Michael Frayns Farce „Der nackte Wahnsinn“ gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Ratingen. In der Nacht vor der Premiere gibt es keine Erholung für Schauspieler und Crew, denn die Produktion hängt so gnadenlos hinter dem Zeitplan zurück, dass an eine Generalprobe nicht zu denken ist und Regisseur Lloyd schon froh wäre, das Stück wenigstens einmal komplett durchspielen zu können. Das ist die Ausgangssituation von Michael Frayn brillanter Theaterfarce "Der nackte Wahnsinn", mit der das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel am Samstagabend im Stadttheater begeisterte. Ganze dreimal - stets aus einer anderen Perspektive - musste sich das Publikum den ersten Akt der schrecklichen (und natürlich fiktiven) Boulevardkomödie "Was wird hier gespielt?" ansehen, in der Frayn alle Klischees und Stereotypen des Genres bis zuletzt auskostet, ohne sie überhaupt übertreiben zu müssen.

Fliegende Türen, schlüpfrige Witze und halbnackte Mädchen, dazu jede Menge Slapstick: Das hat man schon tausend Mal gesehen. Viel interessanter ist da schon das, was man sonst nicht zu sehen bekommt: das, was bei den Proben passiert oder hinter den Kulissen. Dabei steigerte sich die Darbietung langsam über die drei Akte: Anfangs war der Pannenreigen selbst noch recht boulevardesk. Betrunkene Schauspieler, kaputte Requisiten und ein übernächtigter Bühnenarbeiter sorgten für sichere Lacher, doch nach und nach schlichen sich immer mehr ernste Untertöne ein, die Differenzen und Intrigen in der Gruppe traten immer mehr in den Vordergrund. Irgendwie ist jeder mit jedem verbandelt, Eifersucht und Neid untergraben den Zusammenhalt. Zudem ist das fiktive "Stück im Stück" so schlecht, dass es eigentlich keiner spielen will, es geht nur ums Geld.

Dank schwungvoller Inszenierung und guter Darsteller überzeugte die Farce bis zum Schluss und regte zum Nachdenken über den "faulen Bühnenzauber" an.

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