand hat einstimmig beschlossen, das Bürgerbegehren zu unterstützen." Er habe inzwischen sehr viel Zuspruch aus der Bürgerschaft erfahren, berichtete der Tönisheider: "Ob per Brief, Mail, Fax oder telefonisch - das ging quer durch alle politischen Lager." Nicht nur der BGV betonte, dass auch der rund 2000Quadratmeter große Garten Bestandteil des Villa-Ensembles sei und zu dessen Ambiente gehöre. Degen machte zugleich deutlich, dass für den Geschichtsverein allein der Erhalt der Villa Thema des Bürgerbegehrens sein könne und dies nicht mit dem Marktzentrum verknüpft werden dürfe: "Es ist die Frage, ob dann alle mitmachen."

Für viele geht es zugleich um eine Verhinderung des Marktzentrums

Viele Redner hatten zuvor keinen Hehl daraus gemacht, dass sie zugleich gern dem geplanten Marktzentrum eine Abfuhr erteilen würden. Eine solche Verquickung lehnte Hans-Peter Kaiser allein schon aus rechtlichen Gründen ab, da das Begehren sich dann gegen eine Bauleitplanung richten würde: "Das ist juristisch nicht zulässig." Es sei aber klar, dass der Erhalt der Villa Auswirkungen auf eine Realisierung des Marktzentrums haben könne, so der Ratsherr der Bündnisgrünen.

Breite Zustimmung findet das Bürgerbegehren auch in den Reihen der Bürgervereine: "Die Mehrzahl hat sich für den Erhalt der Villa ausgesprochen", berichtete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Velberter Bürgervereine, Robert Groß. Zum Beispiel die Siedlergemeinschaft Langenhorst: "Der Vorstand hat einstimmig beschlossen, das Bürgerbegehren zu unterstützen", sagte Vorsitzende Sonja Spiekermann der WZ. Groß betonte, dass er noch nicht offiziell als Arge-Vertreter sprechen könne, weil noch Rückmeldungen einiger Vereine fehlten. Persönlich stehe er aber voll hinter der Aktion.

"Soll die "Villa Herminghaus", Kolpingstraße 34, inklusive des Gartens erhalten bleiben?" lautet die Frage, die die Initiatoren des Bürgerbegehrens in den nächsten sechs Wochen den Velbertern vorlegen wollen.

Teilnehmen, das heißt unterschreiben, darf, wer mindestens 16 Jahre alt, Deutscher oder EU-Ausländer ist und in Velbert wohnt.

Mindestens 4029 gültige Unterschriften müssen vorliegen, damit der Rat über den Erhalt der alten Villa explizit abstimmen muss. Folgt der Rat dem Bürgerbegehren nicht, wird ein Bürgerentscheid angestrebt. Dann würden alle rund 67.000 stimmberechtigten Velberter an die Urne gerufen - "möglichst mit der Landtagswahl", so Thomas Auer (Die Grünen). Neben den Kostengründen spräche seitens der Bürgerinitiative sicherlich auch die mögliche Mobilisierungsquote für diesen Termin. Erforderlich sind dann die Ja-Stimmen von 13.431 Wählern. Der Beschluss besäße zwei Jahre lang Gültigkeit.

Zu den Vertretungsberechtigten des Bürgerbegehrens wurden Rüdiger Voth vom Geschichtsverein, Klaus Oberhem vom Vorstand des Bürgervereins Rützkausen sowie Esther Krönke, Sprecherin des Grünen-Ortsverbands, gewählt.

Etliche Rückfragen aus dem Publikum zeigten, dass viele Besucher des Treffens bereit sind, für die Villa zu kämpfen: "Wenn jeder hier im Saal nur 40 Unterschriften sammelt, haben wir schon genug zusammen", meinte ein Besucher.

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