Die Bürger-Union macht den Bau eines Tierasyls in Ratingen zum Thema des Kommunalwahlkampfes – und erntet den Widerspruch der Konkurrenz.

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So wirbt die Bürger Union für sich und für ein Ratinger Tierheim.

So wirbt die Bürger Union für sich und für ein Ratinger Tierheim.

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So wirbt die Bürger Union für sich und für ein Ratinger Tierheim.

Ratingen. Der Kampf ums Ratinger Rathaus ist um ein Thema reicher. Die Bürger-Union hat ein Herz für Tiere und trägt es jetzt auch auf der Zunge. Sie will ein Tierheim für Ratingen. Das ist erklärtes Ziel der Ratsfraktion, und für deren Chef Lothar Diehl ist auch die Finanzierung kein Problem. Nach dem Motto "privat vor Staat" sollen Helfer und Sponsoren einen Großteil der Gesamtkosten decken, die Diehl noch nicht beziffern kann. "Wir haben schon einige Zusagen", sagt Diehl. Grundstück und Restfinanzierung blieben demnach Sache der Stadt, wenn es im neuen Rat dafür denn die notwendige Mehrheite gäbe.

CDU, SPD und FDP sehen das Tierheim aus Kostengründen kritisch

Die aber ist alles andere als gewiss. Denn laut CDU-Fraktionschef Ewald Vielhaus hat die Stadt Ratingen einen Vertrag mit dem Tierheim in Düsseldorf-Rath abgeschlossen. Er sichert zu, dass Ratinger Tiere gut untergebracht werden und zur Not sogar per Tiertaxi ins Heim gebracht werden können. "Die CDU hat ein Herz für Tiere. Aber andererseits muss im Zuge interkommunaler Zusammenarbeit nicht jede Stadt alles machen." Nach seinen Informationen aus der Stadtverwaltung funktioniere die Kooperation mit Rath reibungslos und sei mit weniger als 10 000 Euro pro Jahr auch billiger als der Neubau eines Tierheims.

"Wenn die Bevölkerung das wünscht, dann muss man darüber reden", sagt dagegen die Vorsitzende der Ratinger FDP, Hannelore Hanning. Gleichzeitig verweist auch sie auf die Kooperation mit Rath und erinnert an Schul- und Sportstättensanierungen, die der Stadt in den nächsten Jahren auf den Nägeln brennen. "Wenn es finanzierbar ist, dann ist die FDP für ein Tierheim. Andererseits sind wir gerade dabei, die Ausgaben der Stadt zu senken." Bedarf und Machbarkeit seien nüchtern zu untersuchen.

Für Christian Wiglow, den Bürgermeisterkandidaten der SPD, ist der Vorstoß der Bürger-Union nichts als Wahlkampf. Er erinnert daran, dass "die Bürger-Union noch vor vier Monaten die zehnprozentige Kürzung der Zuschüsse für die Offene Ganztagsgrundschule durchgesetzt hat", weil sie den "Haushaltsnotstand kommen sah", und nun verspreche sie den Ratingern ein Tierheim. "Das sind zwar sinnvolle Einrichtungen, aber so lange wir mit Düsseldorf kooperieren können, auch nicht wirklich notwendige Kosten."

Nicht einfach ein Tierheim, sondern ein Kompetenzzentrum Tier

In Ratingen kümmert sich seit fast 30 Jahren der Verein Tierhilfe um ausgesetzte, abgegebene, kranke Katzen, Hunde, Hasen und Hamster. In Notfällen bringt der 143 Mitglieder große Verein die Vierbeiner in privaten Aufnahmestellen unter. Nach Düsseldorf kommen Tobias Thiele zufolge beschlagnahmte Hunde, die unter die Kampfhundeverordnung fallen. Alle anderen Tiere werden von Ehrenamtlern betreut und vom Verein in neue Zuhause vermittelt. Im vergangenen Jahr ist das etwa 200 mal der Fall gewesen. Seit der Wirtschaftskrise ist die Tendenz deutlich steigend. Die Tierhilfe stößt an die Grenzen ihrer Kapazität.

Der Verein hat derzeit 143 Mitglieder, von denen aber nur zehn bis 15 auch ehrenamtlich mit anpacken. Weitere Helfer, die zum Beispiel vorübergehend Tiere aufnehmen, sind gerne gesehen.

Der städtische Zuschuss war einmalig - der Verein bleibt also dringend auf Spenden angewiesen. Wer mitmachen will, kann unter Telefon 893 987 Kontakt aufnehmen.

Das ist der eine Grund, aus dem sich der 26 Jahre alte Diplom-Betriebswirt ein Heim für Tiere in Ratingen wünscht. Der andere ist, dass seine Mitstreiter und er von einem richtiggehenden Kompetenzzentrum träumen, einer Anlaufstelle für Leute, die ein Tier abgeben oder aufnehmen, nur von Zeit zu Zeit mit einem Hund spazieren gehen oder sich allgemein über Tiere informieren wollen. Es soll ein Haus werden, in dem Schulen, Kindergärten und Senioren willkommen sind und dem zum Beispiel auch ein Tierarzt angeschlossen ist. Zusätzliches Geld soll womöglich einmal pro Monat über eine kleine Gastronomie und in erster Line natürlich wie heute schon über Spenden in die Kasse kommen.

Der Verein Tierhilfe Ratingen hofft auf private Geldgeber

Denn als Wirtschaftswissenschaftler weiß Thiele natürlich auch, dass er nicht nur auf die öffentliche Hand setzen darf, wenn der Traum Wahrheit werden soll. So schlägt er beispielsweise für die Architektur die Zusammenarbeit mit einer Hochschule vor und hofft darüber hinaus auf private Sponsoren. "Ich weiß aus Erfahrung, dass die Ratinger sehr tierlieb und viele bereit sind, uns zu helfen", sagt Thiele.

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