Inge und Karl Rudolf Thull haben mit einer sechsstelligen Erbschaft eine Stiftung für in Not geratene Ratinger Familien gegründet.

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Gleiche Chancen für alle Ratinger Kinder – das ist der Wunsch von Inge und Karl Rudolf Thull (vorne). Klaus Hagedorn (Caritas) und Katrin Hofmann helfen ihnen dabei.

Gleiche Chancen für alle Ratinger Kinder – das ist der Wunsch von Inge und Karl Rudolf Thull (vorne). Klaus Hagedorn (Caritas) und Katrin Hofmann helfen ihnen dabei.

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Gleiche Chancen für alle Ratinger Kinder – das ist der Wunsch von Inge und Karl Rudolf Thull (vorne). Klaus Hagedorn (Caritas) und Katrin Hofmann helfen ihnen dabei.

Ratingen. Das Schlüsselerlebnis hatten Inge und Karl Rudolf Thull im Sommer vor anderthalb Jahren. Am Stammtisch hörten die beiden zum ersten Mal von der Mutter, die von heute auf morgen nicht mehr wusste, wie sie ihre fünf Kinder ernähren sollte, weil der Vater erkrankt war. Plötzlich gab es da eine Familie in der Nachbarschaft, die nicht mehr ein noch aus wusste. "Ihr fehlte sogar das Geld, um Brot zu kaufen. Das hat uns sehr traurig gemacht", erzählt Inge Straßen-Thull.

Das Paar reagierte prompt und griff der Familie unter die Arme. Doch dabei blieb es nicht. Eine Kindergärtnerin schilderte ihnen, wie groß die Not auch in anderen Familien ist. Karl Thull: "Was hinter verschlossenen Türen geschieht, bekommt man ja sonst nicht mit." Manchen Eltern fehlt das Geld, um ihren Kindern eine Badehose für den Schulausflug zu kaufen, andere stellt die Anschaffung von Tornistern vor ein schier unlösbares Problem.

Nachdem sie wussten, wieviel Not es auch in einer wohlhabenden Stadt gibt, lag es für die beiden nahe, nicht länger tatenlos zuzusehen. "Wir möchten den Menschen vor unserer Haustüre helfen", erklärt Karl-Rudolf Thull. Häkeln, Stricken, Töpfern oder Klöppeln - für die handarbeitlich begabte Inge Straßen-Thull ist es schwer, einmal nichts zu tun: "Ich muss immer eine Beschäftigung haben", sagt die Frau, die im Ruhestand mit ihrem Mann unter anderem als Küsterin in einer Krankenhauskapelle tätig ist. "Meine christliche Verantwortung sagte mir, wir müssen aktiv werden", erinnert sie sich. Zur gleichen Zeit kam auf Inge Straßen-Thull eine Erbschaft zu. Eine sechsstellige Summe, wie sie andeutet. "Da dachte ich: Jetzt oder nie." Die Thulls gründeten unter dem Dach der CaritasStiftung ihre eigene Stiftung, um mit ihrem Geld nachhaltig helfen zu können. Nachhaltig, weil das Stiftungskapital niemals angerührt wird - sondern lediglich die Zinsen.

Den Kindern der Stadt soll ein fairer Start ermöglicht werden

"Kinder-Jugend-Starthilfe" (KiJuStar) heißt die Stiftung nun und das Logo zeigt deutlich, worum es dem engagierten Ehepaar geht: Ein Kind und ein Jugendlicher sind dort abgebildet, die nach den Sternen greifen. "Das ist unser Wunsch. Wir möchten Kindern helfen, scheinbar Unmögliches möglich zu machen und ihnen einen gerechten Start ermöglichen."

Unterstützt werden Familien, die in Not geraten sind, dort, wo keine staatliche Förderung möglich ist. Der Staat solle schließlich nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden. "Viele Kinder werden in unserer Gesellschaft aufgegeben und auf Sozialhilfe vorbereitet - so etwas darf nicht sein", findet Inge Straßen-Thull. "Wir stehen auf der Sonnenseite des Lebens und teilen gerne mit denen, die sich auf der Schattenseite befinden."

Die Stiftung setzt ganz bewusst bei Kindern an. "Denn hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Erhält ein Kind aus einer ärmeren Familie schon früh eine entsprechende Förderung, hat es auf einmal eine ganz andere Perspektive", erklärt sie.

Damit das Geld auch dort ankommt, wo es wirklich gebraucht wird, holten sich die Thulls zwei Experten mit ins Boot: Katrin Hofmann, Mitarbeiterin der Arge, und Klaus Hagedorn, vom Caritasverband für den Kreis Mettmann. Die beiden beraten die Stifter bei der Mittelvergabe.

Denn vorerst ist die Stiftung nicht groß genug, um überall zu helfen, wo Not herrscht. Etwa 4000 Euro stehen pro Jahr zur Verfügung. Deshalb - und wirklich nur deshalb - seien zunächst vor allem katholische Kindergärten und Grundschulen aufgerufen, Empfänger vorzuschlagen, erklärt Inge Straßen-Thull. Doch wer letztlich Hilfe erhalte, sei natürlich von der Konfession unabhängig.

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