Mit ihrem Repertoire aus kölschen Liedern, bekannten Schlagern, Spirituals und Shantys unterhalten die Schloßstadt-Sänger nicht nur im Karneval.

Mit der Mission gute Laune auf Tour: Die Schloßstadt-Sänger in karnevalistischer Bühnenmontur.
Mit der Mission gute Laune auf Tour: Die Schloßstadt-Sänger in karnevalistischer Bühnenmontur.

Mit der Mission gute Laune auf Tour: Die Schloßstadt-Sänger in karnevalistischer Bühnenmontur.

Simone Bahrmann

Mit der Mission gute Laune auf Tour: Die Schloßstadt-Sänger in karnevalistischer Bühnenmontur.

Velbert. Sie verbreiten nicht nur im Karneval Stimmung und Frohsinn mit kölschem Liedgut und bekannten Schlagern, sondern haben sich auch mit Gospels, Spirituals und Shantys einen Namen gemacht: Die "Schloßstadt-Sänger", die 1973 als "Reuter-Singers" aus der Taufe gehoben wurden, sind heute fester Bestandteil der Velberter Kulturszene. Mit ihrem mitreißendem Repertoire begeisterten sie zuletzt das Publikum der Prunksitzung von "Boum haul pool" in der Stadthalle.

Verwurzelt im ehrwürdigen MGV Quartettverein Germania von 1905

Was eher weniger bekannt ist: Hinter dem 25-köpfigen Ensemble steht der Männergesangverein "MGV Quartettverein Germania Velbert". Thomas Reuter, der musikalische Leiter der Sänger, schmunzelt: "Um das zu verstehen, muss man ein wenig in unserer Geschichte graben." 1963 hatte der Vater des 46-jährigen Tönisheiders, der bekannte Velberter Chorleiter und Organist Hans Reuter, das Dirigat des MGV Quartettverein übernommen, der kurz darauf mit dem MGV Germania fusionierte. Mit den 70er-Jahren, die auch musikalisch eine neue Ära einleiteten, mehrten sich in dem vereinigten Chor die Stimmen, die neben dem klassischen Repertoire gern flottere Lieder einstudieren wollten - "für manchen Männerchor heute noch unvorstellbar", meint Reuter.

Sein Vater gründete daher 1973 den sogenannten Kleinen Chor des MGV, der sich den Namen "Reuter-Singers" gab: "Der Zusatz ’Singers’ war damals in Mode, siehe zum Beispiel Les Humphries Singers." Das Ensemble machte sich insbesondere im Karneval schnell einen Namen, trat in Köln in den Satory-Sälen und der Wolkenburg auf - im selben Programm mit damals aufstrebenden, kölschen Gruppen wie "Bläck Fööss" und "Die Höhner". Gesundheitliche Probleme zwangen den Dirigenten in den folgenden Jahren dazu, kürzer zu treten. Er stand seinen Sängern jedoch bis zu seinem Tod 1987 mit Rat und Tat zur Seite.

Im selben Jahr hatte Sohn Thomas seinen ersten Chor übernommen: "Damals hatte sich der seinerzeitige Rhythmus-Parenten-Chor von seinem Leiter getrennt und wollte als ’Chorgemeinschaft Harmonie Neviges’ weitersingen", so der Tönisheider über sein erstes Engagement. Der Kontakt zu den Reuter-Singers, die sich zwischenzeitlich unter Leitung von Heinz Sallmon in Schloßstadt-Sänger umbenannt hatten, riss jedoch nicht zuletzt durch Reuters Schwager und Sänger Hans-Walter "Ede" Hempelmann nie ab.

So trat Thomas Reuter 1993 in die Fußstapfen seines Vaters, dirigiert seither - bis auf eine dreijährige berufsbedingte Pause - das Ensemble, dem mittlerweile Alt-Bürgermeister Heinz Schemken auch aktiv angehört. Weil für viele Stücke aus dem Repertoire der kölschen Gruppen nur die Basis-Noten zu bekommen sind, arrangiert der gelernte Kfz-Mechaniker und Versicherungsfachmann die zwei- bis vierstimmigen Sätze für Chor, Keyboard, Akkordeon und Gitarre - demnächst auch für E-Bass und Schlagzeug - selbst. "Manche Männerchorsänger halten unsere Musik für Tingeltangel, aber unser Repertoire ist technisch durchaus so anspruchsvoll wie viele klassische Stücke", sagt Reuter.

Die Schloßstadt-Sänger sind bis heute Bestandteil und inzwischen einziger Chor des MGV Quartettverein Germania Velbert. Dieser entstand in den sechziger Jahren durch die Fusion des 1905 gegründeten MGV Germania mit dem 1912 entstandenen Katholischen Quartettverein (ab 1919: MGV Quartettverein). Das vierstimmige Ensemble aus 25 Sängern tritt bis zu 25 Mal im Jahr nicht nur im Karneval auf, sondern auch bei Bürgervereinen, Firmen- und Familienfeiern und hat sogar schon im Ring des Velberter Boxclub gesungen. Die Sänger, die sich bereits in Essen, Wuppertal, Düsseldorf, Krefeld und Aachen einen Namen gemacht haben, gestalten musikalisch den Karnevalistischen Treff an Weiberfastnacht in der Velberter Geschäftsstelle der Sparda-Bank West und beteiligen sich auch am Benefizkonzert des DRK am 20. Februar.

Die sind übrigens nicht völlig vergessen: Neben dem Bergischen Heimatlied ertönt hin und wieder bei Geburtstagsständchen auch typische Chorliteratur.

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