Insgesamt stellen die Gutachter der Verkehrslage in der Innenstadt ein ganz gutes Zeugnis aus: Der Durchgangs- und Schleichverkehr fällt insgesamt geringer aus als es in der öffentlichen Wahrnehmung den Anschein hat.

Ratingen. So schlecht ist es mit der Verkehrssituation in der Innenstadt gar nicht bestellt, wie manche meinen oder auch nur empfinden. Ganz große oder gar einschneidende Veränderungen jedenfalls hat das Bochumer Ingenieurbüro, das im Auftrag der Stadt ein Verkehrskonzept entwickeln sollte, nicht vorgeschlagen. 70.000 Euro hat das Konzept gekostet, und mancher fragt sich jetzt, ob es das überhaupt wert ist.

Insgesamt stellen die Gutachter der Verkehrslage in der Innenstadt ein ganz gutes Zeugnis aus: Der Durchgangs- und Schleichverkehr fällt insgesamt geringer aus als es in der öffentlichen Wahrnehmung den Anschein hat. Immer wieder geforderte Sperrungen oder Einbahnstraßenregelungen würden deshalb zur Verlagerung des Verkehrs in benachbarte Straßenzüge führen, unterm Strich aber keine Entlastung bringen.

Gutachter: Möglichst wenig in das Verkehrsnetz eingreifen

Im Bezirksausschuss Mitte wurde gestern das Konzept im Ganzen sowie mögliche Verbesserungsmaßnahmen vorgestellt. Aufgrund von Verkehrszählungen wurden acht Szenarien mit unterschiedlichen Sperrungen simuliert. Ergebnis: Am besten greift man so wenig wie möglich in das Verkehrsnetz ein.

Denn mit dem innerstädtischen Verkehrsring hat Ratingen ein "einfach zu begreifendes und bewährtes System, das auf kurzen Wegen die wichtigsten Parkflächen erschließt." Die mehrfach geforderte Öffnung der Werdener Straße lehnen die Gutachter ab, weil sich sonst ein reger Durchgangsverkehr direkt am Krankenhaus entwickeln würde.

Größere Änderungen werden für die Kreuzung am Medienzentrum vorgeschlagen. Eine Ampel würde nicht nur den Autofahrern, sondern vor allem den Fußgängern und Radlern das Leben leichter machen. Würde ferner im weiteren Verlauf der Lintorfer Straße ein gesicherter Übergang für Radler über die Kalkbahn geschaffen, gäbe es eine durchgehende Verbindung für Radler vom Marktplatz bis Lintorf.

Gut für den Radverkehr wäre auch die Umgestaltung des Kreuzungsbereiches am Hertiehaus (Wallstraße/Grabenstraße/Düsseldorfer Straße). Durch Verzicht auf die Zweispurigkeit der Wallstraße würde man Raum schaffen, der etwa für Fahrradabstellanlagen genutzt werden könnte.

Auf wenig Gegenliebe bei den Stadtplanern stößt der Vorschlag, die Kreuzung Bechemer Straße/Poststraße/Karl-Theodor-Straße/Hans-Böckler Straße zu einem Minikreisel umzubauen. Dafür müssten einige Buslinien verlegt werden.

Und jene Busse, die aus der Bechemer in die Hans-Böckler-Straße abbiegen, hätten zu wenig Platz, um den Kreisel zu befahren, sie müssten über die Poststraße fahren. Das lehnt das Schulverwaltungsamt aber ab, weil die Verlegung der Haltestellen am Schulzentrum für viele Schüler nachteilig wäre.

Ein anderer Kreisel hätte dagegen Sinn: am Knoten Mülheimer/Ober-/Hoch-/Bahnstraße. Vor allem für Fußgänger, die von der Hochstraße in die Fußgängerzone wollen, würde sich die Verkehrssicherheit deutlich erhöhen.

Für eine Neugestaltung des zentralen Busbahnhofes legen die Gutachter zwar ein Konzept vor, das sich aber auf den bestehenden Standort bezieht und deshalb aus Sicht der Stadtplaner nicht empfohlen wird: Für recht hohe Kosten ergäben sich nur minimale Verbesserungen. Erst wenn sich die Möglichkeit biete, den Busbahnhof näher ab die Fußgängerzone anzubinden, soll ein Ausbau in Betracht gezogen werden.

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