Kindergarten: In der Schönheitsmühle lernen Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren.

Gegenüber des Gruppenraums warten zwei Ponys und ein Esel auf die tägliche Essensration. Mit Leiterin Leni Feige (links) gibt es auch mal ein paar Leckerli.
Gegenüber des Gruppenraums warten zwei Ponys und ein Esel auf die tägliche Essensration. Mit Leiterin Leni Feige (links) gibt es auch mal ein paar Leckerli.

Gegenüber des Gruppenraums warten zwei Ponys und ein Esel auf die tägliche Essensration. Mit Leiterin Leni Feige (links) gibt es auch mal ein paar Leckerli.

Pierre-Claude Hohn

Gegenüber des Gruppenraums warten zwei Ponys und ein Esel auf die tägliche Essensration. Mit Leiterin Leni Feige (links) gibt es auch mal ein paar Leckerli.

Ratingen. Emsig wuseln Lizzy, Noah und Nele mit ihren kleinen Besen vor dem Ziegenstall umher. "Guckt mal, ich habe den Stallboden ganz sauber gemacht, da können sich die Ziegen jetzt sogar hinlegen und werden nicht dreckig", erzählt der dreijährige Noah stolz, während er an der Stalltür hinaufklettert, um sich noch einmal von seiner Arbeit in der Box zu überzeugen.

Die Kinder kennen mittlerweile die Bedürfnisse der Tiere. "Die wollen’s halt auch sauber haben", erklärt er fachmännisch. Auf dem Bauernhof-Kindergarten Schönheitsmühle beginnt jeder Morgen mit dem Ausmisten der Ställe und der Fütterung der Tiere. Jedes Kind ist bereits ein kleiner Profi.

Das Verantwortungsbewusstsein der Kinder wird gefördert

In Dreier-Gruppen kümmern sich die insgesamt 18 Kinder um Ziegen, Schafe, Ponys, Pferde, Schweine, Hühner, Hasen und einen Esel. Streit um die Aufgabenverteilung gibt es dabei nicht. Für Kindergartenleiterin Leni Feige ist das Ausdruck des waldorfpädagogischen Konzepts, das Grundlage ihrer Arbeit ist und durch den Umgang mit den Tieren noch bereichert wird.

"Die Kinder sind sehr ausgeglichen. Es gibt erstaunlich wenig Platzkämpfe", sagt die gelernte Erzieherin. 2000zog sie mit ihrem Mann, Tochter und Enkelkindern auf den Hof, 2002 gründete sie mit zehn Kindern eine private Eltern-Kind-Gruppe. Erst 2005 erhielt sie die Genehmigung, einen von der Stadt bezuschussten Kindergarten zu eröffnen.

Jetzt nur noch flink die Schubkarre in den Schuppen bringen, dann können die Schafe auf die Weide gebracht werden. "Eine lange Reihe, das ist schön. Die Tiere wollen auf die Weide geh’n", singen die Kinder fröhlich und drängen die Tiere sachte in Richtung Weide. Lizzy läuft neben den Schafen her. Angst vor den wolligen Gesellen hat die Fünfjährige nicht. "Nur manchmal sind sie frech, dann muss man sie in Ruhe lassen." Aber das mussten die Kinder erst einmal lernen.

Zwei Erzieherinnen kümmern sich um insgesamt 18 Kinder. Die Kinder werden von 8 bis 14Uhr betreut. Für Eltern entstehen neben den üblichen Kindergartengebühren keine weiteren Kosten. Der Kindergarten wird von der Stadt bezuschusst und hat einen Trägerverein. Eltern unterstützen den Kindergarten mit Spenden. Arzt- und Versorgungskosten der Tiere bezahlt Familie Feige aus der eigenen Tasche.

2005 wurde die Schönheitsmühle als Kindergarten genehmigt. Zuvor hatte es eine private Eltern-Kind-Gruppe gegeben.

Das Konzept basiert auf der Waldorfpädagogik. Der Umgang mit den Tieren ergänzt das Konzept.

Der Hof-Kindergarten grenzt sich von einem Streichelzoo ab. "Durch den Umgang mit den Tieren wird ihr Bewusstsein für die Bedürfnisse anderer geschärft", sagt Feige. Und dazu gehöre nun mal auch, einem Tier seine Ruhe zu gönnen. "Die Kinder lernen, Verantwortung fürs Tier zu übernehmen", sagt Feige. Das bedeute natürlich auch, dass bei jeder Witterung die Ställe ausgemistet, die Tiere gefüttert und gebürstet werden müssen. Im Sommer werden die Schafe geschoren, dann wird die Wolle gemeinsam mit den Kindern gewaschen, später dann gekämmt und verspinnt.

Die Initiative der Eltern ist gefragt

Seit der Gründung im Jahr 2005 hat sich auf dem Bauernhof-Kindergarten nicht viel verändert. Durch das Kinderbildungsgesetz aber steht dem Kindergarten nun weniger Geld zur Verfügung. "Dann müssen wir eben anders haushalten. Und natürlich ist auch die Initiative der Eltern gefragt", sagt Feige gelassen.

Während einige Kinder draußen der Kälte trotzen, bereitet Erzieherin Barbara Schneider mit einigen Kindern im urigen Gruppenraum das Frühstück zu - mit selbstgebackenem Brot. "Das schmeckt am leckersten", sind sich die Kinder einig.

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