Auch wer weniger Abfall produziert, muss für die festgelegte Mindestmenge zahlen.

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„Ui, ist da viel Platz drin!“ Familie Daniels bekam einer größere Mülltonne, braucht sie aber nicht.

„Ui, ist da viel Platz drin!“ Familie Daniels bekam einer größere Mülltonne, braucht sie aber nicht.

Anna Schwartz

„Ui, ist da viel Platz drin!“ Familie Daniels bekam einer größere Mülltonne, braucht sie aber nicht.

Ratingen. "Da verhält man sich umweltbewusst, sortiert und vermeidet Müll - und wird dafür noch bestraft!" Thomas Daniels versteht die Welt nicht mehr. Jahrelang kam der Haushalt der Daniels mit einer 80-Liter-Mülltonne sehr gut aus. Auch als vor drei Jahren die zweite Tochter geboren wurde und beide Kinder Windeln brauchten, war die Behältergröße ausreichend.

Und seit die beiden Mädchen aus den Windeln raus sind, stellte die Familie alle 14 Tage eine meist nur halb gefüllte Tonne zur Abfuhr an den Straßenrand. "Wir versuchen Müll erst gar nicht entstehen zu lassen", sagt Thomas Daniels. Und der anfallende Abfall wird getrennt in blauer, brauner und gelber Tonne entsorgt.

Abfallamt tauschte die zu kleine Tonne gegen eine größere aus

Das städtische Amt für Abfallwirtschaft kann das nicht überzeugen. Das verglich nämlich Tonnengröße mit der Zahl der im Haushalt lebenden Personen und kam zu dem Schluss, "dass das vorhandene Abfallbehältervolumen laut Satzung nicht ausreichend ist."

80 Liter reichen bei drei Personen, inzwischen leben aber vier im Haushalt. Also braucht er eine 120-Liter-Tonne. Thomas Daniels schrieb zurück: "Woher weiß die Satzung, wie viel Müll wir produzieren?" Den Tonnenaustausch könne man sich sparen, "da wir das zusätzliche Volumen nicht benötigen."

Das Abfallamt tauschte dennoch: Seit dieser Woche steht eine neue 120-Liter-Tonne vor dem Haus der Daniels in Ratingen Ost. "Jetzt können wir endlich richtig Müll produzieren", sagt Thomas Daniels zynisch. Ihn ärgert nicht so sehr, dass er nun statt 88 künftig 132 Euro für die Müllabfuhr bezahlen - 50 Prozent mehr als bisher - , sondern dass dieses Verhalten allem Reden von Umwelt- und Klimaschutz widerspräche. "Wir haben auch eine Solaranlage auf dem Dach. Da kommen die Stadtwerke doch auch nicht an und verlangen, dass wir jetzt mehr Gas verbrauchen sollen."

Im Abfallamt zeigt man Verständnis für den Unmut der Daniels und vieler anderer, die in diesen Tagen eine größere Tonne vor die Tür gestellt bekommen. Gleichzeitig lasse die geltende Satzung keinen Spielraum zu, erklärt Amtsleiter Hans-Jürgen Peters. "Normalerweise gilt eine Mindestgröße von 30 Litern pro Kopf, bei Mülltrennung können wir auf 13 Liter reduzieren. Mehr geht nicht."

Bei der Festlegung dieser Größen habe man sich seinerzeit an Empfehlungen des Städte- und Gemeindebundes orientiert. "Zudem will man vermeiden, dass Haushalte versuchen, noch weiter bei der Größe zu sparen, um dann, wenn sie mit der Tonne nicht auskommen, ihren Müll wild entsorgen."

Für Peters sei es auch eine Fragen der Gebührengerechtigkeit: Auch wenn einzelne Haushalte von Ein- oder Zweifamilienhäusern mit sehr geringen Tonnengrößen auskämen, in Mehrgeschosshäusern mit Müllcontainern würde es nicht funktionieren.

Überdies werde mit den Restmüllgebühren auch die "sehr günstige Abfuhr der Biotonnen subventioniert". Gerechter wäre vielleicht ein völlig neues Erfassungssystem - etwa durch Wiegen. Doch diesen Kostenaufwand könne die Stadt nicht bewältigen.

Peters bestätigte, dass sich zurzeit die Beschwerden über das Berechnungssystem häufen, weil nach dem Datenabgleich mit dem Meldeamt etliche Haushalte zwar Zuwachs bekommen haben, die Tonnengröße aber unverändert geblieben sei. "Wir müssen es gerecht kriegen für alle." Dafür zeige sich die Stadt kulant und fordere nicht rückwirkend die Bezahlung für die laut Satzung vorgeschriebene Literzahl.

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