Hennes Bender brachte ein speziell auf Ratingen angepasstes Programm mit.

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Keiner regt sich so herrlich auf wie Hennes Bender. Und kaum jemand verlangt dem Publikum so viel Mitdenken ab.

Keiner regt sich so herrlich auf wie Hennes Bender. Und kaum jemand verlangt dem Publikum so viel Mitdenken ab.

Stefan Fries

Keiner regt sich so herrlich auf wie Hennes Bender. Und kaum jemand verlangt dem Publikum so viel Mitdenken ab.

Ratingen. Er bezeichnet sich selbst bisweilen als "Tischfeuerwerk der deutschen Comedyszene", und irgendwie müssen sich alle Humorschaffenden der "Nightwash"-Generation an ihm messen lassen: Am Freitagabend besuchte Hennes Bender das Ratinger Stadttheater und demonstrierte, weshalb er als einer der besten seiner Zunft gehandelt wird.

Seine Art von Entertainment ist nur bedingt mehrheitsfähig und verlangt vom Publikum wesentlich mehr Eigenleistung, als es andere Komikern tun.

Nachdem er eine Weile weitgehend unerkannt im Zuschauerraum gewartet hatte, enterte der kleingewachsene Bochumer die Bühne und nutzte den Überraschungseffekt für die erste Spitze des Abends: "Ihr könnt ruhig mitmachen, das ist hier nicht Fernsehen", animierte er das leicht verdutzte Publikum.

Bender schlägt als Stadtslogan vor: "Ratingen - bei Hösel"

Und das sollte nicht die letzte Gemeinheit des Abends sein: "So lustig war das jetzt auch nicht, aber wenn Sie darüber schon lachen, dann wird das ein schöner Abend!"

Gut vorbereitet konnte der Comedian die Ratinger thematisch sozusagen vor der eigenen Türe abholen und philosophierte über den Stadtteil Hösel, der dank der gleichnamigen Autobahnraststätte vermutlich der bekannteste Ratinger Stadtteil sein dürfte, auch wenn "Hösel" wie eine Krankheit klinge. Schnell war er dann auch mit einem Vorschlag für einen zugkräftigen Stadtslogan bei der Hand: "Ratingen - bei Hösel!"

Viel Zeit verwandte er darauf, vom Bühnenrand herab höchst unterhaltsamen Smalltalk mit Gästen zu führen, eine Angewohnheit, die wohl noch aus Zeiten herrührt, als er in kleinen Clubs auftrat. Großartig verändert hat er sich seither nicht, noch immer plaudert er scheinbar aus dem Stegreif, zitiert dabei beiläufig Helge Schneider oder die Simpsons und fügt am Ende doch alle roten Fäden so zielsicher wieder zusammen, dass einem schwindelig werden kann.

Mit Begeisterung zieht er über die Uniformität amerikanischer Filialisten her, oder geht merkwürdigen Phrasen und sinnfreien Redewendungen auf den Grund. Sein Thema ist die alltägliche Ignoranz und Gleichgültigkeit, die sich in unreflektiertem Konsum niederschlägt, oder im oberflächlichen Umgang miteinander.

Einfach mal etwas anders machen, einfach mal dagegen sein und so sein, wie man will, das ist Benders Credo. Wer sich so schön aufregen kann, der wäre doch eigentlich prädestiniert fürs politische Kabarett, doch das will Bender dann auch wieder nicht. Denn: "Früher hatte man noch klare Feindbilder, heute weiß man gar nicht mehr, wen man alles scheiße finden soll!"

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