Ältere Menschen sind besonders häufig Opfer von Betrügereien, die auch Online geschehen. Wie sie sich wehren können, erklärte gestern Kommissar Udo Wilke im Haus am Turm.

Ratingen. Das Telefon klingelte immer häufiger bei Doris Wiegmann. Die Anrufer: Landwirte. Sie meldeten sich auf eine Anzeige der 70-Jährigen im Internet. Darin stand, dass sie einen Trecker verkauft. Aber: Die Seniorin hat gar keinen Trecker, hat sie auch niemals besessen, weil sie nie etwas mit Landwirtschaft zu tun hatte. Und sie hat auch niemals eine Anzeige im Internet geschaltet - ein Fall von Betrug wie sich im nachhinein herausstellte. Eine Internetagentur hatte einfach die Anzeige mit Doris Wiegands Namen und Kontaktdaten ins Netz gestellt. Das Dreiste daran: Dafür wollte die Agentur zunächst 50 Euro haben. "Ich habe natürlich nicht gezahlt. Dann habe ich einen Anwalt eingeschaltet", erzählt die 70-Jährige. Der hat die Sache in die Hand genommen. Etliche Briefe gingen hin und her zwischen dem Juristen und der Agentur. Jetzt, nach einem Jahr, hat sich der Fall geklärt. Doris Wiegand muss nichts zahlen. "Der Agentur wurde das Handwerk gelegt", sagt Wiegand.

Auf ältere Menschen haben es die Betrüger besonders abgesehen

Ihr Beispiel macht klar: Die üblichen Betrügereien finden jetzt nicht mehr nur vor der Haustüre der Senioren statt, sondern auch im Netz. Wie Senioren sich in einem solchen Fall oder bei anderen Betrugsdelikten verhalten sollten, war gestern Thema einer Informationsveranstaltung der Diakonie und der Polizei im Haus am Turm. Doris Wiegand war eine von rund 20 Teilnehmerinnen, die anwesend waren. Und nicht nur sie erzählte ihre Geschichte. Wer die Veranstaltung besuchte, dem wurde klar: Viele Kriminelle versuchen besonders gerne ältere Menschen übers Ohr zu hauen. Einer der das weiß, ist Kriminaloberkomissar Udo Wilke. "Senioren sind zwar eher selten Opfer von Straftaten", sagt er, fügt aber hinzu: "Bei den Betrugsdelikten sind sie meistens die Opfer." Oft würde die Gutmütigkeit der Älteren ausgenutzt oder ihr Anstandsgefühl, sich nicht zur Wehr zu setzten und Widerworte zu geben.

Die Trickdiebe haben meistens noch einen Komplizen bei sich

Dann berichtete Wilke von beliebten Tricks, die Kriminelle bei Senioren anwenden - meistens, um an ihr Geld zu kommen. Vom berühmten Enkeltrick über Belästigungen am Telefon bis hin zu den Fällen, bei denen sich die Täter als Handwerker oder Hilfesuchende ausgeben, um so in die Wohnung der Senioren zu gelangen. "Dann werden die meisten versuchen, sie abzulenken, damit ein Zweiter Trickdieb, der vor der Türe gewartete hatte, ihre Wohnung durchsuchen kann." "Tja, aber was mache ich denn, wenn mich einer bittet, ihn auf die Toilette zu lassen. Muss ich dem nicht aufmachen?", fragt eine Teilnehmerin. Eine andere will wissen, ob sie nicht verpflichtet sei, die Polizei reinzulassen, wenn sich einer als Beamter ausgibt. Wilkes Antwort: "Sie müssen grundsätzlich niemanden reinlassen. Sagen sie einfach, dass das Bad zurzeit besetzt ist und schließen sie die Türe zu. Von dem angeblichen Polizisten lassen sie sich den Ausweis zeigen oder rufen bei der Polizei an und fragen nach, ob gerade Beamte im Einsatz sind." Und was rät er Senioren wie Doris Wiegmann? "Geben sie grundsätzlcih keine Daten zu leichtfertig weiter. Und bleiben sie einfach stur, auch wenn sie Vollstreckungsdrohungen von Inkassobüros bekommen. Sitzen sie die Sache einfach aus, bis eine Nachricht von einem Gericht kommt." Dann müsste man sich aber in jedem Fall melden. Doch Wilke beruhigt: "Aber ich bin sicher, dass es meistens nicht vor Gericht geht. Welcher Kriminelle will schon freiwillig dorthin?"

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