Führungen: Seit 15 Jahren erklärt Helga Langheinrich Ratingern Ratingens Geschichte.

Helga Langheinrich (l.) erklärt Besuchern, wie wichtig das Schmiedehandwerk in Ratingen einst war.
Helga Langheinrich (l.) erklärt Besuchern, wie wichtig das Schmiedehandwerk in Ratingen einst war.

Helga Langheinrich (l.) erklärt Besuchern, wie wichtig das Schmiedehandwerk in Ratingen einst war.

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Helga Langheinrich (l.) erklärt Besuchern, wie wichtig das Schmiedehandwerk in Ratingen einst war.

Ratingen. "Selbst nach 15 Jahren macht es mir immer noch Spaß" sagt Helga Langheinrich, "sonst hätte ich schon längst aufgehört." Zusammen mit ihrem fünfköpfigen Team leitet sie die kostenlosen Themenführungen im Stadtmuseum Ratingen. Besonders beliebt: Handel, Handwerk und Gewerbe im mittelalterlichen Ratingen.

Ratingen, das im Jahre 1276 und damit schon zwölf Jahre vor Düsseldorf offiziell zur Stadt erhoben wurde, ist vor allem für sein metallverarbeitendes Gewerbe bekannt. Bei rund 1000 Einwohnern zählte Ratingen 80 Schmiedemeister zur Mitte des 15. Jahrhunderts, was diese die Gruppe der Schmiede damals zur bedeutendsten aller Zünfte der Stadt machte. Jedoch waren innerhalb der Stadtmauern lediglich Silber- und Goldschmiede zu finden. Alle anderen arbeiteten an den Ufern der Anger und des Schwarzbachs - den beiden wichtigsten Standorten der Schleifereien außerhalb der Stadtmauern. Nur hier konnten die benötigten Wasserräder errichtet werden.

Helme aus Ratingen in Litauen und Spanien

Die Prunkscheren und Helme der Ratinger Schmiede waren bis nach Litauen und Spanien bekannt. Weiter zählten Metzger, Hutwälker, Bäcker und Schuhmacher zu den Zünften Ratingens. Damals kam diesen Berufen große Bedeutung zu: Sie schützten vor Konkurrenz und sicherten den Zunftmitgliedern prominente Plätze auf dem Marktplatz. Dieser war auch der historische Schnittpunkt Ratingens: Hier kreuzten sich zwei wichtige Überlandstraßen, die Auswärtigen als Pilger- und Handelsstraßen dienten. Die berüchtigte Dumenklemmer-Sage geht nicht nur auf den Christianisierungsversuch von St. Suitbertus zurück.

Dieser scheiterte an der Bekehrung der Ratinger zum Christentum und klemmte sich der Sage nach bei der Flucht seinen Daumen im Stadttor. Auch waren die in Ratingen gefertigten Daumenschrauben über die Stadtgrenzen hinaus bekannt: Der Scharfrichter des nördlichen Bergischen Landes - ein Bewohner Ratingens - beherbergte diese und andere Folterinstrumente und war in Rechtsfragen unerbittlich.

Ein besonders gut gefertigtes Exemplar zeigt die Ausstellung im Ratinger Stadtmuseum. Unter dem Motto "Spinnen am Abend - erquickend und labend" geht es zum nächsten Programmpunkt der Themenführung. An den im 14. Jahrhundert erfundenen Spinnrädern saßen auch Bürger Ratingens, um in den späten Abendstunden aus losen Flachsfäden Leinen zu wirken.

Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen

Dass diese Beschäftigung nicht nur dem Zubrot der Familien diente, sondern auch dem geselligen Zusammensein, unterstreicht die Leiterin süffisant. Nur bei den Ärmsten der Armen bringe das Spinnen "am Morgen Kummer und Sorgen", denn wer schon in den Morgenstunden am unbequemen Webstuhl schuftete, machte dies schließlich nicht zum Vergnügen. In der Tat waren damals viele finanziell schwache Familien auf die Spinnereiarbeit angewiesen.

Allgemein positiv waren die Besucherstimmen der einstündigen Führung. "Dass so etwas Besonderes kostenlos ist", wunderte sich das Ehepaar Schadek - auch darüber, dass das Stadtmuseum ebenfalls keinen Eintritt für die Ausstellung Leipziger Fotokunst im Erdgeschoss verlangt. "Sehr gut informiert und viel erfahren", lobt Jörg Brügelmann die Kompetenz von Museumsführerin Langheinrich.

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