Landwirtschaft wird auf Gut Grashof nicht mehr betrieben. Heute arbeiten hier zwei Künstlerinnen.

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Das alte Fachwerk aus dem Jahr 1781 ist heute noch gut erhalten.

Das alte Fachwerk aus dem Jahr 1781 ist heute noch gut erhalten.

Pierre-Claude Hohn

Das alte Fachwerk aus dem Jahr 1781 ist heute noch gut erhalten.

Ratingen. Wo früher in den Stallungen und Scheunen des Gutshofes Grashof jahrelang landwirtschaftliche Betriebsamkeit herrschte, ist heute weitgehend besinnliche Ruhe eingekehrt. Eingebettet zwischen dem katholischen Friedhof und einer Kirche zeugen nur noch ein großes Fachwerkhaus, alte Scheunen und Stallungen und ein kleines Schmiedehaus von der bewegten Vergangenheit. Denn längst ist in die alten Gebäude neues Leben eingekehrt.

Auf dem Heuboden finden sich Farbeimer und Pinsel

Heute dient die untere Etage, der ehemalige Kuhstall, als Atelier der Fotodesignerin Katia Klapproth, und auch der Heuboden ist seit einigen Jahren zweckentfremdet: Statt Heu und Stroh befinden sich hier zahlreiche Farbeimer mit Pinseln und einige bemalte und unbemalte Leinwände. "Hier hat die Malerin Monika Kleinen ihre Räume", sagt Elisabeth Schulze.

Die 71-Jährige ist die Besitzerin des rund 800 Quadratmeter großen Anwesens und lebt in dem alten Fachwerkhaus, das der Großvater ihres verstorbenen Mannes 1891 kaufte und dort fast 50 Jahre einen landwirtschaftlichen Betrieb führte. Nun kümmert sich die Dame gemeinsam mit ihrem Sohn Karl-Wilhelm, der häufig auf dem Hof zu Gast ist, um die Instandhaltung.

Aufgrund des Wandels der Wirtschaftsweise wurde das Innenleben des Fachwerkhauses, das zum Teil auch aus Schiefern besteht, nach und nach immer wieder umgebaut. Seit dem Bau 1781 sind die verzierten Bodenkacheln, die alten Holztreppen-, -türen und -fenster erhalten geblieben. Allein die helle und neue Küche weicht ein wenig von der erhabenen Dunkelheit des restlichen Inventars, das zum Teil noch aus den 1920er-Jahren stammt, ab. Einige Treppen, Wände und Fenster wurden in der bewegten Vergangenheit entfernt, hinzu- oder umgebaut.

"Wir müssen schon ein wenig mehr heizen als in normalen Häusern"

"Früher ging beispielsweise eine Treppe gleich in den Pferdestall und in den Kohlenkeller", erinnert sich Elisabeth Schulze, die früher lange Jahre selber auf dem Hof arbeitete. "Wir müssen schon ein wenig mehr heizen als in normalen Häusern", berichtet die Inhaberin, die das aber gern in Kauf nimmt: "Dafür haben wir hier viel Tradition und vor allem sehr viel Platz."

Neben den Mal- und Fotodesign-Ateliers nutzt auch noch die Firma "Street an Fun-Fahrzeug-Vermietung" Teile der Fläche des ehemaligen Gutes Grashof.

Die Siedlung Homberg bestand anfangs aus mehreren Einzelhöfen. Sie ist urkundlich erstmals Mitte des 11. Jahrhunderts erwähnt.
Als das Bergische Land von 1350 bis 1360 eine neue Verwaltungsordnung erhielt, wurde Homberg die östlichste Siedlung des neu geschaffenen Rheinamtes Angermund. Homberg verfügte bereits über eine eigene Gerichtsbarkeit.
Im 16. Jahrhundert war das Land in Honschaften aufgeteilt. Die Honschaft Homberg bestand aus den Höfen Grashof, Am Häuschen, Homerich, Kocks und Schneppershof.

Dass Elisabeth Schulze einiges ihrer Wohnfläche vermieten und so ein wenig Geld dazuverdienen kann, darüber ist sie glücklich: "Wir müssen alles unter Berücksichtigung der Denkmalauflagen immer instand halten. Das kostet natürlich Geld." Zuletzt musste das Dach des alten Fachwerkhauses erneuert werden - mit den vorgeschriebenen roten Dachziegeln, die an dieser Stelle typisch für das Gebäude sind.

Und obwohl das Gut einiges an Arbeit mit sich bringt, denkt Elisabeth Schulze gar nicht daran, woanders hinzuziehen: "Ich komme vom Land, und so lange ich hier mit meinem Sohn noch etwas tun kann, bleibe ich hier. Außerdem ist hier auf dem Hof immer etwas los."

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