Bei Wind und Wetter ziehen die Sternsinger von Tür zu Tür. Sie sammeln für den guten Zweck. Die WZ war dabei.

Wülfrath. Eine kräftige Windböe fegt Leon die Krone vom Kopf. Sie fällt zu Boden und rollt davon. Erst einige Meter entfernt bekommt Leon die Pappkrone zu fassen. Hektisch rückt er die goldene Kopfbedeckung in Position, bevor es weitergeht. Die drei Jungen lachen sich schief. Leon (10), Tobias (11) und Daniel (10) ziehen als Sternsinger in Rohdenhaus von Haustür zu Haustür.

Aussendungsgottesdienst und Segen für die Kreide

Zwei Tage lang bringen in Rohdenhaus und Flandersbach 20 Sternsinger den Segen Gottes zu jedem Haus und bitten um eine Spende für notleidende Kinder in Rumänien, Indien und Kenia. Bevor sich die Kinder am Dienstagnachmittag auf den Weg machten, segnete Pater Roy Sebastian sie in einem Aussendungsgottesdienst. Auch die Kreide, mit der der Segen für das Jahr 2012 an die Hauswände geschrieben wird, erhält den Segen. Erst dann machen sich die sechs Gruppen mit ihren erwachsenen Begleitern auf den Weg. Die Route wird zuvor für jede Gruppe festgelegt.

Ausgerüstet mit Kreide, einer Spendenbox und einem großen, selbstgebastelten Stern klingeln Leon, Tobias und Daniel an der nächsten Tür. Ihre langen, bunten Gewänder wehen im kalten Januarwind. Die Tür bleibt verschlossen. Ungetrübt schlendern die Jungen zur nächsten Tür und klingeln wieder. Zaghaft öffnet sich die Haustür einen kleinen Spaltbreit. „Wir sind die Drei aus dem Morgenland, den Christen allen wohl bekannt …“, sagen sie den Sternsinger-Text auf. Zaghaft wirft die Bewohnerin einige Münzen in die Spendenbox und erlaubt ihnen den Segen 20*C+M+B+12 mit Kreide an die Hauswand zu schreiben.

Bereits zum elften Mal begleitet Theresia Meerkamp-Vossen die Sternsinger in Rohdenhaus und kann so manche Geschichte von vergangenen Touren erzählen. „Ich erinnere mich an eine türkische Familie vor einigen Jahren. Sie kannte den Brauch des Sternsingens und empfing uns unglaublich freundlich“, erzählt Meerkamp-Vossen. „Sie lud die Kinder zum Essen und Trinken ins Haus ein und gab eine Spende, obwohl sie augenscheinlich selbst nicht viel besaß.“

Barsche Abfuhr an einer Tür, Süßigkeiten an der nächsten

An der nächsten Haustür werden die Jungs barsch abgewiesen. „Hier gibt es nichts für Euch“, schimpft eine Stimme aus dem Hausflur und stößt die Tür wieder zu. Die nächste Haustür wird geöffnet und eine freundliche ältere Dame beschenkt die Drei zusätzlich mit Süßigkeiten. Auch wenn der Betrag des gesammelten Geldes am Ende nicht besonders groß ist, misst Meerkamp-Vossen dem Sternsingen einen hohen Stellenwert bei. „Die Kinder lernen dabei, dass jeder in der Lage ist, etwas Gutes zu tun und helfen kann.“

Sternsinger nennt man drei als Heilige Könige Casper, Melchior und Balthasar gekleidete Personen, die Spenden für wohltätige Zwecke sammeln. Meistens sind es Kinder und Jugendliche, die in der Zeit vom 26. Dezember bis zum Dreikönigsfest am 6. Januar von Tür zu Tür gehen. In der Regel werden die Sternsinger von den Pfarrgemeinden mit einem feierlichen Aussendungsgottesdienst entsandt. Der Brauch des Sternsingens ist bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt.

 

Mit geweihter Kreide wird die Segensbitte C+M+B mit der Jahreszahl an die Hauswand geschrieben. Die Buchstaben stehen als Abkürzung für die lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus).

 

Dass es ihnen besser geht, als vielen anderen Kindern ist den Jungen bewusst. Um zu helfen, opfern sie gerne ein paar Stunden ihrer Freizeit. Inzwischen ist es dunkel geworden und es beginnt zu tröpfeln. Noch ist die Runde nicht geschafft. Dennoch ziehen Tobias, Leon und Daniel weiter gut gelaunt von Tür zu Tür.

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer