Kultur: Der Literat fesselte mit seinen Erzählungen im Haus zum Haus.

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Ein großer Erzähler: Rafik Schami im Haus zum Haus.

Ein großer Erzähler: Rafik Schami im Haus zum Haus.

Pierre Hohn

Ein großer Erzähler: Rafik Schami im Haus zum Haus.

Ratingen. Eigentlich lässt man sich zu Geburtstagen und Jubiläen ja beschenken. Zum 20-jährigen Bestehen ihrer "Altstadtbuchhandlung" haben sich Gertrud Teuwsen und Gertrud Claus nun aber nicht nur sich selber, sondern auch den Ratingern ein großes Geschenk gemacht: Sie haben gleich zwei der renommiertesten Vertreter der deutschsprachigen Literaturszene nach Ratingen eingeladen. Ehe im Oktober Jakob Arjouni die Dumeklemmerstadt besuchen wird, war am Dienstagabend das Konzerthaus zum Haus bereits bis auf den letzten Platz ausverkauft. Kein Wunder, denn Geschichtenerzähler Rafik Schami begeistert seit Jahren nicht nur Kritiker, sondern auch ein großes Publikum.

Ein poetischer Spaziergang durch Damaskus

Er las an diesem Abend nicht etwa aus einem seiner zahllosen Bücher vor, sondern machte seiner selbst gewählten Berufsbezeichnung alle Ehre und erzählte Geschichten. Frei von der Leber weg und ohne Manuskript lud er die Besucher zu einem poetischen Spaziergang durch seine Geburtsstadt Damaskus ein. Seine Liebe zum erzählten Wort ist offenbar untrennbar mit dieser Stadt verbunden, in der er selbst einst den Geschichtenerzählern in den Caféhäusern und schattigen Innenhöfen lauschte, und die ihm noch heute den Stoff für seine skurril-phantasievollen Fabeln liefert.

Er selbst bezeichnet Damaskus als "Fundbüro der Kulturen" und all seine Erzählungen werben mehr oder weniger versteckt für ein besseres Verständnis und ein respektvolles Miteinander der Kulturen. So erklärte er Sitten und Gebräuche der Araber auf eine herrlich schelmische und ironische Weise, die ein vielfaches verständlicher war als jede Belehrung. Und die deutschen Sitten kamen einem plötzlich genauso merkwürdig vor, wenn Schami sie erklärte. Etwa, dass Deutsche zu Feiern immer Nudelsalat mitbringen. "Das ist das einzige Gericht, das niemand falsch machen kann", vermutete er schmunzelnd.

Faszinierend war nicht nur, seiner wohlklingenden Stimme zu lauschen und sich dabei in der verdrehten Welt voller Räuber, Schelme und liebenswert Verrückter zu verlieren. Es begeisterte auch, wie er seine Geschichten ausufern ließ, sich in anekdotischen Anmerkungen verlor und ein Erzähllabyrinth erschuf, so verzwickt und verwinkelt wie die Gassen von Damaskus. Und am Schluss gelangte er doch immer wieder auf die "Hauptstraße" und brachte die Geschichte mit einer überraschenden Pointe zu Ende. Ohne begeisterten Szenenapplaus und zwei Zugaben kam Rafik Schami nicht davon.

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