Mit einem anspruchsvollen Projekt baut die Mauell GmbH ihre Weltmarkt-Stellung aus: Sie hat die Zentrale eines der ersten Offshore- Windparks gebaut.

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Blick in die von der Mauell GmbH entworfene und in Emden gebaute Leitwarte: Von dort aus werden die Windparks überwacht und gesteuert, die das Energieunternehmen Bard nördlich von Borkum in die Nordsee baut. Die im Endausbau 400Windräder liefern so viel Energie wie zwei Atomkraftwerke.

Blick in die von der Mauell GmbH entworfene und in Emden gebaute Leitwarte: Von dort aus werden die Windparks überwacht und gesteuert, die das Energieunternehmen Bard nördlich von Borkum in die Nordsee baut. Die im Endausbau 400Windräder liefern so viel Energie wie zwei Atomkraftwerke.

120 Meter hoch mit 62 Meter langen Rotorblättern – so sehen die Windräder aus, die der Energieriese Bard in die Nordsee baut.

Mauell, Bild 1 von 2

Blick in die von der Mauell GmbH entworfene und in Emden gebaute Leitwarte: Von dort aus werden die Windparks überwacht und gesteuert, die das Energieunternehmen Bard nördlich von Borkum in die Nordsee baut. Die im Endausbau 400Windräder liefern so viel Energie wie zwei Atomkraftwerke.

Neviges. Die Dimensionen sind gewaltig: Wenn die beiden Windparks des Energieriesen Bard nördlich von Borkum fertiggestellt sind, drehen sich in 120 Metern Höhe über dem Wasser der Nordsee bald 400 Windräder, jedes Rotorblatt ist 62 Meter groß, alle zusammen bringen sie etwa 2000 Megawatt ein - so viel wie zwei Atomkraftwerke.

Naheliegend, dass da auch die Leitstelle dieser gewaltigen Anlage etwas Besonderes ein soll. Die Fima Mauell hat den Zuschlag bekommen - und das Projekt in zwei Jahren Bauzeit zum Abschluss gebracht. "Ein wahnsinnig enges Zeitfenster", sagt Projektleiter Hartmut Erler. "Aber es war auch eines der schönsten Projekte, die wir je hatten."

"Kommandobrücke" in Sichtweite des Emdener Hafens

Das liegt daran, dass die Spezialisten von Mauell aus dem Vollen schöpfen durften und sogar bei den Plänen für das Gebäude einbezogen wurden. Entstanden ist nun ein Komplex in Sichtweite des Emdener Hafens, der von innen stark an die Kommandobrücke eines Ozeanriesen erinnert.

Kein Zufall: "Wir haben die Pulte in Form eines Schiffbugs angeordnet", sagt Erler. Zusammen mit den blauen Farben bringt das ein maritimes Ambiente. Denn auch Besuchergruppen können ständig durch eine Milchglasscheibe den laufenden Betrieb beobachten.

Der soll rund um die Uhr von einer meist vierköpfigen Mannschaft aufrecht erhalten werden. Sie kann sich auf der zehn mal zwei Meter großen, geschwungenen Videowand ein umfassendes Bild vom Geschehen auf See machen.

Dicke Datenleitungen liefern ständig die Werte für alle Rotortürme. Diese Zahlen und Grafiken werden durch Videobilder ergänzt, die von 1000 Kameras eingefangen werden. Jeder Turm und jedes Umspannwerk ist von verschiedenen Perspektiven aus zu sehen.

Was hatten sie von Mauell nicht alles zu beachten: Die Monitore mussten die richtigen Größen und Abstände haben, die Arbeitsplätze so angeordnet sein, dass vieles auf Zuruf läuft, alle Kabel sollten unsichtbar in einem Hohlboden verschwinden, es ging um Ergonomie und immer wieder um Design.

Schließlich musste auch der repräsentative Eindruck stimmen. Nun können die Besucher direkt vom Leitstand in die benachbarte Produktionshalle spazieren und dabei zusehen, wie die Rotorblätter herstellt und wenige Meter weiter verschifft werden. Erler: "Das ist alles sehr beeindruckend."

Der Aufwand hat aber auch einen ernsten Hintergrund. Es fehlt weltweit schlicht noch an Erfahrung im Umgang mit den Mega-Windparks auf See. "Wer weiß, wie widerstandsfähig die letztlich sind?" Die Katastrophenszenarios reichen von der Schiffskollision bis hin zum Abreißen eines Rotorblattes.

Gibt es Probleme, kann in der Zentrale auf dem Festland blitzschnell auf zwölf Mann aufgestockt werden. Dank Sanitär- und Ruheräumen im Hintergrund kann zur Not rund um die Uhr gearbeitet werden.

Nevigeser haben bereits zwei konkrete Folgeprojekte

Als sich Mauell vor zwei Jahren um den Auftrag bemühte, wirkte alles noch wie ein großes Abenteuer mit ungewissem Ausgang. "Das war schon komisch, als ich den Managern das Projekt präsentiert habe und ein Dolmetscher alles auf Russisch übersetzt hat." Hauptgesellschafter des Emder Mauell ist der Russe Arngolt Bekker.

Doch alle Mühe hat sich gelohnt: Das Projekt hat in der Branche weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt, die Velberter haben sich in Sachen Leitstände für Meeres-Windkraft an die Spitze gesetzt. "Daraus haben sich mehrere interessante Anfragen und sogar zwei konkrete Projekte ergeben", sagt Erler.

Allein seine Abteilung ist bis 2013 mit Arbeit eingedeckt und trägt dazu bei, dass der expandierende Mittelständler auf Erfolgskurs bleibt. Bevor aber der nächste Windpark auf dem Plan steht, widmet sich das Team um Erler erst einmal einer Solarkraftanlage.

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