Hardo Müller übergibt die Kripo-Leitung an Torsten Weber.

wza_526x372_692076.jpeg
Torsten Weber (v.l.) löst Hardo Müller ab.

Torsten Weber (v.l.) löst Hardo Müller ab.

Stefan Fries

Torsten Weber (v.l.) löst Hardo Müller ab.

Ratingen. Stabwechsel auf der Ratinger Polizeiwache: Kripochef Hardo Müller ist von Landrat Thomas Hendele in den Ruhestand verabschiedet worden. Zugleich wurde Torsten Weber als Müllers Nachfolger vorgestellt und offiziell in seinen Dienst eingeführt.

Müller, ein altgedienter und erfahrener Beamter, hat mehr als 40 Dienstjahre bei der Polizei auf dem Buckel, 33 davon in Ratingen. Er kennt die Stadt und auch seine "Strategen", wie er sagt. Er weiß, wo es brennt, und nimmt selten ein Blatt vor den Mund. "Ob ich diesen Beruf noch einmal ergreifen würde? Angesichts der aktuellen Arbeitsbedingungen würde ich zumindest ein Fragezeichen setzen", sagte Müller.

Der gelernte Maurer kam über Umwege zur Polizei

Dabei kam Müller erst über Umwege zur Polizei. Nach abgeschlossener Maurerlehre wechselte der die Kelle und trat in den Polizeidienst ein. Mit der Ernennung zum Kommissar wurde der Velberter nach Ratingen versetzt, was ihm gut passte. "In Velbert, wo mich jeder kennt, wollte ich nicht so gerne meinen Dienst versehen."

So pendelte er Jahrzehnte zum Dienst - rund 290.000 Kilometer seien dabei zusammengekommen, hat er nachgerechnet. "Ich war aber gerne in Ratingen", blickt er zufrieden zurück. Die Kilometer, die er künftig als Pensionär abspult, will Müller genießen - auf seiner Harley.

Es war eine bewegte Zeit mit Höhepunkten und Schlappen. "Ich habe mich immer bemüht, den Opfern zu helfen, nie nur die reinen Sachverhalte der Straftaten im Blick zu haben", sagte Hardo Müller im WZ-Gespräch. Schlimm waren jene Fälle, bei denen Kinder Opfer waren. "Ein totes Kind - das verwindet man nicht." Zumal es früher keine seelsorgerische Betreuung für die Beamten gab.

In 33 Jahren kommen viele Erinnerungen zusammen

Nur ungern erinnert er sich auch an die vielen Banküberfälle in den 1980er-Jahren. Einmal sei er mit Kollegen im Schneetreiben stecken geblieben und hatte eine Dreiviertelstunde zum Tatort nach Breitscheid gebraucht. Ein anderes Mal endete die Einsatzfahrt an der nächsten Kreuzung: Unfall. "Wir sind dann zu siebt im Wagen nach Hösel gefahren."

Banküberfälle sind inzwischen selten geworden, Jugendkriminalität dagegen nicht. Müller: "Die gab es früher auch, aber heute ist mehr Gewalt dabei. Da wird erst zugeschlagen, dann gefragt."

Die Bekämpfung der Jugendkriminalität hat sich auch Müllers Nachfolger Torsten Weber auf die Fahnen geschrieben. Der 51-Jährige war 1984 schon mal für ein paar Monate auf der Ratinger Wache, die meisten seiner bislang 30 Dienstjahre verbrachte er aber in Hilden - Schwerpunkt Jugendkriminalität.

Mit der Aktion "gelbe Karte" will man Jugendliche auf dem Weg in eine kriminelle Karriere stoppen, und mit einer Intensivtäterdatei den Unverbesserlichen auf die Füße treten.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer