Der Verein zahlt keine Raten mehr für den Anbau. Die Stadt, die dafür gebürgt hat, macht jetzt Druck.

Schaufeln für die Riesensause: Der Förderverein bereitet die Beachparty vor.  
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Schaufeln für die Riesensause: Der Förderverein bereitet die Beachparty vor. (Archiv

Schaufeln für die Riesensause: Der Förderverein bereitet die Beachparty vor. (Archiv

Pierre-Claude Hohn

Schaufeln für die Riesensause: Der Förderverein bereitet die Beachparty vor. (Archiv

Ratingen. Zwischen dem Förderverein Manege und der Stadtverwaltung ist das Tischtuch nicht nur zerschnitten, es ist überhaupt kein Tisch mehr da. Die Stadt droht, den Kooperationsvertrag mit dem Förderverein zu kündigen, weil dessen Vereinbarungen nicht eingehalten worden seien.

Das bestätigte Stadtkämmerer Klaus-Konrad-Pesch. Der Grund: Seit einem Jahr sei der Förderverein im Rückstand mit der Rückzahlung eines Darlehens an die Stadt. Außerdem habe auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ebenfalls wegen säumiger Zahlung ihren Kreditvertrag mit dem Förderverein gekündigt.

Und da die Stadt für den Förderverein eine Bürgschaft übernommen hat, müsste sie für die Restsumme geradestehen. Insgesamt steht der Förderverein mit rund 170.000 Euro bei Stadt und KfW in der Kreide.

Förderverein nahm Kredite auf, um die Manege attraktiver zu machen

Der Förderverein hatte 2004 die Darlehen aufgenommen, um damit den Wintergartenanbau zu finanzieren, der die Attraktivität und die Kapazitäten des Jugendzentrums an der Jahnstraße deutlich steigerte. "In den ersten Jahren hat die Rückzahlung der Kredite gut geklappt, das gab es kein Grund zum Klagen", sagte Pesch auf WZ-Anfrage.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Seit einem Jahr sei kein Geld mehr geflossen. Ansonsten habe der Verein keine Außenstände bei der Stadt. Allerdings sei der Kooperationsvertrag mit der Bürgschaft verknüpft. Wird die Bürgschaft gezogen, ist Schluss mit lustig. Pesch hat den Förderverein angeschrieben und hofft auf eine kurzfristige Lösung.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es seit geraumer Zeit einen Kleinkrieg zwischen Jugendamt und Förderverein gibt: Ausgetauschte Schlösser, abgefangene Post, verschwundene Rechnungen, die Mahnungen nach sich ziehen, und weitere Schikanen zeugen davon.

Beim Public Viewing während der WM hat das Jugendamt die Getränketheke im Altbau bewirtschaftet, der Förderverein die Theke im Wintergarten. 1994 hatte sich die Stadt erstmals in das Geschäft eingeklinkt. Um seine Einnahmen zu verbessern, soll der Förderverein per Mail dazu aufgerufen haben, Getränke nur an der Vereinstheke zu kaufen.

Hauptattraktion und größte Einnahmequelle ist der monatliche "Älterntanz", aber auch die mehrtägige Beachparty kommt sehr gut an.

Nicht einfacher wird die Situation dadurch, dass der Förderverein derzeit handlungsunfähig ist: Zwei Vorstandsmitglieder sind zurückgetreten, am Sonntag in einer Woche stehen Neuwahlen an.

"Die Rücktritte erfolgten aus rein beruflichen und privaten Gründen", erklärte Vorsitzender Andreas Kaufmann. Er bestätigte, dass der Förderverein in massiven finanziellen Schwierigkeiten stecke. Die seien allerdings auch durch die Stadt mitverursacht worden. Denn 2008 und 2009 musste der Förderverein gut 80.000 Euro Gewerbesteuer an die Stadt nachzahlen - aus den Gewinnen seiner Veranstaltungen in der Manege.

"Da ließ man nicht mit sich verhandeln", zeigte sich Kaufmann enttäuscht. "Andererseits haben wir der Stadt den Wintergartenanbau und etliche Modernisierungen im Gesamtwert von 850.000 Euro quasi geschenkt."

Für die Baumaßnahmen hatte der Föderverein vor fünf Jahren zwei 150.000-Euro-Kredite aufgenommen, einen bei der Stadt, einen bei der KfW, für den die Stadt bürgt. An die Stadt wurden bislang 120.000 Euro zurückgezahlt, die letzte Rate von 30.000 Euro steht noch aus. Die Kreditanstalt hat noch 135.000 Euro Außenstände. "Ohne die Steuernachzahlung wäre das kein Problem geworden, zumal jederzeit Sondertilgungen möglich waren."

Es gibt viele Optionen, eine ist das Ende des Fördervereins

Wie geht es weiter? Kaufmann: "Es gibt verschiedene Denkmodelle: ein städtisches Darlehen, ein Kredit einer lokalen Bank, ein Vertrag mit einem Getränkehändler - oder das Aus für den Förderverein." Dann wäre die Stadt die Nutznießerin. Kaufmann vermutet, dass es genau darum ginge. Es gebe seit längerem Bestrebungen, den Verein aus dem Haus zu drängen. "Wir sind manchem zu erfolgreich geworden."

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