Fünf Auerochsen haben ihren „Job“ auf dem Eignerbach-Gelände angetreten.

Umwelt
Die Auerochsen – vier Kühe und ein Bulle – werden dazu beitragen, dass die offenen Grasflächen nicht zuwuchern und die abwechslungsreiche Landschaftsstruktur, die vielen Arten Lebensraum bietet, erhalten bleibt.

Die Auerochsen – vier Kühe und ein Bulle – werden dazu beitragen, dass die offenen Grasflächen nicht zuwuchern und die abwechslungsreiche Landschaftsstruktur, die vielen Arten Lebensraum bietet, erhalten bleibt.

Jungbulle Nuk schaut sich den beherzten Sprung vom Transporter an.

Simone Bahrmann, Bild 1 von 2

Die Auerochsen – vier Kühe und ein Bulle – werden dazu beitragen, dass die offenen Grasflächen nicht zuwuchern und die abwechslungsreiche Landschaftsstruktur, die vielen Arten Lebensraum bietet, erhalten bleibt.

Wülfrath. Die Klappe des Transportwagens ist weit geöffnet. An der Tür zeigt sich eine haarige Schnauze. „Kommt schon raus“, ruft Hegemeisterin Gabriele Meiser. Weder schüchtern noch sonderlich neugierig bewegen sich die bulligen Tiere voran. Am Ende der Rampe folgt ein kleiner Schritt für einen Auerochsen, aber ein großer für den Naturschutz: Mit einem Klappern betreten die ersten Auerochsen Wülfrather Boden.

„Die Tiere können zwischen bekannten und fremden Menschen unterscheiden.“

Gabriele Meiser, Hegemeisterin des Wildgeheges Neandertal

Auf dem Gelände des ehemaligen Sedimentationsbeckens am Eignerbach wurden gestern fünf Auerochsen angesiedelt. Nea, Nadesha, Naomi und Nicole heißen die vier Kühe, Jungbulle Nuk wird einziger Herr im Revier. Alle Namen beginnen mit dem Buchstaben N, weil sie aus dem Neandertal kommen. Eigentümer ist der Naturschutzverein Neandertal, der die Tiere im eigenen Wildgehege pflegt und züchtet.

Die Renaturierung des einstigen „Schlammteichs“ erfolgt durch Rheinkalk in Abstimmung mit der Landschaftsbehörde des Kreises Mettmann. Neben Wasserflächen wechseln sich Offenland- und Gebüschflächen ab. So reifte laut Otto Kahm, Vorsitzender des Naturschutzvereins Neandertal, die Idee, Teile der 126 Hektar großen Fläche mit den Auerochsen zu besiedeln.

Die Tiere sind wie natürliche Rasenmäher. Zudem sorgen sie dafür, dass die Grasflächen nicht durch Sträucher überwuchert werden. „Durch die Artenvielfalt wären sonst aufwendige Pflegemaßnahmen nötig“, sagt Rheinkalk-Sprecher Peter-Josef Müllenborn.

Die Auerochsen, die mehrere hundert Kilo auf die Waage bringen, leben aber nicht nur von der eigenen Nahrungssuche, sondern bekommen zusätzlich eine spezielle Getreidemischung. Regelmäßig wird ihr Wohlbefinden kontrolliert.

Auerochsen tauchten vor rund 250 000 Jahren auf und waren ursprünglich in Mitteleuropa, Asien und Nordafrika verbreitet. Im Jahr 1627 starb in Mitteleuropa die letzte verbliebene Kuh. Durch Jagd und Verdrängung war die Art damit ausgestorben. In den 1920er-Jahren gelang es Berliner Zoologen, das Tier nachzuzüchten. Die Nachzucht ist allerdings kleiner.

Im Wildgehege Neandertal sind seit 1935 Tiere untergebracht. Heute leben auf 23 Hektar neben den Auerochsen auch Wisente und Tarpane (Wildpferde).
 

Für 60 Euro im Jahr können Tierfreunde Paten eines Auerochsen werden. Weitere Informationen im Internet unter: www.wildgehege-neandertal.de

Gabriele Meiser und ihr Mann Hans-Wilhelm kennen die dunkelbraunen Riesen genau. Zwei der Kälber haben sie sogar auf ihrem eigenen Hof aufgezogen. Sie können gestreichelt und am Halfter geführt werden. „Die Tiere können zwischen bekannten und fremden Menschen unterscheiden. Bei Fremden sind sie viel unruhiger“, sagt Gabriele Meiser.

Die Herde, die sich zunächst in einem Gehege eingewöhnen konnte, hat gestern rasch das von Rheinkalk eingezäunte Biotop erobert. Wenige Minuten nach ihrer Freilassung sind die Tiere auch schon aus dem Blickfeld verschwunden. Spaziergänger müssen künftig hoffen, die Auerochsen von dem Aussichtspunkt des Rundwanderwegs Eignerbach erspähen zu können.

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