Bürgermeister Harald Birkenkamp blickt auf ein gutes Jahr 2009 und ein schwieriges 2010, spricht über sein Leid mit der Ratinger Politik und sein Glück als Großvater.

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Bürgermeister Harald Birkenkamp erwartet ein schwieriges Jahr 2010.

Bürgermeister Harald Birkenkamp erwartet ein schwieriges Jahr 2010.

Anna Schwartz

Bürgermeister Harald Birkenkamp erwartet ein schwieriges Jahr 2010.

Ratingen. Ein turbulentes Jahr geht zu Ende. Es war geprägt von der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch von den Wahlen, besonders die des neuen Stadtrates und Bürgermeisters. Der Dauerwahlkampf verleitete manchen dazu, effektives Handeln zu vertagen oder Probleme ungelöst zu lassen. Und trotz aller Krise: Ratingen steht insgesamt gut da. Als einzige Stadt im Kreis kann sie einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, und auch bei der Gewerbesteuer wurde mit 114 Millionen Euro Einnahmen eine Punktlandung geschafft. Nur wenige Kilometer entfernt kämpfen die Kämmerer gegen den Ruin ihrer Gemeinden.

Dennoch: Auch Ratingen geht schweren Zeiten entgegen. 2010 muss entschlossen gespart werden, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise werden mit Verzögerung, aber umso deutlicher zu spüren sein. Im Gespräch mit der WZ zieht Bürgermeister Harald Birkenkamp Bilanz und blickt auf das morgen beginnende Jahr.

Wo und wie werden Sie das Jahr 2010 beginnen?

Harald Birkenkamp: In aller Ruhe - zu Hause mit der Familie. Tochter, Schwiegersohn und Enkelin sind bei uns zum Fondue-Essen. Die Enkelin natürlich nicht, die kriegt Milch.

Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen gehen Sie ins neue Jahr?

Birkenkamp: Beruflich oder persönlich?

Beides!

Birkenkamp: Persönlich hoffe ich, dass der Stress etwas abnimmt und ich mehr Freiräume bekomme. Ich habe in diesem Jahr nur einmal Urlaub gemacht, das geht auf Dauer nicht gut. Und ich hoffe, weiter so fit zu bleiben, wie ich bin. Beruflich möchte ich, dass es mit Ratingen weiter voran geht wie bisher. Wir sind da auf einem guten Weg. Die Baugenehmigung für die Bezirkssportanlage liegt vor. Also geht es da endlich voran. Außerdem sind wir mit zwei Firmen in Verhandlungen über eine Ansiedlung. Und mit der Entwicklung des Vodafone-Campus in Lintorf bieten sich auch für die Stadt neue Möglichkeiten.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Birkenkamp: Endlich wieder zielorientierter arbeiten zu können, ohne nach links oder rechts oder auf irgendeinen Wahlkampf schauen zu müssen.

Und welche Befürchtungen hegen Sie mit Blick auf 2010?

Birkenkamp: Vor allem, dass es neue finanzielle Forderungen gibt - vom Kreis, vom Land, aber auch vom Bund.

"Es stehen noch zwei schwierige Jahre vor uns. Aber wir kriegen das hin."

Harald Birkenkamp zu den finanziellen Belastungen der Stadt

Geht es konkreter?

Birkenkamp: Das Land denkt über einen Fond für die armen Städte nach, finanziert von den reicheren Kommunen. Dabei sind wir schon im Kreis der Zahlmeister Nummer eins: Von jedem Euro, der vom Kreis ausgegeben wird, zahlt Ratingen 25 Cent. Und der Kreis plant die Erhöhung der Umlage in nicht unbeträchtlicher Größe. Über die Höhe bin ich richtig verärgert. Wir sind bisher davon ausgegangen, dass sie gleich bleibt - das war sehr optimistisch. Außerdem kommt der Bund seiner Verpflichtung nicht nach, sich an den Hartz IV-Kosten zu beteiligen. Vor allem auf Bundesebene fehlt der Blick aufs Lokale. Wir alle wissen auch, dass die Krise noch nicht vorüber ist. Es stehen bestimmt noch zwei schwierige Jahre vor uns. Aber wir kriegen das hin.

Was tut sich 2010 in Ratingen?

Birkenkamp: Eine ganze Menge. Das Gemeindezentrum Homberg-Süd bekommt einen neuen Träger - zwei haben sich beworben, einer ist klarer Favorit.

Die Lebenshilfe?

Birkenkamp: Ja. Die hat ein überzeugendes und finanzierbares Konzept. Außerdem wird mehr für die Jugend getan: neue Jugendtreffs in Tiefenbroich und Hösel, die neue Skateranlage in Hösel, Die Neukonzeption des Stadtmuseums läuft richtig an. Der Ogata-Ausbau an Grundschulen wird abgeschlossen und mit dem Geld aus dem Konjunkturpaket II werden insgesamt elf Schulen energetisch verbessert und die Sportanlagen in Homberg und Breitscheid saniert. Auch bei den Häusern Markt 17-20 stehen Entscheidungen an. Die Jury wird im Januar beraten. Es gab leider nicht viele Bewerbungen. Hoffentlich ist etwas Gutes dabei, sonst ist die Immobilie verbrannt. Und für das Rathaus wird gerade eine aktuelle Vorlage erarbeitet.

Bei welchem Gedanken bekommen sie schlaflose Nächte?

Birkenkamp: Ich kann relativ gut schlafen. Und wenn ich mal wach werde, setze ich mich an den Scheibtisch und arbeite. Insgesamt bin ich eigentlich gelassener geworden.

Was war 2009 Ihr schönstes Erlebnis?

Birkenkamp: Die Kommunalwahl und meine Wiederwahl, also die Bestätigung der Bürgerschaft für meine Arbeit. Privat war es die Geburt unserer Enkelin Anna. Da merkte ich auch, was ich bei meiner Tochter versäumt hatte.

Höhepunkte 2009 für die Stadt?

Birkenkamp: DKV, Amand und Makita bauen ihre neuen Zentralen in Ratingen, die Firma Coca-Cola ist gerade in ihren Neubau eingezogen. Wir haben eine hochmoderne Feuer- und Rettungswache eingeweiht, die Regenbeckenanlagen Poststraße und Am Sandbach sind fertig, wir haben ein tolles Voices-Festival erlebt, auch der Trimborn-Wettbewerb wird fortgeführt. Die Ehrenamtskarte wurde eingeführt, das Frühwarnsystem "Frühe Hilfen" weiter ausgebaut.

Was war der bitterste Moment in 2009?

Birkenkamp: (überlegt länger) 2009 war ein gutes Jahr!

Wie würden Sie den Satz vollenden? Bürgermeister von Ratingen zu sein, ist. . .

Birkenkamp: . . . eine interessante und spannende Aufgabe. Man ist täglich nicht gefeit vor Überraschungen. Ein Amtskollege sagte einmal, ich sei ein Löwendompteur (lacht).

"Wie soll das gehen: Steuern und Schulden runter?"

Harald Birkenkamp über den politischen Kurs der Ratinger CDU

Die Bürger-Union bedeutet für Ratingen . . .

Birkenkamp: . . . eine politische Bereicherung.

Die CDU ist in Ratingen . . .

Birkenkamp: . . . eine Partei der Unglaubwürdigkeit. Wie soll das gehen: Steuern und Schulden runter?

Ratinger Lokalpolitiker sind . . .

Birkenkamp: . . . oft sehr provinziell - und undankbar.

Wieso undankbar?

Birkenkamp: Nicht einmal nach erfolgreichen Firmenansiedlungen gab es ein Dankeschön oder "gut gemacht".

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