Mordprozess: Zwei Brüder aus Ratingen müssen sich seit Montag wegen Mordes vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten.

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Tatort Parkplatz: Die Kreidespuren der Polizei zeigen, wo Valerij N. seinen Verletzungen erlag. (Archiv

Tatort Parkplatz: Die Kreidespuren der Polizei zeigen, wo Valerij N. seinen Verletzungen erlag. (Archiv

Pierre-Claude Hohn

Tatort Parkplatz: Die Kreidespuren der Polizei zeigen, wo Valerij N. seinen Verletzungen erlag. (Archiv

Ratingen. Valerij N. ist gerade 34 Jahre alt, als er am 24. April 2008 zusammengeschlagen wird. Der Vater von drei Kindern (neun, zehn und dreizehn Jahre alt) erleidet bei dem Angriff derart schwere innere Verletzungen, dass er noch am Tatort stirbt. Am Montag mussten sich die Brüder Andrej (31) und Sergej G. (32) vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Der Staatsanwalt wirft ihnen vor, Valerij N. vor den Augen seines Vaters aus Rache erschlagen zu haben.

Zum ersten Zusammenstoß zwischen dem späteren Opfer und einem der Brüder sei es auf dem Berliner Platz in Ratingen-West gekommen. Sergej G. sagt: "An diesem Tag haben mein Bruder und ich beschlossen, ein bisschen zu trinken."

Die Brüder besorgten sich ein Fünf-Liter-Bierfass und Schnaps. Bei der Schwester tranken sie das Bier. Den Schnaps nahmen sie mit auf den Berliner Platz. Hier traf Sergej G. auf Valerij N., der ihm promt die Nase blutig schlug.

Daraufhin schlug der Angeklagte seinen Gegner zu Boden. Andrej besuchte unterdessen Bekannte. Die Brüder lagen schon seit Wochen mit der Familie N. in Streit seit die Beziehung zwischen Valerijs Schwester Natalia und Andrej G. Anfang April 2008 in die Brüche gegangen war.

Andrej G.: "Als ich zurück zum Berliner Platz kam, sah ich meinen Bruder auf der Bank mit gebrochener Nase." Er lief zur Wohnung der N’s. "Ich wollte mit Valerij reden", erklärt er dem Richter.

Zu einem Gespräch sei es nicht gekommen. Statt dessen sprachen die Fäuste. Er habe einen Blackout, sagt Andrej G.: "Nachdem die Schlägerei angefangen hat, kann ich mich an nichts erinnern." Außerdem habe er unter Alkoholeinfluss gestanden: "Wenn ich trinke, kann ich mich nicht bremsen."

Statt miteinander zu sprechen, schlugen die Männer aufeinander ein

Als Andrej G. wieder zu sich kommt, liegt Valerij N. auf dem Boden. Der Vater Alexander N. schreit ihn an. Bruder Sergej G. tritt den Vater gegen den Oberkörper.

"Ich dachte, da sei die Geschichte zu Ende und wir sehen uns nie wieder", sagt Andrej G. Dass ihr Gegner Valerij N. zu diesem Zeitpunkt schon tot war, streiten die Brüder ab. Sergej gibt zu Protokoll: "Als ich mich im Weggehen umdrehte, sah ich, dass Valerij aufrecht saß."

Die Brüder gingen zu einem Bekannten, tranken Schnaps und wollen erst Stunden später von N’s Tod erfahren haben. Am nächsten Morgen stellten sie sich der Polizei.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Brüder den Mann aus Rache getötet haben. Weil sie aus niedrigen Beweggründen wie eben Rache gehandelt haben sollen, lautet die Anklage auf Mord - ihnen droht eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren.

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