Der katholische und der evangelische Kindergarten Tönisheide bilden ab Sommer ein Familienzentrum. Die Weichen für ein erstes gemeinsames Projekt sind bereits gestellt.

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Die beiden Kita-Teams wurden selbst praktisch tätig und probierten verschiedene Materialien und Maltechniken aus. Hier arbeiten Gudrun Joest, Leiterin des evangelischen Kindergartens, die Erzieherinnen Ulrike Fritz, Heike Roßdeutscher und Annegret Baykara sowie Ulrike Overbeck, Leiterin der katholischen Kita, (v. l.) an einem Bild.

Die beiden Kita-Teams wurden selbst praktisch tätig und probierten verschiedene Materialien und Maltechniken aus. Hier arbeiten Gudrun Joest, Leiterin des evangelischen Kindergartens, die Erzieherinnen Ulrike Fritz, Heike Roßdeutscher und Annegret Baykara sowie Ulrike Overbeck, Leiterin der katholischen Kita, (v. l.) an einem Bild.

Simone Bahrmann

Die beiden Kita-Teams wurden selbst praktisch tätig und probierten verschiedene Materialien und Maltechniken aus. Hier arbeiten Gudrun Joest, Leiterin des evangelischen Kindergartens, die Erzieherinnen Ulrike Fritz, Heike Roßdeutscher und Annegret Baykara sowie Ulrike Overbeck, Leiterin der katholischen Kita, (v. l.) an einem Bild.

Tönisheide. Behutsam verteilt Julia Wardenski lila Farbe mit einem Finger über den unebenen Untergrund, schafft einen interessanten Kontrast zum Weiß und Pink. Gegenstände ragen aus dem Bogen hervor, erst beim zweiten Blick erkennbar - es sind Baststücke, Federn, ein Stück Strohseide.

Neben der 21-jährigen Erzieherin experimentiert ihre Kollegin Britta Ratajczak mit denselben Materialien, trägt aber rote und gelbe Farbe mit einer kleinen Rolle auf ihr Kunstwerk auf: Die beiden Mitarbeiterinnen des Kindergartens St. Antonius probieren neue Techniken der künstlerischen Gestaltung aus.

Fortbildung soll die Zusammenarbeit der beiden Teams fördern

"Die Schulung ist eine gemeinsame Fortbildung der katholischen und der evangelischen Kindertagesstätte", erläutert Ulrike Overbeck, Leiterin der katholischen Kita. Die beiden Einrichtungen bilden künftig gemeinsam das Tönisheider Familienzentrum. Um die Zusammenarbeit zu fördern, lernen 15 Mitarbeiterinnen der Kitas unter fachkundiger Anleitung Maltechniken mit verschiedenen Materialien kennen, die sie später in einem gemeinsamen Kunstprojekt mit den insgesamt 135 Kindern der beiden Einrichtungen (45 in zwei Gruppen im katholischen Kindergarten, 90in vier Gruppen im evangelischen) anwenden wollen.

Angeleitet werden die Erzieherinnen von Heike Pils-Kappeler, Leiterin einer integrativen Kindertagesstätte im niederrheinischen Goch, und ihrer Kollegin, der Heilpädagogin Tanja Horn. "Kinder sind so kreativ, wenn man sie lässt. Sie wollen experimentieren, ohne dass man ihnen zu viele Vorgaben macht", sagt Pils-Kappeler. Sie und ihre Kollegin haben mit Künstlern die unterschiedlichsten Techniken ausprobiert und wenden sie, mit eigenen Erfahrungen verknüpft, in der heimischen Kita an. Weil sie immer wieder gebeten wurden, ihre Erfahrungen weiterzugeben, bieten die beiden Frauen inzwischen entsprechende Kurse an.

Zum Beispiel wird eine Schicht Fugenbunt - der Kitt, mit dem üblicherweise Fliesen verfugt werden - auf Auslegepappe aufgetragen und die verschiedensten Materialien hineingedrückt. Das kann, wie eingangs geschildert, Bast sein, aber auch Reis, grobe Holzspäne, kleine Steinchen, Sand. Eva Dirks trocknet den so vorbereiteten Grund vor dem Einsatz der Farbe mit dem Föhn. Die wird anschließend durch Tupfen, Pinseln, mit dem Finger oder der Rolle aufgetragen - skurrile Kunstwerke, gegenständlich oder abstrakt, aber fast immer eine Augenweide.

Das Gelernte wird dann mit den Kindern angewendet

Der Ausbau von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren geht auf eine 2006 entstandene Initiative des Landes NRW zurück. Ziel: Die Kitas sollen nicht mehr nur den von ihnen betreuten Kindern und deren Eltern offenstehen, sondern allen Familien in ihrem Einzugsbereich Unterstützung und Hilfe anbieten oder diese vermitteln.

Im Siepen haben die städtischen Kindergärten an der Adalbert-Stifter- und der Schillerstraße 2008 eines der ersten von 13 in Velbert geplanten Familienzentren gebildet. Der evangelische und der katholische Kindergarten in Tönisheide stellen ab Sommer das nunmehr achte Velberter Zentrum. Und im Jahr 2012 sollen in Neviges der evangelische, der katholische sowie der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt als Familienzentrum zusammenarbeiten.

Im Nebenraum experimentieren Dorothea Wagner und ihre Kolleginnen mit einer Rubbeltechnik: Stoff, Wellpappe, Rattanstäbchen liegen unter dem Papier, hinterlassen beim Bearbeiten mit Kreide faszinierende Konturen auf dem Blatt. Spannend auch diese Variante: Ein kleiner Ausschnitt eines bekannten Kunstwerks soll auf der Leinwand ergänzt werden: "Es gibt 1000 Möglichkeiten", sagt Heike Pils-Kappeler.

"Kinder genießen das Tun und denken nicht an das fertige Objekt. Für sie ist der Weg das Ziel." Gemeinsam können die Kinder der Tönisheider Kitas das demnächst mit ihren Erzieherinnen ausprobieren: "Am Ende steht auch bei uns 2011 eine Vernissage", sagt Gudrun Joest, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte.

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