Barbara Sommer besuchte die Ratinger Hauptschule, in die viel investiert wurde.

Jonas aus der Klasse 6a und Schulministerin Barbara Sommer beim Antiaggressionstraining.
Jonas aus der Klasse 6a und Schulministerin Barbara Sommer beim Antiaggressionstraining.

Jonas aus der Klasse 6a und Schulministerin Barbara Sommer beim Antiaggressionstraining.

Pierre-Claude Hohn

Jonas aus der Klasse 6a und Schulministerin Barbara Sommer beim Antiaggressionstraining.

Ratingen. "Du hast alles gegeben, das war ein fairer Kampf", bedankt sich Barbara Sommer artig bei Jonas aus der Klasse 6a. Der Schüler der Elsa-Brandström-Schule hatte gerade mit der Schulministerin gekämpft - Bataca-Kampf nennt sich die Übung zur Aggressionsbewältigung, bei dem die Ministerin höchstpersönlich den keulenartigen Schläger schwang. Mit diesem dynamischen Einstieg begann am Donnerstag der Besuch der Schulministerin in Ratingens letzter Hauptschule.

Ursprünglich war Barbara Sommer vom Landtagsabgeordnetem Wilhelm Droste eingeladen worden, um sich über die Erfahrungen der Schule bei der Umstrukturierung zur Ganztagsschule zu informieren. Die Brandström-Schule war eine der landesweit ersten Hauptschulen, die 2006 für den Ganztagsbetrieb umgebaut wurde.

Zwei Millionen Euro haben Stadt, Land und Bund dafür insgesamt investiert. Doch die Problematik weiter sinkender Schülerzahlen an Hauptschulen wurde schnell zum eigentlichen Thema zwischen Schulleitung und Ministerin.

"Wir werden zu unseren Hauptschulen stehen"

Ein Abstecher in den Computerraum, ein Besuch im Deutschunterricht, die Besichtigung der jüngst eingeweihten Mensa zeigten dem hohen Besuch: Die Elsa-Brandström-Schule ist hervorragend ausgestattet und leistet gute Arbeit.

Dennoch sind die Anmeldezahlen seit Jahren im Sinkflug, so dass Schulleiterin Gerlinde Unger die Zukunft der Schule kritisch sieht: "Wir hatten in diesem Jahr gerade einmal eine Anmeldung mehr als notwendig. Wie es im nächsten Jahr aussieht, wissen wir noch nicht."

Barbara Sommer reagierte mit aufbauenden Worten ("Wir werden zu unseren Hauptschulen stehen") und lächelte. Als Lösung schlug sie nur eine intensivere Zusammenarbeit mit den Grundschulen vor: Durch Schulbesichtigungen solle den Eltern ein besserer Einblick in die Hauptschulen ermöglicht werden, um die Vorurteile abzubauen.

Doch ist das wirklich eine Lösung? "Die Realität sieht leider anders aus. Wir machen hier eine gute Arbeit, doch das kommt bei den Eltern oft nicht an", sagt Gerlinde Unger. "Es gab sogar schon einen Schüler der Klasse vier, der nicht an einem Rundgang unserer Schule teilnehmen durfte. Die Eltern hatten es verboten, weil wir eine Hauptschule sind."

Britta Witte, Elternpflegschaftsvorsitzende an der Elsa-Brandström-Schule, kann die Distanz und Vorbehalte der Grundschuleltern nachvollziehen: "Die Hauptschule gilt in einer durch Leistung geprägten Gesellschaft nun einmal als Restschule. Unser Schulsystem ist zwar durchlässig, jedoch ist es schwierig von unten nach oben."

Eine Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems steht für Ministerin Sommer jedoch nicht zur Debatte: "Jeder Einzelne muss mit seinen Stärken berücksichtigt und gefördert werden. Die Hauptschulen schrumpfen ebenso wie die Realschulen." Das sah die Landesministerin jedoch nicht als Problem an: "Dann ist das halt so."

Was das konkret für die Elsa-Brandström-Schule bedeutet, wenn im kommenden Frühjahr die Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr vorliegen, blieb am Donnerstag unklar.

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