Ausnahmezustand in Ratingens öffentlichem Nahverkehr: Die Rheinbahn streikte, die Taxis hatten ihren großen Einsatz.

Ratingen. "Es ist die Hölle!" Der Disponent bei der Taxi-Union bräuchte sechs Hände, um die ständig klingelnden Telefone zu bedienen. Seit den frühen Morgenstunden gehen ununterbrochen Anforderung ein. "Schon am Vorabend hatten wir Reservierungen für den Streiktag bekommen, ab 4 Uhr lief dann der Betrieb auf Hochtouren." 27 Wagen hatte die Taxi-Union am Donnerstag auf der Straße - und die reichten bei weitem nicht, um alle gewünschten Fahrten abzudecken.

"Unentspannt" nannte Taxi-Unternehmer Thomas Mateblowski die Lage. "Viele Fahrgäste rufen direkt von der Bushaltestelle aus an, wenn sie merken, dass doch kein Bus kommt." Alle 15 Wagen seien ununterbrochen im Einsatz. Sowohl in der Zentrale als auch am Lenkrad seien die Mitarbeiter an den Grenzen angekommen: "Durch das Wetter war schon die ganze Woche chaotisch."

Auf dem Betriebshof der Rheinbahn an der Sohlstättenstraße in Tiefenbroich herrschte dagegen ungewöhnliche Ruhe: Die Rheinbahn-Fahrer waren dem Aufruf zu dem Warnstreik gefolgt und nahmen geschlossen an einer Kundgebung in Düsseldorf teil. Die rot-schwarzen Busse standen ordentlich geparkt in Dreierreihen dicht an dicht auf dem Betriebshof. Kein Fahrzeug hatte am Donnerstag die Schranke passiert.

Die Streikenden fahren selbst mit dem Bus - einem angemieteten

"Wir haben aber einen Notfallplan ausgearbeitet. 37 Prozent des Busverkehrs werden sowieso über Privatunternehmen abgewickelt, und die sind unterwegs, wenn auch nicht nach Fahrplan. Schließlich wollen wir die Bevölkerung nicht mehr leiden lassen als nötig", sagt Alfred Fricke (52), der seit 23 Jahren für die Rheinbahn fährt. Von der Kundgebung zurück nach Tiefenbroich sind die Warnstreiker mit einem Bus gekommen, allerdings nicht mit einem der Rheinbahn, sondern mit einem Privatunternehmer. Dafür hatte Verdi gesorgt.

"Böse Anrufe aus der Bevölkerung hat es bei uns nicht gegeben. Vielmehr stößt unser Warnstreik auf Verständnis", sagte Fricke am Donnerstag und ergänzte: "Morgen läuft der Betrieb wieder normal."

Am Busbahnhof in Ratingen-Mitte sowie am Knotenpunkt Ostbahnhof herrschte gähnende Leere. Wo sonst die Busse im Minutentakt ein- und abfahren, bog nur gelegentlich ein Fahrzeug der Privatunternehmer zu einer Haltestelle ein. Vereinzelt liefen noch Fahrgäste herum, die nach einer Fahrmöglichkeit suchten. Eine Lintorferin erklärte: "Ich habe von dem Warnstreik nichts gewusst, erst über eine Hotline davon erfahren. Aber was soll ich mich jetzt darüber aufregen, es nutzt ja doch nichts. Also muss ich in den sauren Apfel beißen und mir ein Taxi nehmen."

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer