Abwasserrohre müssen auf ihre Dichtheit überprüft werden: manche bis 2012, andere bis 2022.

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Über einen Monitor wird der Weg der Kamera durch die Kanalisation verfolgt.

Über einen Monitor wird der Weg der Kamera durch die Kanalisation verfolgt.

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Über einen Monitor wird der Weg der Kamera durch die Kanalisation verfolgt.

Ratingen. Auf vielen Hausgrundstücken ticken unter der Oberfläche ökologische und finanzielle Zeitbomben: undichte Abwasserrohre, aus denen Schmutzwasser in den Untergrund sickert - schlimmstenfalls in einem Wasserschutzgebiet. Um solche, oft unbemerkte Umweltverschmutzung einzudämmen, sieht das Landeswassergesetz vor, dass bis Ende 2015 sämtliche Abwasserleitungen auf Dichtheit geprüft werden müssen - auf Kosten der Grundstückseigentümer.

Denn die sind für die Leitungen zwischen Haus und Kanal verantwortlich. Die Stadt muss die Grundstückseigentümer über die Dichtheitsprüfung unterrichten und beraten - bei rund 20 700 Grundstücksanschlüssen im Stadtgebiet eine logistische Herausforderung.

In Wasserschutzzonen soll besonders zügig geprüft werden

Da diese Vielzahl der Kanalanschlüsse bis 2015 nicht bearbeitet werden kann, muss die Überprüfung und eine eventuell nötige Sanierung zeitlich verteilt werden. Dazu hat das Tiefbauamt der Verwaltung das Stadtgebiet in 16 Zonen eingeteilt. "Wir müssen dabei Prioritäten setzen", erklärt Amtsleiter Heinz-Willi Varlemann: In Wasserschutzzonen und Bereichen mit hohem Grundwasserstand sollen die Abwasserleitungen deshalb besonders zügig auf Dichtheit geprüft werden.

Hier müssen die Hausbesitzer zum Teil schon ab Ende 2012 die Prüfberichte für ihre Kanalanschlüsse der Stadt vorlegen - zum Beispiel in Lintorf und Tiefenbroich. In anderen Stadtgebieten können sie sich damit Zeit lassen, zum Teil bis 2022. Erst dann müssen in Homberg-Süd die Prüfungen abgeschlossen sein.

Eigentümer, deren Haus in einer Zone mit hohem Grundwasser steht, müssen für die Untersuchung der Abwasserleitung die wesentlich aufwändigere und teurere Druckprüfung in Auftrag geben. Betroffen sind davon Tiefenbroich, Hösel und große Teile Lintorfs. In den übrigen Fällen reicht eine optische Inspektion. Dabei wird der Zustand der Leitungen mit einer kleinen Kamera untersucht. Varlemann: "Nur wenn die Kamera eine Beschädigung in dem Rohr erkennt, ist auch dort eine Druckprüfung erforderlich."

Eine Druckprüfung ist deutlich teurer als eine Kamerainspektion

Je nach Stadtteil müssen die Abwasserleitungen mit folgender Prüfmethode bis zu diesem Zeitpunkt untersucht sein: Lintorf-Nord, Breitscheid-West, Tiefenbroich (Druck; Ende 2012); Lintorf Mitte und Süd (Druck, 2013); Ratingen Mitte, West (Gewerbe), Eggerscheidt (Kamera, 2014); Mitte (nördl. Bereich) (Kamera, 2015); West (nördl. Bereich), Lintorf (südöstl. Bereich) (Kamera, 2016); West, Homberg-Nord (Kamera, 2017); Hösel (Druck, 2018); Lintorf (östl. Bereich), Breitscheid (Kamera, 2019); Ratingen Süd, Hösel (Kamera, 2020); Ratingen-Ost (Kamera, 2021); Homberg-Süd, Außengebiete (Kamera, 2022).

Das Tiefbauamt warnt vor fahrenden Sanierungstrupps, die eine sehr günstige Kamera-Untersuchung anbieten, dann zu überhöhten Preis reparieren wollen.

Für eine Videoüberprüfung müssen rund 500 Euro einkalkuliert werden, eine Druckprüfung kostet deutlich mehr - je nach Zahl der Verzweigungen der Abwasserleitungen. Richtig teuer wird es allerdings, wenn Schäden festgestellt werden.

Denn für den Bereich zwischen Haus und Anschluss an den Kanal muss der Eigentümer für die Reparatur aufkommen, auch wenn der Schaden sich außerhalb seiner Grundstücksgrenze befindet. Ein paar 1000 Euro kommen dann schnell zusammen. Noch teurer wird es, wenn die undichte Stelle unter der Bodenplatte des Hauses liegt und diese aufgebrochen werden muss.

Wie können sich die Eigentümer über die Lage der Abwasserleitungen erkundigen? Varlemann: "Für jedes Haus gibt es einen Entwässerungsplan, in dem eingezeichnet ist, was im, unter und am Haus verläuft." Diese Pläne ließen sich auch im Tiefbauamt einsehen.

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