Ratingen ist seit vielen Jahren die Wahlheimat einer Enkelin des ersten deutschen Bundeskanzlers.

Ratingen. Meistens stellt sie sich einfach als Gisela Peitz vor. Dass sie einen Doppelnamen hat, behält sie lieber für sich. Nicht, weil sie sich schämen würde. Ganz im Gegenteil. Gisela Peitz-Adenauer ist stolz auf ihre Familie. Aber sie mag es nicht an die große Glocke hängen, dass ihr Großvater Konrad Adenauer heißt.

Auch 42 Jahre nach dem Tod des ersten deutschen Bundeskanzlers hat der Name nichts von seiner Strahlkraft verloren, bedeutet Ehre und Bürde zugleich. "Das hat mich ungeheuer geprägt", sagt Gisela Peitz-Adenauer heute. Sie sitzt in ihrem zeitlos stilvollen Wohnzimmer im Grachtenviertel, blättert im Familienalbum und kramt in Erinnerungen.

"Mit sechs habe ich ungefähr gemerkt, dass der Großvater etwas Besonderes ist", sagt sie. Zum Beispiel am Polizeiauto vor der Tür des großväterlichen Anwesens. Ein Wachmann war damals der komplette Personenschutz. Und für die Enkel immer eine Attraktion. Er hatte nämlich meistens ein neues Heft vom "Kleinen Polizisten" für sie dabei.

Spätestens in der Schule kriegte sie deutlich ihre Herkunft zu spüren. "Du müsstest das doch wissen!", hieß es im Geschichtsunterricht gerne mal. In Mitverantwortung wurde sie auch für die Politik ihres Großvaters genommen - und nicht jeder mochte damals den Kanzler. Gut in Erinnerung ist ihr auch noch der Wirbel, den große Staatsgäste wie De Gaulle oder Kennedy verursacht haben. Zu solchen Anlässen war stets die Familie dabei.

Auch umringt von Enkeln strahlte Adenauer Würde aus

Ein Ausgleich waren dann die Familienfeste. Und die fielen groß aus. Wenn alle kamen, waren das allein sieben Kinder und 24 Enkel. "Die Familie war ihm unheimlich wichtig", erinnert sich Peitz-Adenauer. Seit 1948 wohnte der Witwer praktisch alleine in seinem Haus in Rhöndorf. Gerne scharte er dann die Enkel um sich, las ihnen etwas vor, flachste ein bisschen, blieb aber stets die Respektsperson. "Er hatte eine starke, würdevolle Aura."

Auch an Weihnachten kam stets die ganze Familie zusammen - und tut es bis heute. Das Adenauersche Haus ist heute ein Museum und zu Weihnachten Treffpunkt der Großfamilie. Mehr als 40 Urenkel und die ersten Ur-Urenkel kommen heute dazu. "Ich habe das in meinem Leben kein Mal ausgelassen", sagt die 58-Jährige.

Ansonsten gab es da noch das große Kirschenessen: Wenn die Früchte in Adenauers Garten reif waren, gab es ein ausgelassenes Fest. Und manchmal, ganz plötzlich, konnte auch der Patriarch das Kind im Staatsmann zeigen. Gisela Peitz-Adenauer erinnert sich gerne daran: "Er konnte richtig albern sein. Zum Beispiel beim Kirschkernspucken. Einmal, da hat er mit Salzstangen geworfen, als ob es Pfeile wären."

Ganz anders war das an seinem Geburtstag. Da hielt er Hof im Palais Schaumburg. Die Würdenträger standen Schlange, das Fernsehen war dabei - und auch die Enkel hatten allesamt etwas vorbereitet, trugen meist Gedichte vor. "Da waren wir sehr angespannt." Später traf sich die Familie dann im Kölner Aki-Kino, um den Geburtstag noch einmal als Film zu erleben. "Das war schon komisch, ins Kino zu gehen, um sich selbst zu sehen."

Medien-Trubel ist Gisela Peitz-Adenauer ansonsten auch durch ihren Vater gewöhnt. Der war in die Fußstapfen seines Vaters getreten und Oberstadtdirektor in Köln geworden. "Bei uns im Haus wurde immer viel über Politik gesprochen."

Die Liebe zur Natur, der Klassik und der Wissenschaft geerbt

Es gab eine Zeit, da wollte Gisela nicht so viel von der Familie wissen, wollte ihr eigenes Leben aufbauen, studierte weit weg, in Freiburg und in Genf. Heute ist die Volljuristin aber wieder mit Leidenschaft dabei. Im Regal stehen lange Reihen mit Büchern über ihren Großvater.

Und auch sonst weiß sie, dass sie mehr als den Namen geerbt hat. Etwa die Gelassenheit. Oder die Liebe zur Natur und zur Klassik. Die Bescheidenheit - "mein Großvater war ein Asket". Oder das Faible für Wissenschaften. Als Konrad Adenauer unter den Nationalsozialisten nicht regieren durfte, hat er sich als Erfinder betätigt. Was kaum jemand weiß: Adenauer erfand das von innen beleuchtete Stopf-Ei, die patentierte "Friedenswurst" aus Soja oder das Rheinische Schrotbrot.

Nur den Drang in die Politik, den hat die Adenauer-Enkelin nie verspürt. "Ich bin interessiert. Aber aktiv zu werden, hat mich nie gereizt." Das haben ja genug andere in der Familie getan. Außerdem ist sie zumindest der Linie ihres Großvaters treu geblieben. "Der CDU stehe ich nahe."

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