Trotz zehn Grad Minus bieten einige Händler ihre Waren feil. Die meisten Beschicker blieben aber zu Hause.

Ratingen. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein: ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Wenn nur die Eiseskälte nicht wäre. Knapp zehn Grad unter Null zeigte das Thermometer am Dienstagvormittag auf dem Marktplatz in der City. Wo normalerweise am Markttag dichtes Gedränge und emsiges Gewusel herrscht, ging es am Dienstag beschaulich und übersichtlich zu Gerade eine Hand voll Markthändler trotzten den Minusgraden und hatten ihre Stände und Wagen aufgestellt.

"Wir können unsere Kundschaft doch nicht hängen lassen"

"Wir können doch unsere Kundschaft nicht hängen lassen", begründet Toni Ingenhoven sein Kommen. Dick vermummt mit Fleece-Jacke, Norweger-Pullover, Steppweste, Schal und Filzhut läuft er hinter den Gemüseauslagen hin und her - die Bewegung hält ihn warm. Zwischendurch reibt er sich die klammen, roten Finger, haucht in die Hände. "Von der Temperatur her ist es wirklich grenzwertig", gibt der Gemüsehändler zu, "noch ein bisschen kälter und wir wären auch nicht gekommen." Bei Schnee oder starkem Wind hätte er ebenfalls auf die Fahrt nach Ratingen verzichtet, dann wäre ja auch keine Kundschaft da. Aber bei Sonnenschein herrscht reger Betrieb an den Ständen, die mit Gemüse, Fleisch und Brot den Grundbedarf decken.

Grenzwertig sind die Minusgrade vor allem für die Ware. "Grünkohl und Rosenkohl können ruhig Frost abbekommen, das tut denen sogar gut", weiß Ingenhoven. Doch andere Gemüse sind empfindlich: Tomaten oder Paprika werden schnell matschig, sobald sie gefrieren. Damit es gar nicht so weit kommt, hat der Händler mehrere Heizstrahler und Infrarotlampen aufgestellt. "Die sind fürs Gemüse, nicht für die Kunden oder gar für mich", betont er. Dass er dafür etliche Kilo Gas und einige tausend Kilowattstunden Strom verbraucht, nimmt er hin - wie auch die Kälte, die im Laufe der Stunden durch den Körper kriecht.

"Kalte Füße? Da müssen die durch." Einen Wärmestrahler für die Füße gibt es nicht. "Man glaubt gar nicht, wie viel man übereinander anziehen kann", lacht er, dichte Atemwolken ausstoßend. Seit 4 Uhr in der Frühe ist er unterwegs - erst zum Großmarkt, dann nach Ratingen.

Fein heraus sind die Mitarbeiter der Backstube an der Giebelseite des Bürgerhauses. Der Backofen sorgt für etwas Wärme unter der Verkaufsplane. Mit Heizlüftern halten sich die Verkäuferinnen bei Hühner Kluth und bei der Metzgerei auf "Betriebstemperatur". "Dafür sparen wir bei der Kühlung für die Auslagen", scherzt eine Verkäuferin.

Ohne Heizung für sich und ihre Ware kommt Hildegard Koop aus. "Es ist eine Frage der inneren Einstellung", verrät sie. Dem frischen Sauerkraut und den Spreewälder Gurken in den großen Holzfässern machen die Minusgrade nichts aus, ihre Konserven im Glas muss sie allerdings ständig im Auge haben: "Wenn die gefrieren, gehen sie kaputt." Also sortiert sie alle paar Minuten die Gläser in der Auslage um. Sich selbst hält sie mit mehreren Lagen Pullover und dicken Wollstrümpfen warm.

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