Manche Beziehungen blühen richtig auf, andere führen inzwischen ein Schattendasein. Eine Bilanz.

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Ein besonderes Erlebnis: Die Jugendlichen des Ratinger Jugendblasorchesters wurden im vergangenen Jahr in Vermillion kollektiv zu Ehrenbürgern der amerikanischen Partnerstadt ernannt.

Ein besonderes Erlebnis: Die Jugendlichen des Ratinger Jugendblasorchesters wurden im vergangenen Jahr in Vermillion kollektiv zu Ehrenbürgern der amerikanischen Partnerstadt ernannt.

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Ein besonderes Erlebnis: Die Jugendlichen des Ratinger Jugendblasorchesters wurden im vergangenen Jahr in Vermillion kollektiv zu Ehrenbürgern der amerikanischen Partnerstadt ernannt.

Ratingen. Sie kosten nur Geld, bringen nichts, dienen nur als Vorwand für Vergnügungsreisen der Politiker oder helfen beim Angeben gegenüber den Nachbarstädten. Soweit die Vorurteile in Sachen Städtepartnerschaften. Und Ratingen hat in diesem Punkt einiges zu bieten: insgesamt acht Partnerstädte und zwei freundschaftliche Beziehungen.

Existieren diese Kontakte vorwiegend auf dem Papier und werden sie auch mit Leben erfüllt? Mit Blick aufs vergangene Jahr kann man sagen: Einige Partnerschaften blühen auf, andere verwelken gerade.

Finnen und Amerikaner waren die treibenden Kräfte

Treibende Kräfte im Partneraustausch waren vor allem Finnen und Amerikaner. Direkt zu Jahresbeginn kamen junge Finnen und Amerikaner aus Kokkola und Vermillion zum Neujahrsempfang und gestalteten ihn mit Musik und Aufführungen mit. Besonders eng war die Verbindung mit der Stadt Kokkola. Im Juli fuhr eine 18-köpfige Stadtauswahl junger Fußballer nach Finnland, um zum zweiten Mal am Cup in Kokkola teilzunehmen.

Ende Juli reiste eine Pfadfindergruppe nach Finnland und nachdem man schnell gleichgesinnte finnische Partner gefunden hatte, fuhr Anfang August eine Gruppe von 16 Kindern ebenfalls nach Kokkola, um dort vier schöne Tage mit den dortigen Pfadfindern zu verbringen. Eine Gruppe junge Finnen gestaltete schließlich auch das Weihnachtskonzert der Sparkasse mit.

Überhaupt sorgte die Musik für einen der Höhepunkte bei den Partnerschaften: Nach fast einem Jahr Vorbereitung folgte das Jugendblasorchester der Städtischen Musikschule der Einladung der amerikanischen Partnerstadt Vermillion zum 150. Stadtjubiläum: Vom 31. Juli bis 11. August reisten 35 Jugendliche plus Betreuer nach South-Dakota, um dort in der Landeshauptstadt Pierre und in der Partnerstadt Vermillion Konzerte zu geben. Der Höhepunkt für die ganze Gruppe: Jeder einzelne wurde zum Ehrenbürger von South Dakota ernannt.

Beelitz (Brandenburg), Blyth-Valley (Großbritannien), Gagarin (Russland), Kokkola (Finnland), Le Quesnoy und Maubeuge (Frankreich), Vermillion (Süd-Dakota/USA) und Huishan (China).

Schnellboot "S 79 Wiesel" der Deutschen Marine, stationiert in Rostock-Warnemünde. Dresdner Kinderstraßenbahn Lottchen, die mit dem Ratinger Spielmobil Felix "verbandelt" ist.

Trotz der weiten Entfernung funktionierte auch der Kontakt mit Huishan/Wuxi in China: Im Sommer kam eine junge Chinesin nach Ratingen, um hier ein zweiwöchiges Praktikum zu absolvieren. Einer Einladung von chinesischer Seite zur Taihu-Messe konnte man leider nicht folgen, da dieser Termin genau auf die Einweihung der neuen Feuerwache fiel. Dafür waren bei diesem Termin sechs von acht Partnerstädte mit einer Delegation vertreten.

Fest etabliert ist der Kontakt zum Schnellboot "Wiesel". In jedem Jahr kommt ein Teil der Besatzung zum Karneval nach Ratingen und feiert einige Tage. Ebenso regelmäßig finden auch Fahrten nach Rostock-Warnemünde statt, um das Schnellboot zu besichtigen.

Die ältesten Partnerschaften kränkeln am meisten

Eher bescheiden verliefen dagegen die Begegnungen mit den ältesten Partnerstädten - in Frankreich. Der frühere so rege Schüleraustausch mit Maubeuge ist weitgehend eingeschlafen, lediglich die Ratinger Feuerwehr vertrat beim Sainte Barbara-Ball in Maubeuge die Ratinger Farben. Noch am Leben gehalten wurde die Beziehung zu Le Quesnoy durch einen Schüleraustausch mit 30 Kindern der Friedrich-Ebert-Realschule.

Was bringt 2010? Ähnliche Aktivitäten: Zahlreiche Projekte wie etwa der Internationale Frauentag am 8. März 2010 oder ein Internationales Workcamp im August sind bereits in Planung. Und das Jugendsinfonieorchester der Stadt hat eine offizielle Einladung nach Kokkola.

Und was kostet das alles? Weniger als man vermuten könnte: Knapp 30 000 Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr für die Kontaktpflege in aller Welt ausgegeben.

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