Bürgermeister Stefan Freitag beklagte einen „Beutezug von Bund und Land“ in den städtischen Kassen.

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Suchhund Christo hatte die kleine Kassandra im Gulli-Schacht entdeckt und ihr so das Leben gerettet. Bürgermeister Stefan Freitag zeichnete die Hundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes mit dem Velberter Ehrentaler aus.

Suchhund Christo hatte die kleine Kassandra im Gulli-Schacht entdeckt und ihr so das Leben gerettet. Bürgermeister Stefan Freitag zeichnete die Hundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes mit dem Velberter Ehrentaler aus.

Stefan Fries

Suchhund Christo hatte die kleine Kassandra im Gulli-Schacht entdeckt und ihr so das Leben gerettet. Bürgermeister Stefan Freitag zeichnete die Hundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes mit dem Velberter Ehrentaler aus.

Velbert. Eine berührende wie humorvolle Szene: Während Hundeführerin Birgit Oschmann den Ehrentaler 2010 der Stadt Velbert unter dem Beifall der knapp 500 Besucher des Stadtempfangs entgegen nimmt, hat der eigentliche Star des Moments ein ganz anderes Objekt der Begierde fest im Blick - eine Tüte Hundekuchen. Ein kurzes Bellen, und Christo kommt zu seinem Recht. Christo ist der Australien Cattle Dog, der die kleine Kassandra im Gulli-Schacht entdeckte und ihr so das Leben rettete. Dass er und die Hundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes dafür von Bürgermeister Stefan Freitag mit dem Ehrentaler ausgezeichnet wurden, ist ein würdevoller und berechtigter Dank.

"Sie haben sich also auch durchgekämpft." Immer wieder begrüßte Freitag im Foyer des Forum Niederberg die Gäste mit einem Lächeln. Draußen brauste "Daisy" ums Haus, drinnen hielt Freitag Hof und sparte in seiner Neujahrsrede nicht mit kritischen Anmerkungen.

"Nicht nur Banken retten, sondern auch Städte"

Die Stellvertreter der Adressaten saßen im Auditorium: Landes- und Bundespolitiker. Den Nothaushalt im Hinterkopf fand er deutliche Worte: "Seit Jahrzehnten wird eine dringend notwendige kommunale Finanzreform verschleppt und verschlampt", sagte er. Nun werde vielen Städten endgültig finanziell der Boden unter den Füßen gerissen - aus Freitags Sicht auch eine Folge des "Beutezuges von Bund und Land durch unsere Kassen".

Er befürchte, dass es nicht zur umfassenden Reform kommen werde. "Es bleibt noch ein kleines Fünkchen Hoffnung auf die Einsicht in der Bundes- und Landespolitik, dass es sich nicht nur lohnt, Banken zu retten, sondern auch Städte", so Freitag.

Freitag: Villa erhalten, wenn möglich - aufgeben, wenn nötig

Ein Eckpunkt seiner gut 60-minütigen Rede: die Stadtentwicklung. Er skizzierte die Strategie, wie die Innenstadt attraktiviert werden soll, und wunderte sich, dass in der aktuellen Diskussion, die Strategie auf einen Punkt reduziert werde: die Zukunft der Villa Herminghaus. Stefan Freitag brachte in dieser Frage seine Haltung auf eine einfache Formel: Die Villa erhalten, wenn möglich, sie aber aufgeben, wenn nötig. Ein Shopping-Center am Forum - mit Kino und VHS - sei ein Schlüssel für die Fortentwicklung der Velberter Innenstadt.

Eine feste Größe im Velberter Kulturleben - und das vollkommen zu Recht: der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr. Das Orchester mit besten Big-Band-Qualitäten - Leitung Gerd Dammann - sprühte auf dem Stadtempfang vor musikalischer Leidenschaft.

Das Who is Who der Velberter Gesellschaft - das macht den Stadtempfang auch aus. Auch wenn wegen des Wetters längst nicht alle der 600 erwarteten Gäste gekommen sind. Bürgermeister Stefan Freitag konnte viele Ehrengäste begrüßen. Da waren zum Beispiel seine Amtsvorgänger Heinz Schemken und Klaus Mühlhoff. CDU-MdB Peter Beyer und die ehemalige SPD-MdB Kerstin Griese, die sehr herzlich begrüßt wurde, mischten sich unters Volk, ebenso wie Marc Ratajczak (CDU-MDL) und dessen Herausforderer bei der Landtagswahl im Mai wie Volker Münchow (SPD). Landrat Thomas Hendele, Freitags Stellvertreter Bernd Tondorf und Hinnerk Tegtmeier, Mary Butcher (Bürgermeisterin aus Corby), der griechische Generalkonsul Prodomos Markoulakis und der türkische Generalkonsul Firat Sunel sind weitere Besucher einer gelungenen Veranstaltung.

Als Musikpreisträger 2010 zeichneten Freitag und Mary Butcher Katja Langer (17) und Johanna Matull (18) aus. Beim Wettbewerb "Jugend musiziert" gewannen sie in der Kategorie Klavier vierhändig im Regionalwettbewerb den ersten Preis.

Zu den "traurigsten Zahlen 2009" gehörte für Freitag der drastische Rückgang an Ausbildungsverträgen: rund 450 weniger als im Vorjahr. Freitag appellierte an die Unternehmer im Saal, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen: "Wir dürfen nicht einen Jugendlichen aufgeben", forderte er.

Integration sei keine Einbahnstraße, warb der Bürgermeister unter anderem, sich an der Wahl zum Integrationsbeirat im Februar zu beteiligen. Freitag mahnte auch, dass "für meinen Geschmack sich noch zu wenige Menschen mit Migrationshintergrund sich bewusst der Herausforderung Integration stellen".

Kraft und Mut - so Freitag abschließend - seien nötig. Dann könne man "vieles in dieser Stadt möglich machen".

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