„Offener Brief“ eines vermeintlich unbeteiligten Professors sorgt für Empörung.

Ratingen. Bislang war es nur eine Personalie, die für Wirbel gesorgt hat. Doch jetzt scheint die Kündigung der Leiterin des Stadtmuseums, Melanie Ehler, zu einer Schlammschlacht zu geraten, bei der ihr Ehemann eine unglückliche Rolle spielt. Denn ihr Gatte Matthias Müller ist Professor für Kunstgeschichte an der Universität Mainz.

Und er schrieb mit amtlichem Briefkopf der Universität einen "offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt Ratingen". Denn die Vorwürfe gegen Ehler "rufen den Protest der Fachwelt hervor und können nicht unwidersprochen bleiben", schreibt Müller. Der ärgert sich, dass "Interna vom Dienstherrn an die Öffentlichkeit weitergegeben werden".

Attacken gegen Dezernent, Amtsleiterin und Vize-Museumschef

In seinem vier Seiten langen Brief legt Müller allerdings nie die Karten auf den Tisch: Dass er nämlich Melanie Ehlers Ehemann ist. Das verschweigt er nicht nur durchgehend, sondern verschleiert es: Er schreibe "als außen stehender und wohlmeinender Fachvertreter", der sich der Stadt und seinem Museum bislang verbunden fühlte, seit einiger Zeit jedoch "mit großer Sorge" eine unprofessionell und unentschlossen handelnde städtische Museumspolitik beobachte.

Im Folgenden zieht Professor Müller über das Museum her, das in seinem "katastrophalen Zustand" sei. Dabei attackiert er dezidiert den Kulturdezernenten, die Kulturamtsleiterin und den stellvertretenden Leiter des Museums, denen er insgesamt fehlende Kenntnisse, mangelhafte fachliche Fähigkeiten, fehlende Kompetenzen und Konzeptlosigkeit vorwirft.

Bürgermeister Harald Birkenkamp wies postwendend in seiner Antwort den Vorwurf zurück, dass Interna weitergegeben worden seien. "Aufs Schärfste" weise er Müllers herabwürdigende Darstellung der städtischen Mitarbeiter zurück.

Indessen sorgt Müller auch in der Ratinger Kunstszene für Kopfschütteln. Seine "Feststellung": Melanie Ehler hätte bei Amtsantritt ein "total heruntergewirtschaftetes und technisch verwahrlostes Museum" sowie demotivierte Mitarbeiter vorgefunden. "Das kann man nun wirklich nicht so behaupten", kommentierte Marie-Louise Otten, Vorsitzende der Freunde und Förderer des Museums.

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