Ratingen hat ein lebendiges Winterbrauchtum – doch gerade die kleineren Vereinen haben es schwer.

Kinder lassen sich leicht für Karneval begeistern, bei Jugendlichen wird es schon schwieriger.
Kinder lassen sich leicht für Karneval begeistern, bei Jugendlichen wird es schon schwieriger.

Kinder lassen sich leicht für Karneval begeistern, bei Jugendlichen wird es schon schwieriger.

dpa

Kinder lassen sich leicht für Karneval begeistern, bei Jugendlichen wird es schon schwieriger.

Ratingen. Die Session steuern rasant ihrem Höhepunkt zu, in den nächsten Tagen werden überall in der Stadt die Narrenkappen und die roten Clownsnasen aufgesetzt, zu den traditionellen Karnevalshits wird kräftig geschunkelt und bei den Büttenreden herzhaft gelacht. Und Rande des Frohsinns und der Feiern blicken die Vorsitzenden der Karnevalsvereine auch schon wieder in die Zukunft. Und die sieht nicht nur lustig aus: "Vor allem in den kleineren Karnevalsvereinen gibt es ein nicht zu unterschätzendes Nachwuchsproblem", spricht Heiner Jene, der Vorsitzende der "Ratinger Holzwürmer", ein Hauptproblem an.

Auch die Vorsitzenden Heinz Reiter von der Dumeklemmergarde und Eveline Schrey von der Anger Garde kennen diese Sorge. "Die Mitgliederzahlen stagnieren oder sind rückläufig. Und Nachwuchs ist nur schwer zu gewinnen", sagt Reiter - und bei Evelin Schrey klingt die Klage ähnlich.

Bei Jugendlichen konkurriert der Karneval mit anderen Angeboten

Dabei sind die Karnevalsvereine nicht tatenlos. An Schulen und auf eigens organisierten Kinderfesten versuchen sie, die potenziellen Narren der Zukunft mit dem Karnevals-Virus zu infizieren. "Bei jungem Nachwuchs sind solche Projekte auch erfolgreich", hat Heiner Jene erlebt. Schwierig werde es erst, wenn aus den Kindern Jugendliche werden.

Dann muss das närrische Vereinsleben mit den vielfältigsten Freizeitangeboten konkurrieren, muss gegen steigende Anforderungen der Schule bestehen - und mit dem Umstand, dass sich die Interessen bei den Jugendlichen verändern. "Da bleibt der Karneval dann eben auf der Strecke. Was sogar verständlich ist", meint der 56-Jährige.

Was den kleineren Vereinen das Leben zusätzlich erschwert, sind die schwächelnden Tanzgarden. "Oft wechseln diese Tanzgruppen im Laufe der Zeit zu Sportvereinen oder größeren Karnevalsvereinen", sagt Eveline Schrey. Auch für sie ist diese Tendenz verständlich: "Bei Sportvereinen haben die Gruppen mehr Auftritte und mehr Chancen sich zu profilieren." In den größeren Karnevalsvereinen würde es ebenfalls mehr Spaß machen, weil die Gruppen und die Zuschauerresonanz größer seien.

"Häufig wechseln die Mitglieder zwischen den Vereinen hin und her."

Neid auf die großen Vereine gibt es aber nicht. Im Gegenteil: "Wir sind häufig und gern auf ihren Festen und feiern gemeinsam", sagt Jene. Das passt auch gut zu der Beobachtung, die Hubertus Brauer, der Vorsitzende des Ratinger Karnvevalsausschusses, gemacht hat: "Häufig wechseln Mitglieder sogar zwischen den Vereinen hin und her."

Brauer sieht neben dem Nachwuchsproblem noch ein weiteres: "Die Leute haben durch den Beruf und andere Interessen immer weniger Zeit für den Karneval." Die größeren Karnevalsvereine - wie Rot-Weiß, Blau-Weiß, Grün-Weiß oder Rot-Wiss - hätten zwar weniger Nachwuchssorgenn. An einer Spezies mangele es aber allen Vereinen: den Büttenrednern. "Das ist halt eine schwierige Aufgabe. Wie auch bei dem anderen Nachwuchs sind wir auch in dieser Hinsicht bemüht."

So werden vor allem in den Sommermonaten Nachwuchsschulungen für das Schreiben und Halten von närrischen Reden angeboten. Damit es auch zukünftig während der der fünften Jahreszeit etwas zu lachen gibt.

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer