Planung: Die Tiefgarage im Ärztehaus ist schlecht beschildert und zu weit von der Fußgängerzone entfernt: Die meisten Plätze bleiben leer.

Ratingen. Wer hier keinen Parkplatz findet, fährt entweder Lastwagen oder Bus. Normale Autofahrer haben dagegen mehr Auswahl, als den Betreibern des Parkhauses im Ärztehaus lieb sein kann. An einem normalen Wochentag sind selbst zur besten Einkaufszeit im ersten Parkdeck noch reichlich Stellplätze vorhanden, auf der zweiten Ebene findet sich kein einziges Fahrzeug. Lediglich ein paar Reifenspuren auf dem Estrich zeigen, dass hier schon einmal ein Auto gefahren sein muss.

Die zweite Ebene war längere Zeit gesperrt, weil Pfusch beim Bau der Tiefgarage immer wieder zu Wassereinbrüchen geführt hat. "Diese Probleme sind längst gelöst. Durch Verpressungen im Beton ist jetzt alles abgedichtet", sagte Kai Siekkötter, stellvertretender Geschäftsführer der St.Marien-Krankenhaus GmbH. Beide Parkebenen seien in vollem Umfang nutzbar.

Das scheint in der Öffentlichkeit allerdings wenig bekannt zu sein, wie man an der Auslastung sieht. Allerdings ist die Beschilderung auch mehr als dürftig: Lediglich ein Hinweisschild an der Ecke Werdener-/Mülheimer Straße weist auf das öffentliche Parkhaus hin (Foto rechts).

Die Tiefgarage ist auch als Ersatz für das Parkhaus Kirchgasse gedacht

Dabei kommt den Stellplätzen eine besondere Bedeutung zu. Sie sollen als Ersatz dienen für die Plätze, die mit dem Abriss des Kirchgassen-Parkhauses wegfallen. Ursprünglich wollte die Stadt deswegen die komplette zweite Ebene in Beschlag nehmen und zwei Millionen Euro dafür bezahlen. Stattdessen zahlte man 150000 Euro als "einmalige Pauschale" dafür, dass mindestens 90 Stellplätze für die Dauer von 20 Jahren öffentlich genutzt werden dürfen. Danach gab es noch einen weiteren Zuschuss von 100000 Euro und die Aufstockung auf 30 Jahre Nutzungszeit.

Als Ersatz für das KirchgassenParkhaus war die Tiefgarage im Ärztehaus von Anfang an umstritten. Viele befürchteten, dass wegen der Entfernung zur Fußgängerzone die Bürger das Parkhaus nicht annehmen würden. Diese Bedenken wurden in einer von der CDU initiierten Umfrage unter Nutzern des Parkhauses Kirchgasse auch bestätigt: Nur gut ein Viertel würde zur Werdener Straße ausweichen, 70Prozent würden ein anderes Parkhaus wählen.

Dazu kommt, dass fürs Parken unterm Ärztehaus von der ersten Minute an bezahlt werden muss, während in den anderen Parkhäusern die erste Stunde kostenfrei ist. Ob sich die Situation ändern wird, wenn das Kirchgassen-Parkhaus abgerissen ist, scheint fraglich. Der Parkdruck nimmt dann in der Innenstadt sicher zu.

Auf jeden Fall ist Bewegung in der Sache: Nach Informationen der WZ ist die aktuelle Vorlage zum Projekt Kirchgasse kurz vor der Freigabe. Nach der Sommerpause soll zunächst im Bezirksausschuss Mitte darüber beraten werden. Die Verwaltung stellt in der Drucksache die Ergebnisse des Investoren- und Architektenwettbewerbs vor. Im nächsten Frühjahr könnte - wenn alles glatt geht - das Bauleitplanverfahren eingeleitet werden. Dann wären die Tage des Kirchgassen-Parkhauses endlich gezählt.

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