Ein auffällig rotes Geschlecht verzögerte die Genehmigung des Entwurfs.

Ratingen. Ein Wappen soll eigentlich ganz eindeutig und unverwechselbar mit dem zugehörigen Ort verbunden sein. Doch wer denkt heute noch an Pferde, wenn er den Ortsnamen Breitscheid hört? Das war früher wohl anders, bis 1814 sollen hier noch große Herden von Wildpferden geweidet haben.

Bereits 1431 seien diese urkundlich erwähnt worden, schrieb der Heraldiker Wolfgang Pagenstecher, der 1937/38 die Gemeindewappen für den damaligen Landkreis Düsseldorf-Mettmann entwarf, zu dem auch die Gemeinde Breitscheid gehörte.

Die Gemeinde war 1930 im Zuge der kommunalen Neugliederung aus Teilen der früheren Gemeinden Breitscheid-Selbeck, Mintard, Hösel und Laupendahl (das später zu Kettwig kam) entstanden und dem ein Jahr zuvor gegründeten Amt Ratingen Land angeschlossen. Dieses Gebiet ist jedoch nicht identisch mit dem heutigen Stadtteil Breitscheid und erstreckte sich vom Duisburger Süden bis nach Tiefenbroich.

Das von Pagenstecher entworfene Wappen zeigt ein schwarzes Pferd auf goldenem Grund. Das Pferd hat sich dabei auf den Hinterbeinen aufgerichtet, womit das Temperament der Breitscheider Wildpferde verdeutlicht wird.

Der ursprüngliche Entwurf enthielt aber ein pikantes Detail: Die Gutachter störten sich an dem "auffallend rot zum Vorschein tretenden Geschlechtsteil des Pferdes". Letztlich verschwand dieser Stein des Anstoßes vollständig aus dem Wappen, die amtliche Genehmigung verzögerte sich dadurch aber erheblich.

Mit den wappenstiftenden Pferden nahm es übrigens ein alles andere als ruhmreiches Ende: Da die umherstreifenden Tiere nach Ansicht der Bevölkerung großen Schaden an Feld und Wald anrichteten, wurden die letzten 260 Exemplare im Dezember 1814 eingefangen und verkauft. Damit endete dieses Kapitel der Breitscheider Lokalgeschichte, das nun wenigstens noch im Wappen weiterlebt.

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