Vor allem im Umfeld neuer Firmen werden Stellplätze knapp. Auf der Balcke-Dürr-Allee sollen deshalb bald Parkscheiben zur Pflicht werden.

Ratingen. Des einen Freud’... Während sich der Stadtkämmerer über jede Firmenansiedlung freut, sehen Anwohner im Umfeld die Unternehmen eher skeptisch - vor allem wenn es sich um Firmen mit vielen Mitarbeitern handelt.

Denn viele Mitarbeiter heißt auch viele Autos - und dann werden Parkplätze schnell knapp. Vor allem in Ratingen Ost im Umfeld des Gewerbegebietes Balcke-Dürr-Allee klagen Anwohner über zugeparkte Straßenzüge und fordern die Einführung des Bewohnerparkens.

Parkregelungen verlagern oft nur das Problem

Doch so einfach, wie man sich das gemeinhin vorstellt, lässt sich eine solche Parkregelung nicht einführen. "Häufig wird das Problem nur verlagert", erklärt Jovan Mitic von der Straßenverkehrsabteilung des Ordnungsamtes.

In Gebieten mit wenigen Stellplätzen führt die Einführung von Anwohnerparken zu einer Verdrängung der parkenden Autos in die am nächsten gelegenen Bereiche. Und dann fehlten dort die Parkplätze.

Nach Empfehlung von Verkehrsexperten sollen deshalb nie in einzelnen Straßen oder Straßenzügen das Anwohnerparken eingeführt werden, sondern mindestens in einem ganzen Viertel. "Das sollte ein Gebiet mit etwa 1000 Meter Durchmesser sein", weiß Mitic. Das sei in Ratingen aber nur schwer umzusetzen.

Balcke-Dürr-Allee: Ab 10 Uhr völlig zugeparkt, selten freie Plätze, ab 17 Uhr fahren die Autos weg. Auf dem Sandfeld: Im vorderen Bereich (Einmündung Balcke-Dürr-Allee) besetzt, freie Plätze im mittleren und hinteren Bereich. Oststrasse: Alle Plätze belegt im Bereich Balcke-Dürr-Allee, ansonsten vergleichbar mit der Hugo-Schlimm-Straße. Hugo-Schlimm-Strasse: Im gesamten Verlauf gab es zu unterschiedlichen Zeiten (9, 14 und 17.20 Uhr) diverse freie Plätze. Um 14 Uhr wurden nur drei geparkte Autos festgestellt. Görsenkothen: Zu allen Zeiten gab es freien Parkraum. Am Hohen Schoppen: In dem verkehrsberuhigten Bereich gibt es relativ wenig gekennzeichnete Parkflächen, es wurden einige freie Plätze gesehen.

Eine weitere Hürde ist, den Bedarf und die Notwendigkeit von Anwohnerparkplätzen zu ermitteln. Zunächst müssen Politessen an mehreren Tagen zu unterschiedlichen Zeiten die Kennzeichen der parkenden Fahrzeuge erfassen.

Nur so kann die Zahl der geparkten Anwohner- und Fremdfahrzeuge ermittelt werden. Über die Kennzeichen müssen dann bei den jeweiligen Zulassungsstellen die Halter herausgefunden werden.

Zugleich wird die Anzahl möglicher freier Plätze festgestellt. Denn immer wieder wird Anwohnerparken beantragt, obwohl es in der Straße noch freie Plätze gibt.

Aktuell hat das Ordnungsamt vor wenigen Tagen die betreffenden Straßen in Ratingen Ost unter die Lupe genommen. Auf die Ergebnisse (siehe Kasten) will die Stadt folgendermaßen reagieren: In Teilen der Balcke-Dürr-Allee soll probeweise für ein halbes Jahr die Parkscheibenregelung eingeführt werden: Werktags darf dann dort höchstens zwei Stunden lang geparkt werden.

In einem Erfahrungsbericht sollen anschließend die Auswirkungen dargestellt werden. In den Straßen Auf dem Sandfeld, Hugo-Schlimm-Straße, Oststraße, Görsenkothen und Am Hohen Schoppen wird vorerst kein Bewohnerparken eingeführt.

"Wir haben schon einmal in den 90er-Jahren versucht, ein Anwohnerparken einzuführen - ohne Erfolg", erinnert sich Jovan Mitic. "Ich kann den Wunsch der Anwohner verstehen", sagt er. Aber Bewohnerparken berge eine trügerische Sicherheit: Es besteht keine Parkplatzgarantie.

Nur in zwei Straßen gibt es Anwohnerparken

In ganz Ratingen gebe es derzeit nur zwei kleine Straßen mit einer Anwohnerparkregelung: Am Schüttensdiek und Angerhof in unmittelbarer Nachbarschaft zum Freibad, die von Badbenutzern regelmäßig in Beschlag genommen wurden.

Denn auf dem Teilstück der Lintorfer Straße direkt am Angerbad gilt (mit Parkscheibe) eine Höchstparkdauer von zwei Stunden und auf dem Parkplatz muss ein Parkschein gelöst werden.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer