Hans-Otto Weiland wollte eigentlich nur mit dem Bus ins Fliedner-Krankenhaus. Bericht einer Ratinger Odyssee.

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Charalampos Tsouflidis ist als „O19“ für die Rheinbahn mit seinem Mercedes tätig. Die entsprechenden Schilder hinter der Scheibe sind kaum erkennbar.

Charalampos Tsouflidis ist als „O19“ für die Rheinbahn mit seinem Mercedes tätig. Die entsprechenden Schilder hinter der Scheibe sind kaum erkennbar.

Charalampos Tsouflidis ist als „O19“ für die Rheinbahn mit seinem Mercedes tätig. Die entsprechenden Schilder hinter der Scheibe sind kaum erkennbar.

Ratingen. Service? Kundencenter? Für Hans-Otto Weiland klingen diese Begriffe in Verbindung mit Rheinbahn wie Hohn. Der 79-Jährige wollte am vergangenen Montag von Mitte zum Fliedner-Krankenhaus nach Lintorf fahren - und stand buchstäblich im Regen.

Der Reihe nach: Im Kundencenter an der Düsseldorfer Straße ließ sich Weiland für die Fahrt einen detaillierten Plan ausdrucken: Ab Mitte mit der Linie 757, in Tiefenbroich umsteigen in den 754er-Bus, an der Haltestelle "Am Kreuz" in Lintorf aussteigen und nach drei Minuten am "Bahnsteig 2" mit der Linie 19 ("Niederflurbus") zum Fliedner-Krankenhaus fahren.

Hans-Otto Weiland tat, wie es der Plan empfahl. Dann stand er an der Haltestelle "Am Kreuz" im Dauerregen. Einen zweiten Bahnsteig suchte er an dieser normalen Bushaltestelle vergebens.

Völlig durchnässt und mit 35 Minuten Verspätung am Ziel

Als nach 20 Minuten noch immer kein Bus kam, rief er die "schlaue Nummer" der Rheinbahn an - und landete in einer Leitstelle in Paderborn. Falsch verbunden? Noch mal gewählt, wieder in Paderborn gelandet. Ein freundlicher Mitarbeiter half und stellte eine Verbindung zur Rheinbahn her.

Noch während des Gespräches tauchte statt eines Niederflurbusses ein grauer Mercedes auf, hinter dessen Frontscheibe ein zerknitterter Zettel mit O19-Aufschrift und ein kleines Schild "Wir fahren im Auftrag der Rheinbahn" lag. Weiland konnte den Wagen stoppen und das Fahrtziel erfragen: Fliedner-Krankenhaus.

Mit 35 Minuten Verspätung kam der 79-Jährige völlig durchnässt an seinem Ziel an. Die Rückfahrt wäre fast auch wieder zur Odyssee geraten. Nicht an der ordentlichen Haltestelle, sondern an einer Straßenbucht entdeckte Weiland einen Kleinbus mit Werbeaufdruck. Ein bescheidenes "O19" an der Frontscheibe bestätigte ihm dann: Das ist mein Bus. "Soll das Service sein?", fragt sich der rüstige Ratinger.

Die Leute warten auf einen Bus und nicht auf ein Auto

Nicht glücklich mit der Situation ist auch Charalampos Tsouflidis, der mit seinem Mercedes quasi den Busverkehr aufrecht erhält. 25 Mal pro Tag bedient er im Auftrag der Rheinbahn wochentags die Strecke: Morgens um 6.10 Uhr geht ab Haltestelle Ulenbroich die erste Tour, abends um 19.43 Uhr die letzte. Manchmal warte er auch ein paar Minuten vorher schon am Halteschild. "Die Leute rechnen mit einen Bus und nicht mit einem Auto", sagt er aus Erfahrung. Deshalb wäre ein kleiner Hinweis auf dem Fahrplan schon hilfreich.

Die Zahl der Fahrgäste ist sehr überschaubar: Zehn bis zwölf am Tag - oft fährt der Mercedes die Strecke leer ab.

Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander reagierte prompt: "Morgen hat der Mercedes ein vernünftiges Schild und eine Befestigung mit Saugnäpfen", versprach er. Den irreführenden Hinweis auf den Niederflurbus entfernen zu lassen, wird jedoch mühsamer: Da müsse man in das Infosystem des VRR rein. "Wir werden prüfen, ob das geht." Dass der Subunternehmer jetzt die Strecke nach Linienfahrplan bediene, sei aus der Not geboren.

Zuvor hatte ein anderes Unternehmen einen Anrufsammeltaxi-Betrieb unterhalten. Fahrgäste konnten per Anruf eine halbe Stunde vor geplanter Abfahrt den Minibus bestellen. Nach Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung hätte sich die Rheinbahn aber sofort von dem Partner getrennt, sagte Lander. "Die Vorfälle tun uns leid. Wir müssen uns bei dem Kunden entschuldigen."

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