In Ratingen hat eine der ersten Fahrschulen für Frauen eröffnet. Die Chefin ist sicher: Frauen brauchen anderen Unterricht.

Wenn es ums Autofahren geht, fühlt sich Lisa Weidtmann (links) von Dorothea Ziegler-Schönemann am besten verstanden.
Wenn es ums Autofahren geht, fühlt sich Lisa Weidtmann (links) von Dorothea Ziegler-Schönemann am besten verstanden.

Wenn es ums Autofahren geht, fühlt sich Lisa Weidtmann (links) von Dorothea Ziegler-Schönemann am besten verstanden.

Pierre-Claude Hohn

Wenn es ums Autofahren geht, fühlt sich Lisa Weidtmann (links) von Dorothea Ziegler-Schönemann am besten verstanden.

Ratingen. Als Dorothea Ziegler-Schönemann vor ein paar Wochen ihre Fahrschule für Frauen eröffnet hat, dachte sie noch, dass sich bei ihr 17-Jährige anmelden würden, die keine Lust auf barsche Lehrertypen haben, oder junge Musliminnen, die einem fremden Mann nicht zu nahe kommen wollen. Doch weit gefehlt. Gerade erst rief eine 73-Jährige an: "Ich habe einen 7er BMW. Mein Mann hat mich damit nie fahren lassen. Jetzt ist er tot", sagte die Frau ganz trocken. Heute ist sie die bisher älteste Kundin von Amiga, wie die Fahrschule an der Bahnstraße heißt.

Ziegler-Schönemann hat eine weit klaffende Marktlücke aufgetan: "80 Prozent meiner Kundinnen haben eine Fahrerlaubnis", schätzt sie. Die meisten gehören zur Generation 40 plus, viele mussten erst ihre Ehegatten hinter sich lassen, bevor sie sich an das Abenteuer Fahren wagten. Ohne Amiga hätten sie den Schritt wohl nicht getan. "Die Frauen, die ich geweckt habe, wollen nicht in eine normale Fahrschule, wollen nicht zwischen 18-Jährigen sitzen."

Im Moment sitzt sie neben Lisa Weidtmann und erteilt ihr die dritte Fahrstunde. Weidtmann, 46 Jahre, gehört zu den wenigen, die ganz von vorne anfangen. Dementsprechend nervös ist sie auch. Es geht um die korrekte Lenkrad-Haltung. "Locker, aber nicht zu locker fassen. Sie brauchen bloß lenken, den Rest mache ich", sagt Ziegler-Schönemann. Die 46-Jährige steuert tapfer durch das Wohngebiet. In den Kurven kommen die Hände noch etwas durcheinander. Ziegler-Schönemann nimmt’s mit Humor: "Ich bin keine Chiropraktikerin - ich kann Ihre Arme nicht einrenken." Und statt Druck gibt es lieber Lob: "Na sehen Sie mal, was Sie schon alles können!"

Wände in Pastelltönen, in der Schublade liegt Lippenstift

Als die Schülerin aus dem Wagen steigt, ist sie geschafft, aber glücklich: "Fahren ist ein tolles Gefühl, ich kann es selbst kaum glauben." Früher hat sie an der Kö gewohnt, da brauchte sie kein Auto, später war das Geld zu knapp und heute chauffiert ihr Mann sie. "Aber ich will einfach mobiler sein", sagt sie. Und sie will den Führerschein haben, bevor ihn ihre 15-jährige Tochter macht.

Dafür büffelt Lisa Weidtmann jetzt auch die Theorie. Die ist so trocken, wie an jeder anderen Fahrschule auch. Aber der Schulraum von Amiga macht es ihr leichter. Die Wände sind in Pastelltönen gehalten, bequeme Sessel stehen um einen Tisch herum, an der Wand hängt - ganz wichtig - ein Spiegel und in der Schublade im Schreibtisch finden sich notfalls auch ein Tampon oder ein Lippenstift.

Amiga heißt Freundin, der Name steht auch für das Konzept der Frauenfahrschule.

Telefon 9292655.

"Die Inhalte sind die gleichen, auf die Verpackung kommt es an", meint die Schulleiterin. Rechts-vor-links bleibt Rechts-vor-links. Aber von Frau zu Frau erklärt sich’s leichter. "Man muss sich nicht für blöde Fragen schämen", hat Weidtmann festgestellt. Zum kleinen Luxus der Schule gehört auch Zeit. Nach der Fahrstunde bleibt Raum zur Nachbesprechung und neben der Theorie ist auch mal ein Plausch drin. Dafür kosten die Stunden auch etwas mehr als bei den Mitbewerbern.

Mit altbekannten Klischees braucht man Ziegler-Schönemann nicht zu kommen. Parken Frauen etwa schlechter ein? "Ganz im Gegenteil!", ruft sie. "Frauen halten sich an die Anweisungen, die sie bekommen. Ein Junge lenkt erstmal drauflos." Sie muss es wissen: In der Fahrschule, die sie mit ihrem Mann betreibt, unterrichtet sie auch weiterhin junge Männer.

Ihr Herz hängt aber an Amiga. "Es geht nicht nur ums Geschäft, das ist eine Berufung", sagt sie und ihre Augen lassen keinen Zweifel daran. Die Resonanz bestätigt sie: Kaum, dass die erste Werbung veröffentlicht war, lief das Telefon Sturm. "Sie sind ein Engel!" - "Sie schickt der Himmel!", schwärmten die Frauen auf den Anrufbeantworter. "Die Schülerinnen kommen mit Bus und Bahn von weit her. Es ist erschreckend, dass die Not so groß ist", sagt sie nachdenklich.

Außerdem sind die Kapazitäten begrenzt, denn Fahrlehrerinnen sind selten. Gerade mal sechs von hundert sind es in NRW, schätzt Ziegler-Schönemann, "und wir brauchen keine Anfängerinnen." Männer kommen ihr nicht ins Haus. Auch nicht als Schüler. Gerade erst hat einer angeboten, dass er sich auch ein Röckchen anzieht. Aber so läuft das nicht. "Hier ist männerfreie Zone."

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