Die „Nacht der Sinne“ in der Pfarrkirche St. Peter und Paul beeindruckte mit Klängen, Texten, Licht und Installationen.

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Lesung in der Wüste, Sphärenklänge mit Sabine Könner (rechts) – die Pfarrkirche St. Peter und Paul bot eine „Nacht der Sinne“.

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So hatten die Ratinger ihre Kirche Sankt Peter und Paul ganz sicher noch nicht erlebt: Die schweren Sitzbänke waren an die Seitenwände geschoben und gaben so Raum für einen überraschenden Anblick. Vor dem Altarraum entsprang ein kleiner Bach, der fröhlich gluckernd in einem kunstvoll angelegten Bett aus Sand und Kies durch die ganze Kirche plätscherte. Das Gewässer mündete in einem Teich, aus dem der schwarze Taufstein herausragte wie eine imposante Felseninsel.

Musik, Texte und Licht traten in einen faszinierenden Dialog

Das "Ufer" war mit zahlreichen Pflanzen begrünt, Kinder hatten Gesichter und Herzchen in den feuchten Sand gemalt. Wer am Freitagabend aus dem lebhaften Getümmel des Marktplatzes in den Kirchenraum trat, erlebte eine wahre Oase der Ruhe. Die "Nacht der Sinne" setzte dem hektischen Alltag meditative und kontemplative Gedanken und Eindrücke entgegen.

Unter dem Motto "Von Wüsten und Wassern und dem Himmel auf Erden" hatte man ein vielseitiges Programm zusammengestellt, das weit über die außergewöhnliche Umgestaltung des Kirchenraums hinaus ging. Literarische und religiöse Texte traten in Dialog mit Musik, der Lichtgestaltung sowie den Videoinstallationen des Künstlers Michael Carstens.

"Das war wirklich beein-druckend, diese urtümlichen Klänge in dem erhabenen Gemäuer."

GudrunSchwarz, Besucherin

Jeweils unterschiedliche Akteure widmeten sich den drei "Kapiteln" des Abends. So beschworen Sabine Könner mit ihrer Violine und Rosemarie Baron mit der einsaitigen Wüstengeige - die Düsseldorfer Künstlerin war für den erkrankten Alexandre Perez (Didgeridoo) eingesprungen - "Die Wüste" als erlebbares Klangbild herauf. Die letzten Sonnenstrahlen, die durch die bunten Scheiben ins Innere drangen, ergänzten Musik und Texte als letztes i-Tüpfelchen. "Das war wirklich beeindruckend, diese urtümlichen Klänge in dem erhabenen Gemäuer", freute sich Besucherin Gudrun Schwarz in der anschließenden Pause.

Romantisch verzauberter Ort der Ruhe

Unter den Gestaltern des Abends waren neben Organisatorin Kerstin Artz-Müskens zahlreiche bekannte Ratinger Gesichter wie Musikschullehrerin Sabine Könner, der umtriebige pensionierte Lehrer Hans Müskens, Schriftstellerin Barbara Ming, Organist Christian Siegert, Künstlerin Rosemarie Baron, Tanzlehrer Thomas und Denise Pollheim und der Kantor von St. Peter und Paul, Ansgar Wallenhorst. Aus Berlin war Bandoneonspieler Klaus Gutjahr angereist, der in Ratingen allerdings auch kein Unbekannter ist.

Der künstliche Bach war Zentrum des zweiten Teils "Das Wasser". Blau-grünliches Licht hüllte die Szenerie ein, die expressiven Klänge von Klavier und Orgel verstärkten den Eindruck des romantisch verzauberten Orts der Ruhe. Im Gegensatz dazu die alles andere als romantischen, sondern bitter-realistischen Auszüge aus dem Roman "Zeit der Heuschrecken", in dem das Element Wasser auch seine bedrohliche Seite zeigt.

Im dritten Teil, dem "Himmel auf Erden" schließlich wurden mit dem Frauenchor "Cantica", mit Orgel, Tanz und lateinamerikanischem Bandoneonspiel alle Register gezogen. Besucher Georg Schäfer war wegen des musikalisch-literarischen Programms gekommenen, mit Kirche hat er sonst nichts am Hut. "Es hat mir gefallen, dass man sich zwar mit christlichen Elementen auseinander setzt, dass einem aber nichts aufgedrängt wird", würdigte er den Abend. Die meditativen Texte ließen viel Freiraum für eigene Interpretation auch diesseits und abseits katholischer Sichtweisen. Über drei Stunden lang volles Haus, ein tolles Programm und ein begeistertes Publikum - die "Nacht der Sinne" war ein voller Erfolg und macht Lust auf mehr.

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