Opfer der SED-Diktatur trafen sich mit Ratinger Gymnasiasten, um ihre Geschichte zu erzählen.

Die Zeitzeugen Wilfried Elsner (links) und Dieter Rother im Gespräch mit Schülerinnen des DBG.
Die Zeitzeugen Wilfried Elsner (links) und Dieter Rother im Gespräch mit Schülerinnen des DBG.

Die Zeitzeugen Wilfried Elsner (links) und Dieter Rother im Gespräch mit Schülerinnen des DBG.

Pierre-Claude Hohn

Die Zeitzeugen Wilfried Elsner (links) und Dieter Rother im Gespräch mit Schülerinnen des DBG.

Ratingen. Eine zwei mal vier Meter große Zelle, zeitweise mit bis zu vier Personen belegt. Eine Glühbirne an der Zimmerdecke brennt Tag und Nacht. 16 Stunden am Tag stehen - wer sich hinsetzt, wird bestraft.

Als Dieter Rother von den Tagen seiner Haftzeit in der ehemaligen DDR erzählt, herrscht bei den Schülern der Geschichtskurse am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) bleierne Stille. Die Schüler der Jahrgangsstufe 13 haben zwar bereits im Unterricht die Nachkriegszeit und Gründung der DDR besprochen, doch das persönliche Schicksal des 78-Jährigen löst bei den Schülern Betroffenheit und Erstaunen aus: "Wir kannten die politischen Zusammenhänge aus dem Unterricht - die persönliche Schilderung aus der Zeit lässt jetzt aber alles viel realistischer wirken", sagt Jennifer Neumann, angehende Abiturientin am DBG.

Dieter Rother saß wegen "Agitation" zehn Jahre hinter Gittern

18 Jahre alt war Dieter Rother, als er kurz nach Gründung der DDR im Jahr 1949 wegen antisowjetischer Agitation von der Sowjetischen Geheimpolizei (KGB) direkt an seinem Arbeitsplatz als Tischler "abgeholt" und zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Für die Schüler ist das schwer nachvollziehbar.

Nach seinem Vortrag bestürmen sie ihn mit Fragen: Bereuen Sie den Widerstand? Wie sah die Ernährung in der Haftzeit aus? Gab es danach eine psychologische Betreuung oder Haftentschädigung? Rother antwortet auf alle Fragen. Ungläubig hören die Schüler, dass es täglich nur einen Teller Suppe und ein Stück Brot gegeben hat. Viel schlimmer sei gewesen, so Rother, "dass später alles totgeschwiegen wurde - sogar in der Familie". Deshalb habe er angefangen, seine Erlebnisse aufzuschreiben und in Vorträgen weiterzugeben.

Im Rahmen des Projektes "Gewalt, Verfolgung und Freiheitskampf bezeugen - Erinnerungen bewahren für eine lebendige Demokratie" berichtete neben Rother auch Wilfried Elsner als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen in DDR-Gefängnissen.

Das Projekt will Interesse an der DDR- Geschichte wecken

Das Projekt ist ein kostenloses Angebot an Schulen, das 2008 von der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum ins Leben gerufen wurde: "Wir wollen Interesse für diesen wichtigen Teil der deutschen Geschichte wecken und kritische Gedanken anregen. Die Schüler sollen erkennen, was Freiheit und Demokratie im Grunde bedeuten", erklärt Detlef von Dechend, Landesvorsitzender der VOS.

Diesen Gedanken hatte auch Wilfried Meiswinkel, Geschichtslehrer am DBG, der durch ein Faltblatt auf das Projekt aufmerksam wurde: "Unsere jetzigen Abiturienten sind alle kurz nach dem Mauerfall geboren. Das Bestehen der DDR haben die Schüler nur knapp verpasst."

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer