Projekt: Jahr für Jahr machen in der Boje Schüler ihren Abschluss, für die es an anderen Schulen nicht mehr weiter ging. Zwei Beispiele.

wza_1500x1000_526956.jpeg
Dominik und Seyma mit Mathe-Lehrer Hati Britechi (Mitte).

Dominik und Seyma mit Mathe-Lehrer Hati Britechi (Mitte).

pch

Dominik und Seyma mit Mathe-Lehrer Hati Britechi (Mitte).

Ratingen. "Ich hatte eine Null-Bock-Phase, ging kaum noch in die Schule. Die Fehlzeiten häuften sich so sehr, so dass ich vom Gymnasium flog", erinnert sich der 17-jährige Ratinger Dominik. Da stand er nun auf der Straße, hatte keine Perspektive. Die Schule half ihm nicht weiter. Dirk hatte seine zehn Pflichtschuljahre hinter sich, allerdings ohne einen Abschluss. "Da bekam ich einen richtigen Schrecken. Ich wusste nicht mehr ein noch aus", sagt Dominik.

Immerhin raffte er sich auf, zur Arge zu gehen. Dort empfahl man ihm, es bei der Boje (Berufliche Orientierung junger Erwachsener) zu versuchen, um den Hauptschulabschluss nachzuholen. Boje ist eine Einrichtung der Stadt Ratingen, des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und der Volkshochschule (VHS), die berechtigt ist, offiziell anerkannte Hauptschulabschlüsse zu vergeben. Jetzt sah Dominik wieder Licht am Ende des Tunnels. Er wurde aufgenommen und für den Hauptschulabschluss zehnte Klasse eingestuft.

Ein Jahr ging Dominik nun Tag für Tag zur Schule, leistete sich kaum noch Fehlzeiten. "In der Boje war das Lernklima irgendwie anders. Die Lehrer waren toll, motivierten mich. Sie konnten sich auch um einen kümmern, weil die Klassen in der Regel nur aus zehn Schülern bestanden", lobt Dominik heute die Einrichtung.

Der Wandel zum Musterschüler hat sich auch im Zeugnis niedergeschlagen. Als Jahrgangsbester der 10. Klasse mit einem Notendurchschnitt von 1,4 wurde Dominik bei der Zeugnisvergabe noch besonders geehrt. "Ich bin froh und meine Eltern sind froh, dass es mit der Boje so gut für mich gelaufen ist. Ich werde jetzt zum Berufskolleg gehen, um dort die mittlere Reife zu erwerben", sagt Dominik zu seinen Zukunftsplänen.

Falsche Freunde, falsche Ziele und ein böses Erwachen

Eine ähnliche Schulkarriere hat auch die in Ratingen geborene Türkin Seyma (17) hinter sich: "Ich habe mich einfach hängengelassen, habe mit meinem Freundeskreis die Schule geschwänzt. Wir sind dann ziellos nach Düsseldorf gefahren, um dort abzuhängen." Die Abmahnungen von der Schule nahm Seyma nicht ernst. Aber irgendwann sagte die Schulleitung der Gesamtschule in Ratingen West: "Jetzt ist Schluss mit lustig." Seyma musste gehen.

Auch sie fand den Weg zu Arge und damit zur Boje. Und auch Seyma wandelte sich von der notorischen Schulschwänzerin zur Musterschülerin. Sie schaffte den Abschluss Hauptschule 9. Klasse. Als eine ihrer herausragenden Stärken entpuppte sich ausgerechnet die hohe Zuverlässigkeit. Nebenher absolvierte sie auch noch Praktika als Krankenschwester und als Kinderpflegerin. "Meine Mama hat immer gesagt, dass ich den falschen Freundeskreis habe. Das habe ich eingesehen und mich von den falschen Freunden total gelöst und mir einen neuen Freundeskreis aufgebaut", erklärt sich Seyma ihren Wandel. Und nun ist ihre Mama ganz besonders stolz auf die Tochter.

Dass Seyma den Abschluss geschafft hat, führt sie auch auf die guten pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer zurück. Ganz besonders dankt sie dem Mathe-Lehrer, dem Marokkaner Hati Britechi. "Der hat mir sogar Spaß an Mathe vermittelt", sagt Seyma und lacht. Sie wird noch ein weiteres Jahr in der Boje dranhängen, um den Hauptschulabschluss 10. Klasse nachzuholen.

Heide Pannes, Fachbereichsleiterin der VHS, ist stolz auf das erfolgreiche Projekt Boje. "Es hat sich in den mittlerweile sieben Jahren als eine tolle Hilfe für gescheiterte Schüler erwiesen. Geschenkt bekommt man bei uns allerdings nichts. Unsere Schüler müssen hart an sich arbeiten, um das Ziel zu erreichen. Wer das nicht konnte, ist aus der Boje rausgeflogen."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer