Gepfändete Wertsachen kommen regelmäßig bei der Zoll-Versteigerung unter den Hammer.

Goldschmuck, Notebooks, Uhren und Maschinen versteigert die Stadtkasse im Internet.  (Foto
Goldschmuck, Notebooks, Uhren und Maschinen versteigert die Stadtkasse im Internet. (Foto

Goldschmuck, Notebooks, Uhren und Maschinen versteigert die Stadtkasse im Internet. (Foto

Manfred Klare

Goldschmuck, Notebooks, Uhren und Maschinen versteigert die Stadtkasse im Internet. (Foto

Ratingen. Teurer Schmuck zum Schnäppchenpreis: Wer ein schweres Armband aus Gold sucht, könnte bei der Stadtkasse fündig werden: Dort ist das Schmuckstück (585er Gold, 200 Millimeter lang, 62,5 Gramm Gewicht; siehe Foto) derzeit für 1140 Euro im Angebot. Laut Gutachter ist es fast doppelt so viel wert - 2180 Euro.

Einziger Haken: Man muss das Armband ersteigern. Die Stadt bietet das Schmuckstück nämlich auf der Internetplattform Zoll-Auktion an. "Damit erreichen wir viel mehr potenzielle Käufer und erzielen meistens auch höhere Preise", erklärt Hermann Tworuschka, Leiter der Stadtkasse.

Im Internet kann schneller und ertragreicher verkauft werden

Das Goldarmband stammt aus einer Pfändung und muss möglichst schnell in Bares umgesetzt werden. Früher habe man einmal im Jahr im Rathausfoyer eine öffentliche Versteigerung durchgeführt - allerdings oft ohne großen Erfolg. Deshalb ist die Stadt seit einem Jahr bei der Zoll-Auktion dabei. Dort können Kommunen und Behörden all das versteigern, was beschlagnahmt oder gepfändet wurde.

Tworuschka: "Eine Versteigerung im Internet geht zeitnah. Das erspart uns größere Wertverluste - etwa bei elektronischen Geräten." Der Amtsleiter ist zuversichtlich, dass aber auch der Goldschmuck bald einen guten Betrag einbringen wird. 1300 Mal wurde das Angebot, das auch auf der Internetseite der Stadt erscheint, bis gestern angeklickt. Fünf Tage läuft die Auktion noch.

Gepfändet wird laufend. Drei Vollstreckungsbeamte sind permanent im Einsatz, um ausstehende Forderungen der Stadt einzutreiben: Nicht bezahlte Steuern, "vergessene" Knöllchen, deren Betrag sich im Laufe der Mahnungen vervielfacht hat, ausstehende Abgaben und Gebühren. 9000 bis 10 000 Fälle pro Jahr müssen die Mitarbeiter bewältigen.

Die Pfändung von Gegenständen ist das letzte Mittel, wenn Zahlungsaufforderungen und Mahnungen wirkungslos geblieben sind und auch ein Zugriff auf Lohn oder Gehalt nicht möglich ist. Und wenn die Vollstrecker beim Schuldner klingeln, kann der noch an der Haustür mit Bargeld eine Pfändung abwenden. Wenn den Beamten allerdings der Zutritt zur Wohnung verweigert wird, kommen sie mit dem Schlüsseldienst und einem richterlichem Durchsuchungsbeschluss wieder.

Bei der Auswahl der zu pfändenden Stücke muss dann darauf geachtet werden, was sich gut verkaufen lässt. Tworuschka: "Es soll möglichst viel in die Stadtkasse zurückkommen. Das ist auch eine Frage der Steuergerechtigkeit denen gegenüber, die pünktlich ihre Abgaben bezahlen." In der Regel bleibt der Erlös aus der Pfändung unter dem Betrag der Forderung.

Dennoch: Rund eine halbe Million Euro bringt der Verkauf der gepfändeten Dinge ein. Bei der Versteigerung über Zoll-Auktion kam es zuletzt sogar vor, dass ein Überschuss erzielt wurde. Der kommt dann dem Schuldner zugute. Eine Rolex-Armbanduhr brachte fast 3000 Euro ein, ein Armband über 2000 Euro, auch eine Surround-Anlage, ein Notebook und eine Profi-Bohrmaschine ließen sich gut versteigern.

Gelagert werden die gepfändeten Dinge in einer alarmgesicherten Kammer "irgendwo im Rathaus", verriet Tworuschka. Besonders wertvolle Stücke, wie etwa Schmuck, wandern dagegen in den Tresor.

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer