Benjamin H. nahm im Mai nach einem Streit seine Ex-Freundin als Geisel und verletzte sie mit einem Teppichmesser. Polizisten feuerten drei Schüsse auf den jungen Mann.

wza_1500x964_582350.jpeg
Mit einer Jacke verhüllte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht sein Gesicht. Über seinen Anwalt ließ er erklären, wie es zu der blutigen Beziehungstat gekommen war.

Mit einer Jacke verhüllte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht sein Gesicht. Über seinen Anwalt ließ er erklären, wie es zu der blutigen Beziehungstat gekommen war.

Bernd Schaller

Mit einer Jacke verhüllte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht sein Gesicht. Über seinen Anwalt ließ er erklären, wie es zu der blutigen Beziehungstat gekommen war.

Düsseldorf/Ratingen. Es waren dramatische Szenen, die sich in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai dieses Jahres vor einem Haus in der Straße Am Ostbahnhof abspielten. Der 21-jährige Benjamin H. aus Düsseldorf hatte seine 22-jährige Ex-Freundin geschlagen, mit einem Teppichmesser bedroht und geschnitten und sie schließlich als Geisel genommen.

Polizisten gaben drei Schüsse auf den jungen Mann ab. Zwei trafen, einer verletzte ihn lebensgefährlich nahe einer Niere. Nach längerem Krankenhausaufenthalt ist der Mann genesen und musste sich am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Geiselnahme verantworten.

Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt die Tat erklären

Über seinen Anwalt räumte er die Vorwürfe weitgehend ein. Dem Anwalt überließ er auch den Versuch, zu erklären, wie das Beziehungsdrama zwischen Täter und Opfer derart eskalieren konnte.

Die Beziehung zwischen den jungen Menschen sei ein ständiges Auf und Ab gewesen. Immer wieder hatten sich die beiden getrennt. Doch stets habe sie ihn gebeten, zu ihr zurück zu kommen: "Lass mich nicht alleine." Am Tattag waren sie wieder einmal getrennt. Am 6.Mai war die Frau gerade von einem längeren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, in der sie wegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung behandelt worden war, zurückgekehrt. Am Abend wollte er ein klärendes Gespräch über eine eventuelle Wiederaufnahme der Beziehung führen.

Doch die Frau wollte offensichtlich nicht mit ihm sprechen. Zweimal konnte sie den Mann erfolgreich abweisen. Doch am frühen Morgen kehrte er zurück, schlug ein Fenster des Mietshauses ein und kletterte in ihre Wohnung, die in der ersten Etage lag. Die Frau flüchtete auf die Straße. Da habe er die Kontrolle über sich verloren, sagte der Anwalt. Der Mann schlug ihren Kopf mehrfach aufs Straßenpflaster, sodass sie Platzwunden erlitt.

Als drei Polizisten erschienen, habe sein Mandant nicht mehr weiter gewusst, sagte der Anwalt weiter. Leider besann sich der Mandant, der in dieser Zeit eine Lehrstelle als Maler und Lackierer hatte, auf das Teppichmesser, das er von der Arbeit noch in der Hosentasche mit sich trug. Er hielt es der Frau an den Hals und rief: "Ich bringe sie um."

Als die junge Frau sich loszureißen versuchte, habe sie versehentlich in die Klinge gefasst, sodass ein Fingerglied abgetrennt wurde. Außerdem erlitt sie Schnittverletzungen am Ohr. Der Angeklagte schlug ihr daraufhin mit der Hand, in der er das Messer führte, auf den Rücken. Für die Polizisten sah dies so aus, als steche er auf die Frau ein - sie feuerten drei Schüsse ab.

Für die Beamten war es damals der dritte Einsatz in der Nacht in gleicher Sache. Schon zweimal zuvor hatte die Frau die Polizei zur Hilfe gerufen. Beide Male versteckte der Mann sich und kehrte kurze Zeit später wieder zu der Wohnung zurück.

Dem mutmaßlichen Geiselnehmer drohen bis zu 15 Jahre Haft. Der Prozess wird fortgesetzt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer