RatingerJonges: Der Vizebaas des Vereins hört mit sofortiger Wirkung auf. Sein Engagement in der Bürger-Union war auf Unmut gestoßen.

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Betretene Gesichter auf der Vorstandsbank (v.l.): Baas Georg Hoberg, der Ex-Vize Uwe Budzin und dessen Nachfolger Leo Schleich.

Betretene Gesichter auf der Vorstandsbank (v.l.): Baas Georg Hoberg, der Ex-Vize Uwe Budzin und dessen Nachfolger Leo Schleich.

Pierre-Claude Hohn)g

Betretene Gesichter auf der Vorstandsbank (v.l.): Baas Georg Hoberg, der Ex-Vize Uwe Budzin und dessen Nachfolger Leo Schleich.

Ratingen. Durch seinen Rücktritt als Vizebaas hat Uwe Budzin die Ratinger Jonges vor einer Zerreißprobe bewahrt. Die Frage, wie viel politisches Engagement in dem Heimatverein erlaubt ist, bleibt offen.

Schon seit Mitte des vergangenen Jahres brodelt es. Budzin trat in die Bürger-Union (BU) ein und zog damit den Unmut seiner Vorstandskollegen auf sich. Die nämlich sahen die Vereinssatzung verletzt. Darin wird parteipolitische und konfessionelle Neutralität als verpflichtend erklärt. Der Vizebaas, als ehemaliger Verkaufsleiter eines Tabakkonzerns an viel Qualm gewöhnt, hielt dagegen. Er sehe keinen Interessenskonflikt, ließ er wissen. Darauf durfte er an Vorstandssitzungen nicht mehr teilnehmen. Offenbar auf Anraten eines Anwalts revidierte der Vorstand den Isolationsbeschluss jedoch ein paar Wochen später.

Vor einer Woche setzte der 67-jährige Vizebaas noch einen drauf: Er ließ sich als Parteivize der BU wählen und brachte den Vereinsvorstand damit vollends auf die Palme. Baas Georg Hoberg hob das Thema auf die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung: "Ich will wissen, was die Mitglieder denken."

Ohne Budzins Rücktritt, hätte Hoberg die Vertrauensfrage gestellt

Das freilich weiß Hoberg bis heute nicht. Wenn Vizebaas Uwe Budzin, der vor einer Woche noch für seine Rechte als freier Bürger kämpfen wollte wie ein Löwe, nicht zurückgezuckt wäre, hätte Baas Georg Hoberg die Vertrauensfrage gestellt. Aus dem Traumergebnis bei seiner Wiederwahl mag er den Schluss ziehen, in der Sache Budzin wohl richtig gelegen zu haben.

Grundsätzliches freilich bleibt ungeklärt. Ob auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene: So gut wie alle politischen Mandatsträger flüchten rasch und gern unter das Dach von Vereinen, auch, um ein Fundament für eine Wiederwahl zu haben. Manche bringen es dabei auf 20 Mitgliedschaften. Horst Becker sagte auf der Versammlung, er habe als Vorsitzender der FDP und der Ratsfraktion keinen Konflikt erlebt mit seinem Amt als Vereinsvorsitzender des TV Ratingen. Auch andere Parteikollegen seien in Vereinsvorständen aktiv.

Horst Becker: "Ich bin unglücklich, dass es keine Klärung gegeben hat"

Georg Hoberg, seit 2005 Baas der mehr als 700 Mitglieder zählenden Ratinger Jonges, bleibt an der Spitze des größten Heimatvereins der Stadt. Er wurde bei der Jahreshauptversammlung in offener Abstimmung von 220 Mitgliedern wiedergewählt.

Auch die Vorstandsmitglieder Wolfgang Hölscher und Andreas Clausen haben weiter das Vertrauen der Mitglieder. Leo Schleich übernimmt die Aufgaben des zurückgetretenen Peter Budzin zunächst kommissarisch.

Der Jahresbeitrag bleibt bei 25 Euro.

Die Sanierung der Wehranlage "Dicker Turm", ein Vorzeigeprojekt der Jonges, steht kurz vor dem Abschluss. Am 16. Mai soll ein Turmfest gefeiert werden.

Mit der Auffassung, das Thema schnell zu beerdigen, blieb Becker nicht allein. Kurz und knapp kam Heinz Bradza (Ratsmitglied der Bürger-Union) zu dem Schluss, der Jonges-Vorstand sei auf dem Holzweg. Bis auf Gerold Fahr (CDU) trat niemand öffentlich für die Position von Baas Hoberg ein. Eine förmliche Abstimmung gab es nicht, weil Budzin "mit sofortiger Wirkung" ausstieg. Becker nach dem Rückzug: "Ich bin unglücklich, dass es keine Klärung gegeben hat."

Immerhin das ist geklärt: Budzin, der bis zuletzt auf ein Einlenken des Vorstandes gehofft hatte, will einfaches Mitglied der Jonges bleiben. Und sich in Stadtmitte für die BU um ein Ratsmandat bewerben.

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