Mehr als 50 000 begeisterte Jecken säumten den närrischen Lindwurm durch die Innenstadt.

Ratingen. "Es ist fantastisch, einfach wunderbar!" Prinz DetlefI. hatte auch nach zwei Stunden Schwerstarbeit beim Rosenmontagszug noch leuchtende Augen. Unermüdlich ließen er und seine Ratingia AndreaI. Wurfmaterial auf die Jecken niederprasseln. Schwerstarbeit war nicht nur das Verteilen der rund 1,2 Tonnen Süßigkeiten, Schwerstarbeit war auch, hoch oben auf der schwankenden Plattform des immer wieder anfahrenden und bremsenden Prinzenwagen das Gleichgewicht zu halten.

Doch die Begeisterung, die den Tollitäten entgegenschlug, ließ die Anstrengungen gar nicht wahrnehmen. "Ich habe schon viel erlebt, auch mit großen Menschenmassen. Aber das hier ist Wahnsinn, das gibt’s nur einmal im Leben", konnte der sonst so redegewandte Prinz seine Begeisterung kaum in Worte fassen.

"Je schwieriger die Zeiten, desto mehr wird gefeiert"

Und als der Prunkwagen kurz nach 12 Uhr von der Bahnstraße in den Wilhelmring einbog, aus den Boxen "Trink doch ene mit" schallte, da schaute sogar die Sonne durch den grauverhangenen Himmel. Das trieb die Laune weiter nach oben. "Je schwieriger die Zeiten, desto mehr wird gefeiert", stellte der Prinz fest.

Tatsächlich: Die Ratinger Jecken waren so zahlreich wie schon lange nicht mehr zum Zoch gekommen. Gut 50 000 Besucher will die Polizei gezählt haben, beim Karnevalsausschuss der Stadt schwankten die nicht ganz ernst gemeinten Schätzungen zwischen 66 666 und 99 999.

Entlang der Zugstrecke gab es nicht einmal an jenen Stellen große Lücken, wo früher kaum ein Jeck stand. Von den Minusgraden ließ sich jedenfalls niemand abschrecken. Wärmende Kopfbedeckungen wie Perücken oder Hüte aller Art gehörten fast zur Pflichtausstattung. Sehr beliebt - nicht nur bei den Kleinen - waren auch Ganz-Körper-Kostüme. Äußerst willkommen war da auch die Gulaschkanone der Blau-Weißen, aus der während der Fahrt unentwegt heiße Suppe an die Jecken am Straßenrand verteilt wurde.

Gut drei Stunden waren die Wagen und Fußgruppen insgesamt durch die Innenstadt unterwegs. "Das hat dem Zug gut getan, dass er diesmal etwas kürzer war", fand Arthur Lenhardt, der auch erleichtert war, dass alles reibungslos verlaufen ist. Dass es zehn Nummern weniger als in den Vorjahren waren, fiel den meisten am Straßenrand gar nicht auf. Sie freuten sich über die originellen Wagen und Gruppen, die an ihnen vorbei zogen: Ob die bunten Zwerge der Musikkapelle der Mettmanner Sebastianer, ob grandios verkleidete Schönheiten aus dem venezianischen Karneval oder die witzig gestalteten Motivwagen und die fantasievoll kostümierten Fußgruppen.

Natürlich stand bei den meisten Besuchern eines im Vordergrund: Kamelle sammeln. Dabei prasselten längst nicht nur Bonbons auf die Jecken herab. Kekse, Kaugummis, Popcorn, Gummibärchen, Lakritzstangen, Schokolade und Golddukaten, aber auch Bälle und Pralinenschachteln gehörten zum Wurfmaterial. Vom Prinzenwagen gab es sogar "Herr-der-Ringe"-Bücher (bildungsbeflissen, der Prinz!), Rucksäcke und Miniradios.

Dort waren die Adjutanten Fritz Czekalla und Bernd Gail schon nach dem halben Zugweg nassgeschwitzt: Ununterbrochen wuchteten sie Kartons mit Nachschub aus dem Bauch des Prinzenwagens nach oben, damit die Tollitäten weiter mit beiden Händen austeilen konnten.

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